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Großgemeinde hat sich quasi von selbst gebildet

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Anspach ging mit Hausen-Arnsbach, Westerfeld und Rod am Berg (rechts unten) als »Neu-Anspach« aus der Gebietsreform hervor. Obernhain (oben links) wollte auch zu Anspach, durfte aber nicht. © Saltenberger

Neu-Anspach . Die Neuordnung der Usinger-Land-Gemeinden soll an dieser Stelle noch genauer betrachtet werden, stellte der erste allgemeine Rückblick auf die Gebietsreform in Aussicht. Durch dieser entstanden aus vielen Kleingemeinden Großgemeinden, und sie verschmolz vor 50 Jahren die beiden Kreise Obertaunus und Usingen zum Hochtaunuskreis.

Professor Dr. Eugen Ernst war als Vorsitzender des Planungsausschusses im Landkreis Usingen einer der Verantwortlichen, und er soll zum Thema Bildung der Großgemeinde Neu-Anspach erneut zu Wort kommen. Die habe sich nämlich nahezu von selbst ergeben, so der Anspacher Ernst, denn die vier Blätter der »Kleeblattstadt« lagen so günstig zueinander, dass sich zwischen diesen ein neues Zentrum in Bahnhofsnähe geradezu angeboten habe.

Der Zersiedelung Einhalt gebieten

Bis auf Westerfeld hatten die drei anderen Gemeinden sogar schon vor dem Zusammenschluss kooperiert und sich, um der Zersiedelung ihrer Ortsränder Einhalt zu gebieten, auf einen gemeinsamen Flächennutzungsplan geeinigt. Westerfeld war zunächst gespalten, denn viele tendierten dort zu Usingen, mit dem der Ort geschichtlich eng verbunden war, doch letzten Endes votierten 175 Bürger für Anspach und nur 148 für Usingen. Ins Gewicht fiel bei dieser Entscheidung die Nähe zum Anspacher und Hausener Bahnhof. Die beiden Ortsteile Hausen und Arnsbach waren schon vorher ein Paar.

Auf historische Beziehungen beriefen sich auch die Weiltalgemeinden Brombach und Hunoldstal, die kirchlich seit alters her zu Rod am Berg und einst zum Oberstockheimer Gericht gehörten. Aber hier war die landschaftsräumliche Zugehörigkeit zu bedenken, und nicht zuletzt die angelaufene Entwicklungsmaßnahme, mit der die Orte gemeinsam zu einem Siedlungsschwerpunkt wachsen sollten. »Die beiden Weiltalgemeinden hätten sich stets als fünftes Rad am Wagen fühlen müssen«, so Ernst, der im jüngsten Jahrbuch des Hochtaunuskreises darüber berichtet.

Die vereinigten vier Orte konnten sich aber nicht so schnell auf einen neuen Ortsnamen einigen, denn: Den Namen Anspach zu übernehmen, wie dies bei Usingen und Wehrheim der Fall war, sei für Hausen inakzeptabel gewesen. »Ich schlug Usatal oder ähnliches vor, aber auch das war für Hausen undenkbar, weil es gar nicht an der Usa lag«, so Ernst. Die Notlösung »Neu-Anspach« war dann für alle annehmbar.

Obernhain wollte eher zu Anspach

Im Falle der Bildung der Großgemeinde Wehrheim lief zunächst auch nicht alles glatt. Die Idee einer Minderheit sei aber gleich verworfen worden, schreibt der Professor. Einige wollten die drei katholischen Dörfer Wernborn, Kransberg und Pfaffenwiesbach zusammen sehen. »Manche Spötter scherzten von einem kleinen Heiligen Römischen Reich«, berichtet Ernst.

Für die Pfaffenwiesbacher spielte der Bahnanschluss in Wehrheim eine Rolle, so dass sie sich für Wehrheim entschieden, aus gleichen Gründen schloss sich Friedrichstal an. Auf der anderen Seite Wehrheims gab es auch unterschiedliche Vorstellungen, mit wem man fusionieren wollte. »Obernhain wollte ursprünglich keinesfalls zu Wehrheim, eher zu Anspach«, aber aus dem gleichen Grund wie im Fall von Brombach und Hunoldstal habe er ablehnen müssen, so Ernst.

Dann wollten die Obernhainer lieber nach Bad Homburg und stießen dort auch noch auf Gegenliebe. »Die Bad Homburger hatten einen exklusiven Wohnwert zu Kur- und Erholungszwecken schlau erkannt«, erklärt Ernst das Interesse aus der Kurstadt.

Champagnerluft schnuppern

Und sogar Wehrheim selbst habe anfangs gedacht, sich in Champagnerluft einhüllen zu können. Der Usinger Landrat Thierbach aber stellte sich sowohl gegen das Ansinnen Wehrheims als auch das Obernhains. Obernhain hatte dereinst bei seiner Begründung vergeblich auf die Endhaltestelle des Bad Homburger Postbusses im Ort verwiesen. Doch jede Begründung half nichts, die Oberdörfler wurden dem Apfeldorf zugeschlagen, das neben dem eigenen ja auch noch den Bahnhof Saalburg hatte.

So blieb der Taunuskamm weiter die Trennlinie zwischen den hessisch-homburgischen Vordertaunus-Gemeinden und den nassauischen Hintertaunus-Gemeinden, womit auch die alten Kreisstrukturen von Obertaunuskreis und Kreis Usingen nicht gänzlich aufgeweicht wurden.

Wie die Gebietsreform sich bei den Feldberg- und Weiltalgemeinden vollzog, soll auch noch unter die Lupe genommen werden.

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