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Und benehmt Euch am Gardasee!«

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Zur Jubiläumsfeier gibt es ein Wiedersehen mit Stammtischmitgliedern der vergangenen 50 Jahre. © Andreas Romahn

Grävenwiesbach . Freudiges Wiedersehen, reger Erinnerungsaustausch und viele, lustige Anekdoten zu erzählen gab es am Sonntag im Landgasthof »Zur Eisenbahn bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Grävenwiesbacher Stammtischs »Anstand und Sitte«. Im großen Saal der 111 Jahre alten »Eisenbahn« herrschte das Ambiente eines Klassentreffens, als über 30 ehemalige und aktuelle Stammtisch-Mitglieder im Durchschnittsalter von 65 Jahren sich mit ihren Partnern zum Essen trafen und 50 Jahre Stammtischgeschichte Revue passieren ließen.

Startschuss in der Mofa-Zeit

Es begann irgendwann im Jahre 1972, als ein paar junge Leute anfingen, sich regelmäßig zu treffen. »Es war Mofa-Zeit und wir hatten immer viel zusammen unternommen«, erinnerten sich die Gründungsmitglieder Hartmut Bullmann, Jochen Köhler, Kai und Thomas Stehning, Siegfried Lohnstein und Werner Born an die Anfänge.

Viele kennen sich von klein auf und haben mit der Zeit Freunde und Freundinnen, später ihre Ehefrauen mitgebracht, sodass die Gemeinschaft ständig wuchs. »Bei uns kann sich jeder dazu setzen, denn wir sind ein offener Stammtisch und nie ein reiner Männerstammtisch gewesen«, betonen die Männer der ersten Stunde in Erinnerung an das weibliche Mitglied Iris Wern, die damals von ihrer Oma extra aus Weilmünster zum Treffen nach Grävenwiesbach gefahren wurde.

Das Altersspektrum reicht heute von 50 Jahren bis zum 73-jährigen Armin Hepp als Senior der Stammtischgemeinschaft. Nach so langer Zeit ist es nicht verwunderlich, dass nicht mehr alle regelmäßig zum Stammtisch kommen können. Beruf und Familie haben sie in andere Orte nach Usingen, Rod am Berg, Weilmünster oder Möttau verschlagen.

45 Jahre bei »Koalls« getagt

Die weiteste Anreise zum Jubiläum unternahm Thomas Knörr, der aus dem bayrischen Rosenheim zum Wiedersehen kam. Die beiden Organisatoren und Gründungsmitglieder Werner Born und Kai Stehning mussten kurzfristig absagen. 45 Jahre lang hatte der Stammtisch seine Heimat bei »Koalls« im Gasthaus »Hessenstube«, ehe nach dessen Schließung 2017 der Umzug in die »Eisenbahn« erfolgte. Das Stammtischjubiläum fällt zufällig mit jenem der Großgemeinde Grävenwiesbach zusammen, aber ihre Erlebnisse, Erinnerungen und Rückblicke sind auch eine Zeitreise in die jüngere Dorfgeschichte.

Denn »Anstand und Sitte« bewegte sich auch immer mitten im Dorf. Angefangen von der 700-Jahrfeier 1980, als der Stammtisch die alte Dreschmaschine von Otto Velte erwarb und seither bei Festumzügen und historischen Ausstellungen mit Schaudreschen die Getreideernte vor 100 Jahren vorführt. Einmal sprang der Stammtisch zur Veranstaltung eines Maskenballs im Ort ein und von 1980 bis 1995 war »Anstand und Sitte« alle zwei Jahre Ausrichter des Grävenwiesbacher Backesfestes.

Ermahnung als Namensgeber

Der ausgefallene Name war bereits 1976 auf dem ersten Stammtischausflug an den Gardasee nach Italien entstanden, als zur Ermahnung betont wurde, gerade auch im Ausland »Anstand und Sitte« zu wahren...

Alle zwei Jahre unternahm der Stammtisch einen Ausflug und lernte dabei nicht nur ganz Deutschland, sondern Prag, Holland und zuletzt vor Corona Mallorca kennen. Hierhin soll vom 30. September bis 6. Oktober auch der Jubiläumsausflug führen - auch hier mit Anstand und Sitte, versteht sich. Darüber hinaus möchte der Stammtisch seine traditionelle Weihnachtsfeier und die Wanderung zwischen den Jahren wieder ausrichten.

Unvergessen bleibt der Ausflug nach Dresden, auf dem Jutta und Hartmut Bullmann völlig überraschend heirateten. Hier half »Anstand und Sitte« 2002 beim großen Elbe-Hochwasser mit einem Spenden-Hilfstransport per Lkw der Firma Grünewald. Die Mitglieder des Grävenwiesbacher Stammtisch hatten angefangen als Lehrlinge und Junggesellen, trafen sich später als Familienväter und haben bis heute als Rentner in der Dorfgeschichte der letzten 50 Jahre Spuren hinterlassen.

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