Wer in den Grävenwiesbacher Verantwort übernimmt, der kam zum ersten gemeinsamen Treffen. Neue Strategien werden gesucht, um das Singen wieder zu ermöglichen.
+
Wer in den Grävenwiesbacher Verantwort übernimmt, der kam zum ersten gemeinsamen Treffen. Neue Strategien werden gesucht, um das Singen wieder zu ermöglichen.

Grävenwiesbacher Chöre suchen Lösung aus Corona-Dilemma

Die Proben der Sänger fallen seit März aus

  • vonMonika Schwarz-Cromm
    schließen

Gemeinsam wollen die Vereine nun einen Weg aus der Proben-Problematik finden. In einer Konferenz wurde beschlossen mit den Kirchengemeinden zu sprechen, denn die Gotteshäuser wären für die Singstunden geeignet.

Die gesamte große Grävenwiesbacher Sängerschaft ist höchst beunruhigt. Es darf Corona-bedingt nicht in geschlossenen Räumen gesungen werden. Bedeutet das letztlich, die eh schon im Aussterben befindlichen Gesangvereine gehören der Vergangenheit an?

Alle Vorstände haben Angst, die Mitglieder, die meist schon älter sind, würden nach überstandener Corona-Krise nicht mehr kommen. Was ist jetzt zu tun? Heinz Radu (FWG) übernahm daher die Regie und lud die Gesangvereine der Großgemeinde am Freitag zu einem Gedankenaustausch auf das Gelände des Sportvereins Hundstadt ein.

14 Gesangsvereinsmitglieder, darunter die Vorsitzenden Elke Görnt-Au vom Gesangverein "Sängergruß" in Hundstadt, Gabriele Kömpel vom Gemischten Chor "Frohsinn" in Mönstadt, Monika Reiter vom Gemischten Chor "Sängerkranz" in Naunstadt, Günter Brodkorb vom Gesangverein "Germania" in Grävenwiesbach sowie Hanne Budig vom Gemischten Chor Klangfarben des Vereins Mittendrin diskutierten unterschiedliche Möglichkeiten, das Vereinsleben trotz Corona fortzuführen.

"Wir Sänger brauchen die Proben", brachte es Hanne Budig auf den Punkt. Elke Görnt-Au berichtete von einem Wehrheimer Projekt, bei dem die Sänger die Liedtexte an der Wand ablesen und mitsingen können. "Hochwertiges Singen und Chorproben wie vor Corona können wir uns erst mal abschminken", gestand sie ein. Draußen singen scheint derzeit die Alternative zu sein. "Aber nur solange es warm ist und nicht regnet", gab Gabriele Kömpel zu bedenken. "Solange wir im Sängerbund organisiert sind, müssen wir uns an die Bestimmungen halten", wandte Günter Brodkorb ein. Schließlich stehe der jeweilige Vorstand in der Verantwortung, wenn sich das Virus durch eine solche Singstunde ausbreite. "Wenn nichts passiert, ist es gut. Wenn nicht, ist der Teufel los", argumentierte er und appellierte an die Vorsicht aller. Dass der Sängerbund nur Empfehlungen gebe, ließ Günter Brodkorb nicht als Freibrief gelten.

Und auch Heinz Radu machte darauf aufmerksam, dass die Gemeinde genaue Vorgaben an die Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser herausgegeben habe. Darin sei beispielsweise enthalten, dass kein Geschirr genutzt und alle Tische und Stühle im Anschluss desinfiziert werden müssen. "Die Verantwortung liegt immer bei dem, der einlädt", mahnte er. Denn es könne auch zu einer ganz offiziellen Kontrolle der Hygienebestimmungen kommen.

Kirchen nach Probenraum fragen

Draußen singen empfand Günter Brodkorb bei den einzuhaltenden Abständen irgendwie seltsam. "Man ist doch gewohnt, rechts und links die Stimmen zu hören", argumentierte er. Auf alle Fälle sei das Singen im größeren Rahmen oder in kleinen Gruppen auf dem Spielfeld der Sportvereine möglich, waren sich alle einig. "Wie wäre es denn mit Singen in den Kirchen?" Eine neue Idee, die Sebastian Budig einbrachte. Da würden sogar die Höhenbestimmungen von vier Metern über den Sängern eingehalten.

Wenn also die Vereine den Kirchenvorständen ein Hygienekonzept vorlegen und die Verantwortung übernähmen, müsse das doch möglich sein, meinte Heinz Radu und machte klar, dass hochwertiges Singen derzeit nicht so wichtig sei wie das Zusammenkommen der Gesangsvereinsmitglieder.

Hanne Budig berichtete aus eigener Erfahrung vom Zusammenkommen einiger Mitglieder des Chors Klangfarben im Freien. Sie habe dazu Aufnahmen des Chors abgespielt, in die alle eingestimmt hätten. "Dabei ist es egal, ob beispielsweise der Tenor fehlt", erklärte sie, weil der ja vom Band komme.

Als Endergebnis sollen jetzt die Kirchenvorstände befragt werden und Singen im Freien im Wechsel der Ortsteile angeboten werden. In sechs Wochen, also Mitte September, wollen sich die Gesangsvereinsvorsitzenden erneut treffen und der dann herrschenden Sachlage entsprechend weitere Schritte beraten. Monika Schwarz-Cromm

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare