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Prozess

Mutmaßlicher Mittäter muss sich wegen eines Raubs am Reitplatz verantworten

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„Der andere war’s“ – der 25-jährige Ex-Grävenwiesbacher war zwar in der Nähe, als es zu einer räuberischen Erpressung mit Schusswaffengebrauch auf dem Grävenwiesbacher Reitplatz kam. Mit der Tat selbst aber will er nichts zu tun haben. Ob das stimmt, wird das Landgericht klären. Gestern war Prozessauftakt.

Weil er im Zusammenwirken mit einem Komplizen drei junge Leute mit Waffengewalt erpresst haben soll, steht seit gestern ein 25-jähriger ehemaliger Grävenwiesbacher vor dem Frankfurter Landgericht. Sollte die Kammer zu dem Ergebnis kommen, dass der Schuldvorwurf zutrifft, erwarten den Angeklagten mindestens fünf Jahre Haft. Da die Aussagen der drei geschädigten, damals 16- und 18-Jährigen was den Tatbeitrag des Angeklagten anbelangt weit auseinanderliegen, könnte es auch auf eine Beurteilung als minderschwerer Fall hinauslaufen, was maximal fünf Jahre bedeuten würde.

Zu dem Verbrechen war es am 8. April 2016 auf dem ehemaligen Reitplatz in Grävenwiesbach gekommen. Dort will der Angeklagte gemeinsam mit gut einem halben Dutzend Kumpels, mit denen er zuvor hinterm Rewe-Markt ordentlich „vorgeglüht“ hatte, stark alkoholisiert Baseball gespielt haben.

Der mittlerweile bereits verurteilte Komplize des Angeklagten soll sich zu der Gruppe gesellt haben, jedoch nicht, um selbst den Baseballschläger zu schwingen, sondern um anderen Leuten mit vorgehaltener Schusswaffe Wertsachen abzunehmen.

Der Angeklagte behauptet, von dem anderen aufgefordert worden zu sein, sich an der räuberischen Erpressung zu beteiligen. Er selbst aber habe mit dem Hinweis, dass er mit so etwas nichts tun haben wolle, abgelehnt. Er will dann gesehen haben, wie der andere von drei jungen Leuten ein Handy, eine Uhr sowie eine Halskette erpresst habe. Später sei er mit dem Komplizen mit der Taunusbahn nach Hause gefahren. Unterwegs soll der andere versucht haben, den Angeklagten erneut für einen Raub in Neu-Anspach, diesmal auf eine Spielothek und eine Tankstelle, anzuwerben. Wieder habe er sich geweigert, mitzumachen.

Er will dem anderen sogar die Waffe, mit der dieser im Zug geprahlt und aus dem Fenster geschossen haben soll, unter einem Vorwand abgenommen, sie ihm später aber wieder ausgehändigt haben. Er selbst habe nie eine Waffe gehabt, er hasse Waffen. Wenn andere anderes behaupteten, dann würden sie lügen, gab der Angeklagte zu Protokoll. Inzwischen wisse er auch, warum er angezeigt wurde: Die Opfer und die damalige Freundin des Mittäters seien gut miteinander bekannt, teilweise sogar verwandt.

In der Tat schildert die Gegenseite die Sache teilweise anders. Ein 19-Jähriger, der zu dem ausgeraubten Trio gehörte, sagte gestern aus, die beiden vermummten Täter hätten definitiv Schusswaffen in der Hand gehabt. Der Angeklagte sei auch der Haupttäter gewesen und habe als erster die Herausgabe der im übrigen gar nicht so wertvollen Beute – Gesamtwert 150 Euro – gefordert und damit gedroht, es werde „etwas passieren“, wenn sie die Polizei einschalteten. Der Angeklagte habe im Weggehen auch einen Schuss über die Köpfe der drei Geschädigten hinweg abgegeben. Zunächst habe man aus Angst geschwiegen, sei nach drei Tagen aber doch zur Polizei gegangen, wo man jedoch den Mittäter zunächst als „unbekannt“ beschrieben, seinen Namen später dann aber doch preisgegeben habe. Der Zeuge begründete das damit, dass der Mann sich zwischenzeitlich entschuldigt und die Beute zurückgegeben habe.

Eine Geschädigte sagte, der Angeklagte sei erst hinzugekommen, als die Sache bereits erledigt war, habe aber ebenfalls mit der Waffe in der Hand davor gewarnt, die Polizei zu informieren. Auch der zweite Geschädigte hatte ausgesagt, dass der bereits verurteilte Räuber der Haupttäter gewesen und der Angeklagte später hinzugekommen sei. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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