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Schwere Zeiten für die Schwarzkittel: Die Schonzeit ist aufgehoben worden. Wildschweine dürfen bejagt werden.

Wildschweinpest

Halali: Schonzeit für Schwarzkittel aufgehoben

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Fachleute sind sich einig: Früher oder später kommt die Wildschweinpest auch zu uns. Die Aufhebung der Schonzeit könnte jedoch dazu beitragen, die Folgen zu begrenzen.

Für das Schwarzwild in Hessen wird es eng. Die Jagd auf die Schwarzkittel ist eröffnet, generell und ohne Schonzeit, die am 1. Februar begonnen hätte. Lediglich führende Bachen werden verschont. Mit der Aufhebung der Schonzeit wollen die Regierungspräsidien als Obere Jagdbehörden der Landkreise den Ausbruch der drohenden Schweinepest verhindern und eine drastische Reduzierung der Bestände erreichen. Bis jetzt ist das gelungen.

In Deutschland wurde, so Dr. Dr. Dieter Selzer, Chef der Unteren Naturschutzbehörde des Hochtaunuskreises, gestern auf Anfrage dieser Zeitung, noch kein Fall nachgewiesen. Fachleute sind sich jedoch einig: Es wird schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, ein Überschwappen der für Menschen zwar ungefährlichen, für die Tiere aber tödlichen Seuche auf Dauer zu verhindern. Gefährdet sind nicht nur Wildschweine, sondern auch deren zivile Artgenossen in den Zuchtbetrieben. Die Jäger sind also gefordert. Doch schon allein den Zuwachs zu eliminieren, stellt sie vor schier unlösbare Aufgaben. Mit anderen Worten: Die Schweinepest wird früher oder später kommen, auch in den Hochtaunus. Man kann nur versuchen, die Folgen so gering wie möglich zu halten.

Weilrods Forstamtsleiter Bernd Müller geht fest davon aus, „dass wir die Schweinepest über kurz oder lang auch bei uns haben werden“. Daran ändere auch die Aufhebung der Schonzeit wohl nichts. Man könne nur versuchen, die Gefahr der großflächigen Ausbreitung so gering wie möglich zu halten. „Was wir im Staatswald dafür tun können, wird getan. Auch uns ist klar, welche Werte auf dem Spiel stehen und dass es für Landwirte an die Existenz gehen kann“, sagt Müller.

Er sieht aber auch Grenzen der Bejagung: „Wir sind Rotwildgebiet. Rotwild ist sehr sensibel. Durch den verstärkten Jagddruck werden die Tiere in ihrem Bedürfnis nach Ruhe gestört.“ Der Forst werde dem dadurch gerecht, dass von Februar bis April den Jägern empfohlen wird, in weniger rotwildsensiblen Bereichen auf Sauen zu gehen, vorzugsweise in den Waldrandlagen. Die effektiven Drückjagden schieden als Mittel der Wahl derzeit aus, da hierbei auch Bachen von ihrem gerade jetzt zur Welt kommenden Nachwuchs getrennt werden und Jäger nicht erkennen können, ob sie eine führende oder eine nichtführende Bache vor sich haben“, sagt Müller.

Das sieht auch der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Hochtaunuskreis, so: Keine Drückjagden, dafür aber Ansitzjagden im Feld, im Bereich von Wildfutterplätzen oder Suhlen. Verantwortungsbewusste Jäger respektierten ohnehin den Mutterschutz, aber auch das Ruhebedürfnis des Wildes und reduzierten es auf ein vertretbares Maß.

Selzer spricht von einem „multifaktoriellen Ursachengeflecht“, das zu der extrem hohen Wildschweinpopulation geführt hat. Die weiblichen Tiere würden immer früher geschlechtsreif, viele hätten bereits mehrere Würfe im Jahr, die milden Winter träfen keine natürliche Auslese dadurch, dass schwache Tiere erfrieren.

Als Hauptgefahr für das Überschwappen der Seuche nennt Selzer die Übertragung durch den Menschen. Vor allem Fernfahrer bringen den Erreger mit infizierter, für den Menschen aber ungefährlicher Nahrung über die Grenzen. Die auf Rastplätzen entsorgten Speisereste gelangten so in die Nahrungskette des Schwarzwildes. Das Problem liegt, so Selzer, darin, dass zwischen Infektion und Verenden des Wildes rund eine Woche vergeht, Zeit genug, die Seuche in Deutschland zum Ausbruch zu bringen.

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