Rettungsdienste

So verlief die Katastrophenübung in Grävenwiesbach

  • vonMonika Schwarz-Cromm
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Es macht Sinn, den Ernstfall zu üben, denn so können Menschenleben gerettet werden. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Grävenwiesbach und Hundstadt mussten am Samstag zwar kein Feuer löschen, die Übung, die sie zu bewältigen hatten, war aber auch nicht ohne: Die Taunusbahn war entgleist und der Zugang zu den vermeintlich verletzten Personen schwer.

Wie gut, dass die Taunusbahn-Strecke von Grävenwiesbach nach Brandoberndorf wegen Bauarbeiten am Tunnel gesperrt war. Sie bot so die perfekten Voraussetzungen für eine groß angelegte Rettungsaktion, zu der die Wehren aus Grävenwiesbach und Hundstadt am Samstagnachmittag ausrückten. Zum Glück war es nur eine Übung, denn wäre es ein echter Katastrophenfall gewesen, er hätte schnell zu einem Chaos führen können. Die Feuerwehrmänner Achim Pauls und Björn Horn hatten sich nämlich ein Szenario ausgedacht, das nichts für schwache Nerven war – aber vorbildlich gemeistert wurde.

Einsatzleiter Peter Hess informierte sich zu Beginn des Einsatzes über das Ausmaß des angenommenen Unfalls und gab sogleich die ersten Befehle. Er hatte die Situation sofort im Griff: Diese sah vor, dass eine Taunusbahn entgleist und auf dem Viadukt vor den ehemaligen Saarwerken zum Stehen gekommen war. Durch den heftigen Ruck war es bei den 18 Insassen zu unterschiedlich schweren bis leichten Verletzungen gekommen.

Der Unfall hatte sich in unwegsamem Gelände ereignet, und so mussten sich die Feuerwehrleute mussten die steile Böschung zur Bahn hinauf hangeln, um helfen zu können. Dafür befestigten sie Seile und zogen sich daran mitsamt dem Material hoch, das sie für die Erstversorgung der Verletzten benötigten. Eine große Leiter machte den steilen Weg gangbarer.

Bei Peter Hess liefen inzwischen alle Informationen und Fragen zusammen. Er musste in Sekundenschnelle Entscheidungen treffen, damit alles reibungslos funktionierte. So forderte er die Drehleiter aus Usingen an, nachdem feststand, wie schwer die Verletzung der – von den Jugendfeuerwehrleuten aus Grävenwiesbach und Hundstadt gespielten – Fahrgäste waren.

Die Betroffenen, die nicht verletzt waren und eigenständig gehen konnten, wurden zu den ehemaligen Saarwerken gebracht und dort von Rettungskräften abgeholt. Inzwischen waren auch die Mitarbeiter von Deutschem Rotem Kreuz und Malteser Hilfsdienst am Unfallort eingetroffen. Die Schwerverletzten konnten schnell mit der Drehleiter von der Unfallstelle oben auf der Brücke nach unten transportiert werden, wo der Rettungswagen bereits wartete. Die Rettung über die Böschung wäre viel zu anstrengend geworden – für die Rettungskräfte und vor allem für die Verletzten.

„In der Realität hätten wir wesentlich mehr Rettungswagen benötigt“, erklärte der Pressesprecher der Feuerwehr Grävenwiesbach, Achim Pauls. Auch wäre die Feuerwehr Oberursel alarmiert worden, berichtete er, denn die Kameraden seien auf Bahnunfälle spezialisiert und dafür ausgebildet.

50 Rettungskräfte erledigten ihre Arbeit während der Katastrophenschutzübung und bewiesen, dass sich die Bürger im Ernstfall auf sie verlassen können. Feuerwehr und Sanitäter arbeiteten gut zusammen, und das ist wichtig, denn gerade, damit es im Ernstfall

Hand in Hand

geht, müssen solche Abläufe geübt werden. Also war die multifunktionale Einheit der Rettungskräfte und mit ihr der Organisationsleiter Rettungsdienst (OLRD), Marc Henning, die Mannschaften von Malteser und DRK sowie Zugführer Sven Urban ebenfalls dabei. „Unser Konzept ist aufgegangen“, stellte Achim Pauls zufrieden fest.

Einsatzleiter Peter Hess war anschließend ausgesprochen froh, dass es endlich eine solch große und Rettungskräfte-übergreifende Katastrophenschutzübung gegeben hat. Eine vergleichbare Übung in diesem Ausmaß habe vor 17 Jahren stattgefunden, als er gerade in der Einsatzabteilung angefangen habe, erinnerte er sich. Zwar hätten die Feuerwehrleute den Katastrophenschutz immer wieder im Kleinen geübt, aber nicht ein solch übergreifendes Szenario durchgespielt.

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