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Die Parkplätze am Feldberg reichen für den großen Ansturm, der wochenends immer herrscht, nicht aus. Die Besucher parken, wo sie wollen.

Hochtaunus

Verkehrschaos am Feldberg: Falschparker und dreiste Ausreden

  • vonAndreas Burger
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Der Große Feldberg im Taunus ist in Corona-Zeiten ein beliebtes Ausflugsziel. Doch der Ansturm führt zu Chaos bei der Parksituation. Die Politik ist gefragt, sich des Problems anzunehmen.

Hochtaunus - Der Feldberg rückt immer mehr in den Fokus von anliegenden Kommunen, der Verkehrswacht und Polizei. Denn die vergangenen Wochenenden wären mit der Überschrift „Chaotisch“ noch gut bedient. Kennzeichen aus fast ganz Hessen waren zu finden. Das große Problem: Die Parkplätze reichen für diesen Ansturm nicht aus, und so wurde geparkt, wo man parken wollte. Teils hätten selbst Rettungskräfte es schwer gehabt, an einen Einsatzort zu gelangen.

Das hat Folgen. Die erste ist, dass Bürgermeister Marcus Kinkel aus Schmitten eine Art Hilferuf an den Ersten Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr gesandt hat. Denn mit der halben Stelle eines Ordnungspolizisten ist da wenig auszurichten. „Wir müssen Kommunen-übergreifend eine Lösung finden, an der Kreis und Polizei, Verkehrswacht und alle betroffenen Behörden eingebunden sind“, sagte Kinkel.

Großer Feldberg im Taunus: Situation an Wochenenden ist bereits jetzt kritisch

Er kann sich durchaus vorstellen, dass die Straßen zum Plateau schon ab Oberursel etwa gesperrt werden und nur Anlieger durchkönnen. Shuttle-Busse sollen dann in den Stoßzeiten und den Wochenenden die Ausflügler kutschieren. Sicher ist: „Die Situation an den Wochenenden ist derzeit bereits sehr kritisch. Durch den Lockdown wird die Zahl der Besucher sicher noch zunehmen. Also muss zeitnah etwas passieren. Deshalb habe ich den Ersten Beigeordneten als Verkehrsdezernenten um eine große Telefonkonferenz gebeten.“ Er denke mit Grausen an den 24. Dezember, wenn auf dem Plateau wieder diverse Treffen geplant seien.

Natürlich gibt es für das gesamte Feldberggebiet ein Konzept. Und das sieht vor: Die Verkehrswacht Obertaunus soll's richten. Sprich: Sieht die Polizei, dass die Zustände chaotisch werden, dann ruft man die Verkehrswacht an. Diese wiederum sendet ihre freiwilligen Helfer als Verkehrslenker auf den Berg. Und dieser Einsatz ist nun nicht vergnügungssteuerpflichtig, wie der Leiter der Funkstaffel der Verkehrswacht, Tobias Reinisch, sagte. Gerade die vergangenen Wochenenden zehrten ordentlich an den Nerven der ehrenamtlichen Einsatzkräfte.

Große Zahl an Falschparkern rund um den Großen Feldberg: Ärgernis für den Hochtaunus

„Es gibt für die Verkehrsregelung eine kleine und eine große Lösung. Bei der kleinen wird nur die Zufahrt zum Plateau selbst gesperrt, bei der großen Lösung des bestehenden Konzeptes machen unsere Kollegen bereits am Tannenhof zu.“ Das wäre also am Sandplacken. Was damit nicht gelöst ist: Die vielen Falschparker kreuz und quer in der Landschaft, auf den Bundesstraßen oder sogar vor privaten Einfahrten, vorzugsweise in Oberreifenberg.

Die Kräfte der Verkehrswacht haben am Feldberg übrigens durchaus Befugnisse für die Verkehrslenkung. Zum einen beauftragt die Gemeinde Schmitten die Verkehrswacht, zum anderen können sie von der Polizei angefordert werden - wie vergangenen Freitag. Was aber viele Autofahrer von Pöbeleien nicht abhält. "Unsere Mitarbeiter haben schon ein dickes Fell", sagte auch Verkehrswacht-Chef Thomas Conrad. Am vergangenen Wochenende allerdings musste die Polizei hinzugezogen werden, so aggressiv verhielt sich ein Fahrer, der erst beim Anblick der Staatsmacht ruhiger wurde.

Großer Feldberg im Taunus: Um keine Ausrede verlegen

Lustig sind auch die Ausreden von Menschen, die eine Sperrung nicht akzeptieren wollen. Etwa die Frau, die zuerst versuchte, mit der Ausrede durchzukommen, ihrem Mann auf dem Feldberg-Plateau Starthilfe geben zu müssen. Angesichts des angegebenen 6er-BMWs des Mannes und des Smarts der Frau war die Verkehrswacht misstrauisch. Zu Recht. Ein paar Minuten später versuchte sie es von der Königsteiner Seite aus mit der Ausrede, ihren Mann und ihr Kind abholen zu wollen, die verletzt seien. Blöd, dass Reinisch jeweils gerade da war, der immer wieder alle neuralgischen Punkte abfährt.

Dann gab‘s am Wochenende einen, der von „der Kripo Bad Homburg kam und einen Verteiler auswechseln wollte“. Kein Ausweis, kein Durchkommen. Und seine Drohung, das Ganze werde ein Nachspiel haben, beeindruckte die Verkehrswacht minimal. Oder es gab am Wochenende auch die Androhung von Schlägen, wenn man den Mann nicht durchlasse. Der sich aber dann angesichts zweier Verkehrswachtmitarbeiter mit größeren Ausmaßen trollte. Ohne Schläge.

Wird die Parksituation zu doll, dann ruft die Verkehrswacht die Polizei, die großzügig Mandate verteilt. Nur ganz Dreiste kommen an den Abschlepphaken. „Wir werden immer dann aktiv, wenn für Busse oder Rettungskräfte kein Durchkommen ist“, sagte Reinisch. „Leider helfen auch Radiodurchsagen nichts, wenn die Parkplätze dicht sind, die Menschen fahren dennoch hoch“, so Thomas Conrad.

Zuständigkeit für den Großen Feldberg im Taunus: Drei Polizeistellen spielen mit

Und was sagt die Polizei? Dass Verkehrsmaßnahmen erst einmal Sache der Kommune sind. Was schwierig wird für Schmitten mit der halben Hipo-Stelle. „Der Feldberg hat die Eigenschaft, dass eigentlich drei Polizeidienststellen zuständig sind, Königstein, Usingen und Oberursel. Wir von der Polizei können nur die neuralgischen Punkte überwachen und kommen, wenn wir gerufen werden“, betonte Sprecherin Katharina Stierhof. Ansonsten gelte das vor Jahren erarbeitete Konzept. „Wenn wir im Rahmen der sogenannten Eilzuständigkeit aktiv werden, dann ist das was anderes. Wie bei einem Schneechaos informieren dann die Kollegen vor Ort die entsprechenden Kräfte - bei Schnee die Räumdienste, bei Verkehrschaos die Verkehrswacht.“

Und natürlich kommt die Streife bei Sachbeschädigungen - wie am Wochenende an der Hütte der Bergwacht. Nun wartet Kinkel also auf ein Gespräch mit Schorr, um Lösungen zu finden. Derweil hat die B-now als Schmittener Fraktion einen Antrag gefertigt, der die Lösung hat. Die Ordnungskräfte, so der Antrag, sollen an den absehbar touristisch überfüllten Wochenenden und Feiertagen Strafzettel an Falschparker verteilen und dafür großzügige und flexible Ausgleichs-Freizeiten innerhalb der Woche erhalten. Kinkel hat's gehört. Und prüft nun erst einmal rechtlich, wer für den Einsatz der Ordnungskraft zuständig ist: Er als Bürgermeister oder die Politik. (Andreas Burger)

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