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„Wir sind eine moderne Dorffeuerwehr“

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Von: Andreas Romahn

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Lisa Brodkorb, Michael Ullrich und Achim Pauls (von links) inmitten digitaler Technik im neuen Einsatzleitwagen.
Lisa Brodkorb, Michael Ullrich und Achim Pauls (von links) inmitten digitaler Technik im neuen Einsatzleitwagen. © ANDREAS ROMAHN

Die Brände in den vergangenen Sommern haben gezeigt, dass sich die Bekämpfung gewandelt hat.

Grävenwiesbach -Der Hitzesommer 2022 mit verheerenden Wald- und Vegetationsbränden hinterließ auch in Grävenwiesbach Spuren. Zwar ist nicht zuletzt wegen des Einsatzes der Gemeindefeuerwehr nach dem Brand auf dem Schießberg das Vereinsgelände des Obst- und Gartenbauvereins wieder mit grüner Wiese bedeckt. Dennoch hat gerade bei den Brandschützern dieses besondere Einsatzszenario für viel Nachdenken und zu einer gründlichen Analyse der eigenen Leistungsfähigkeit geführt. Dabei leistet die Social-Media-Abteilung der Wehr nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit, sondern ist auch ein Medium zur Aktiven-Werbung.

Achim Pauls, Social-Media-Beauftragter der Feuerwehr, nahm einen Aufruf von Bürgermeister Roland Seel (CDU), in die Feuerwehr einzutreten und sich dort aktiv zu engagieren, zum Anlass, die Arbeit in den sechs Wehren noch einmal vorzustellen. Und insbesondere neue Talente zum aktiven Mitmachen einzuladen.

Landwirte zeigen Eigeninitiative

Bereits seit dem Brand von 16 Hektar Getreidefeld an der B 456 im Sommer 2019 sind die Landwirte und der Forst in einem neuen Netzwerk zur Brandbekämpfung in Feld und Wald einbezogen. „Die Landwirte hatten uns an der B 456 und auf dem Schießberg gerettet“, erinnerte Pauls an die Eigeninitiative von Peter Eisinger und Jochen Köhler, die mit Scheibenegge und Grubber Schneisen schlugen und 2019 ein Übergreifen des Feuers auf den Hochbehälter sowie 2022 in den Wald verhinderten. „Das hat auf der Obstbaumwiese bilderbuchmäßig geklappt“, würdigte Pauls die unbürokratische Hilfe, mit der das Feuer eingedämmt werden konnte. So sind Agrar- und Naturschutzexperten mehr denn je als Kooperationspartner der Feuerwehren gefragt.

„Wir sind eine moderne Dorffeuerwehr“, stellte der erfahrene Brandschützer im Hinblick auf die Gewinnung neuer Aktiver eine moderne Ausrüstung vor. So half auf dem Schießberg gerade der Einsatz einer Drohne entscheidend beim Auffinden von Glutnestern und dem effektiven Einsatz des Löschwassers.

Mit der Drohne wurde die Waldfläche oberhalb des Vereinsgeländes gescannt und danach effektiv gelöscht. So gelang es, die Löschwasserversorgung ausschließlich im Pendelverkehr aus den Zisternen des Windparks Siegfriedeiche und des Sportplatzes Am Steinchen sicherzustellen. Auf einen Eingriff in die Trinkwasserversorgung der Gemeinde konnte verzichtet werden. Der effektive Drohneneinsatz war technisch jedoch nur möglich, weil die Feuerwehr seit einem Jahr über einen modernen Einsatzleitwagen (ELW) verfügt, mit dessen digitaler Ausstattung das von der Drohne gelieferte Lagebild wirksam ausgewertet werden konnte. Auch hier sind im Feuerwehreinsatz neue Talente gefragt und werden fundierte Kenntnisse in Informatik und Telekommunikation immer wichtiger.

Viele Talente werden gesucht

Schließlich stellt die Social-Media-Abteilung der Grävenwiesbacher Feuerwehr den ressourcenschonenden Einsatz neuer Ausrüstung bei der Bekämpfung von Vegetationsbränden heraus. So sorgte die Anschaffung von D-Strahlrohren und D-Schläuchen statt der herkömmlichen C-Rohre und C-Schläuche für eine viermal so effektive Löschleistung. Denn hier werden statt 100 Liter im Verhältnis nur noch 25 Liter Löschwasser verbraucht.

„Vieles von dem, was die Gemeindefeuerwehr seit Jahren aufgebaut hat, hat funktioniert“, hob Pauls auch das Bereitstellen einer zusätzlichen Löschwasser-Notration in Form von großen Wasserfässern durch Försterin Katharina Romer und Landwirt Andreas Moses als beispielgebend hervor. Es lohnt sich also für viele Talente in der Gemeinde, über einen aktiven Einsatz in der Feuerwehr nachzudenken. Das herkömmliche Bild des Aktiven der Feuerwehr ist im 21. Jahrhundert längst Geschichte. Bei der modernen Dorffeuerwehr sind viele unterschiedliche Kompetenzen sehr gefragt und willkommen. VON ANDREAS ROMAHN

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