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Die ehemaligen Saarwerke sind heute ein Umsatzort für Grünmüll. Gegen die Ausweitung der Mengen durch die RMD wehren sich nun Anwohner.

Grävenwiesbach

Protest gegen Verkehr und Müllmengen in Grävenwiesbach

Grünen-Politiker sieht enorme Belästigungen auf die Anwohner zukommen. 120 Unterschriften gegen Erweiterung des Geländes "Am Tunnel" der Rhein-Main-Deponie gesammelt.

Grävenwiesbach – Thomas Müller (Grüne) lässt das anstehende Änderungsgenehmigungsverfahren zur Erhöhung der Durchsatz- und Lagermengen sowie die Wiederinbetriebnahme der Halle III für die Behandlung und zeitweilige Lagerung von Grünschnitt auf dem RMD-Gelände "Am Tunnel" keine Ruhe. Alleine diese Formulierung macht ihm schon Bauchschmerzen.

Der studierte Wirtschaftswissenschaftler hat genau nachgerechnet. "Es geht um die Mengenerhöhung von 14 500 Tonnen auf 16 500 Tonnen Material im Jahr", erklärt er. Das höre sich für manchen nicht gerade viel an.

Bedenke man aber, das die Firma Bertl vor einigen Jahren mit 5500 Tonnen pro Jahr startete, die RMD nach der Übernahme des Geländes auf 10 000 Tonnen erhöhte und später 14 500 Tonnen Grünschnitt zerkleinerte und siebte, sehe das schon anders aus.

Der neue RMD-Antrag weist sogar 16 500 Tonnen aus. "Das ist eine Erhöhung um 15 Prozent", bemängelt Thomas Müller.

Dazu kommen die Lastkraftwagen, die diese Mengen hin- und her transportieren. Da sei es zunächst um 8000 Tonnen hin und 15 000 Tonnen zurück gegangen. Der neueste Antrag belaufe sich auf 10 000 Tonnen hin und 20 000 zurück. Da sei ein erhöhtes Lkw-Aufkommen gar nicht zu vermeiden, meint Müller. Dennoch werde weiterhin von der Gemeinde erklärt, die Lkw-An- und Abfahrten blieben nahezu gleich.

Sechs Tage die Woche Betrieb

Die Betriebszeiten müssten erweitert werden, ist sich Thomas Müller sicher. Die Maschinen seien dann von 7 bis 20 Uhr im Einsatz, und das von Montag bis einschließlich Samstag, obwohl die Gemeinde einst ein Ende um 17 Uhr festgelegt habe.

Das bedeutet für die, die dort wohnen: "Es wird noch mehr stinken; es wird noch lauter werden; es wird eine dauerhafte Belästigung werden." Denn Thomas Müller hat sich im Namen der Grünen Akteneinsicht verschafft und dabei herausgefunden, dass die Biodeponie nicht, wie 2019 dargestellt, nur für zwei bis drei Jahre in Betrieb gehe, sondern dauerhaft.

Müller betont, dass es auf der Deponie Brandholz einen wesentlich besseren Standort für diese Kompostieranlage gebe. Da aber die betroffenen Kreise uneinig seien, werde der nicht weiter verfolgt. "Die Grävenwiesbacher müssen das jetzt ausbaden", ist Müller sauer.

120 Unterschriften übergeben

Gegen die derzeit schon kaum auszuhaltende Geruchsbelästigung haben inzwischen bereits 120 Grävenwiesbacher mit ihrer Unterschrift protestiert. Die Liste liegt dem Ortsbeirat vor. Denn nicht nur die Anwohner der Straße "Am Tunnel" fühlen sich sehr durch die nur 600 Meter entfernte RMD-Anlage extrem belästigt. Auch das Neubaugebiet "Vor dem Seifen" ist nur 800 Meter weit entfernt und bekommt bei "günstiger" Windlage die volle Geruchs-Dröhnung ab.

Für Thomas Müller ist es völlig unverständlich, warum dieser RMD-Erhöhungs-Antrag nicht sofort alle Gremien durchlief. Bei der Durchsicht der Akten konnte er einsehen, dass der Antrag ausdrücklich nicht als Betriebsgeheimnis deklariert war. Warum der Bürgermeister sowie der Erste Beigeordnete den Ortsbeirat erst ein Jahr später informierte, wundert ihn sehr.

Der 47-jährige Thomas Müller lebt seit zehn Jahren in Grävenwiesbach und kennt als Anwohner die Problematik des RMD-Geländes.

"Roland Seel hat dabei das Wichtigste nicht genannt: Die Lagermengenerhöhung um das Vierfache sowie die Verdoppelung der stinkenden Grünschnittmenge", bemängelt Thomas Müller. Um dabei mehr Transparenz zu schaffen, hätten die Grünen einen Antrag in der Gemeindevertretersitzung gestellt. Heinz Radu habe als Sitzungsleiter dabei die Beteiligung des Ortsbeirates abgelehnt und sich auf den Hessischen Städte- und Gemeindebund berufen.

Politik muss Einfluss nehmen

Dabei habe genau der betont, eine Beteiligung des Ortsbeirates nicht erkennen zu können. Tobias Stahl (CDU) sei es zu verdanken, dass die Gemeindevertreter doch noch die Zustimmung zum Grünen-Antrag gaben.

Dennoch ist nach Müllers Meinung die diesbezügliche Abstimmung in der aktuellen Gemeindevertretersitzung, die Heinz Radu (FWG) leitete, illegal gewesen, da laut HGO der Ortsbeirat hätte beteiligt sein müssen, dies aber nicht war.

Müller betont aber, sein Engagement nicht gegen die RMD zu richten. Wenn die Halle III komplett eingehaust sei, käme es nicht mehr zu den enormen Belästigungen der Anwohner. An die Politiker appelliert er, den Bürgern zu zeigen, wer sich für gute Lebensqualität in Grävenwiesbach einsetze und dies nicht nur ins Wahlprogramm schreibe. Von Monika Schwarz-Cromm

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