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Grundschule Am Kastanienhain

Haiforscher macht sich vor Schülern für bedrohte Art stark

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Hoher Besuch an der Grundschule Am Kastanienhain: Noch kurz vor den Osterferien machte eine weltweite Koryphäe der Haiforschung Station in Schneidhain, um über seine spannende Arbeit zu berichten.

Haie haben ein Imageproblem, sie gelten als furchteinflößend und gefährlich. Schaut man auf die Zahlen, müsste man diese Eigenschaften eher dem Menschen zuschreiben.

Rund 80 Unfälle mit den Knorpelfischen gibt es weltweit pro Jahr. Dem stehen im gleichen Zeitraum geschätzte 100 Millionen von Menschen getötete Haie gegenüber. Ein Schüler der Schneidhainer Grundschule Am Kastanienhain stellte denn auch die berechtigte Frage: „Aber wieso denn?“ Antworten lieferten Dr. Erich Ritter und Andreas Dellios.

Der in der Schweiz geborene Biologe und Verhaltensforscher Ritter ist eine weltweit anerkannte Autorität auf dem Gebiet der Hai-Mensch-Interaktion. Er leitet die sogenannte Shark School, in der er Schwimmern, Tauchern und Schnorchlern das richtige Verhalten gegenüber den Tieren beibringt.

Seit mehr als 30 Jahren ist er in der Forschung aktiv – etwa auf den Bahamas, wo der „Haiflüsterer“, lediglich mit Badehose bekleidet, die Tiere beobachtet. In seiner Schule bildet Ritter unter anderem Lebensretter aus. Andreas Dellios wiederum ist Absolvent der Shark School. Dass die beiden vor den Grundschülern sprachen, war Vertretern des Elternbeirats und dem Engagement des Fördervereins zu verdanken.

Anhand zahlreicher Fotos und einiger Videos seiner Arbeit vermittelte Ritter den Grundschülern, dass Haie intelligente Tiere sind, die mehr Ähnlichkeiten mit Haustieren und auch Menschen haben, als man denkt. Sie müssen ebenfalls manchmal niesen, gähnen, oder sich kratzen – mit Hilfe von Sand, wenn sich ein Schiffshalter an sie saugt und sie dadurch juckt. Sie schlafen, wenn auch mit offenen Augen. Sie kennen und verstehen sich, und sie spielen miteinander.

Haiähnliche Arten existierten bereits vor 400 Millionen Jahren. Heute liegt die Lebenserwartung der meisten Exemplare bei 25 bis 50 Jahren. 2016 sorgte eine Studie für Aufsehen, die zeigte, dass Grönlandhaie bis zu 400 Jahre alt werden. Einige Besonderheiten haben die Raubfische aber schon: Nachwachsende Zähne etwa, bis zu 30 000 können es in einem Haileben sein.

„Haie kommen normalerweise nicht auf Körperkontakt, weil sie sich vor uns fürchten“, erklärten Ritter und Dellios. Begegne man einem Exemplar, sollte man nicht wegschwimmen, denn genau dieses Verhalten würden Beutetiere zeigen. Sich aufrichten und die Beine ruhen lassen wäre die bessere Alternative.

Dreht der Hai ab, kann man sich entfernen, wendet er sich wieder zu – aufrichten und ruhig bleiben. Ein Hai, der „nicht gut drauf ist“, schwimme enge Bahnen, bewege nur die Brustflossen und erhöhe die Schwanzschlagfrequenz.

Bleibt noch die eingangs gestellte Frage nach dem „Wieso“ so viele Haie durch Menschenhand sterben. Sogenannte Geisternetze, die beim Fischen verlorengingen oder entsorgt würden, so Ritter, seien ein Grund. Aber auch der Wunsch, an vielen Stränden zu schwimmen, ist ein Faktor, der den Haien zusetze. „Die Menschen zerstören das Umfeld, das ihnen das Leben überhaupt erst erlaubt“, so Dellios. Haie gibt es überall auf der Welt. Würden sie aussterben, geriete das Ökosystem Meer aus den Fugen. Welche Folgen das hätte, kann man sich leicht ausmalen.

Neun Monate im Jahr ist Ritter im Wasser. Den Rest der Zeit bereist er mit seinem Team die Welt und setzt sich für den Schutz der Haie ein. „Es ist teilweise sehr traurig, wie wenig wir erreichen können“, bekannte er. Umso mehr hoffte er auf die Grundschüler in Schneidhain, dass sie dabei helfen, die Nachricht weiterzuverbreiten: „Der Hai ist ein gutes Tier.“

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