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Hygienefachkraft Pia Floren (l.) vom Marienkrankenhaus nimmt einen Nasenabstrich. In der Klinik in Kassel wird jeder neue Patient auf gefährliche, multiresistente Keime untersucht.

Kampf den Keimen

Heftige Debatte um die Hygiene-Vorschriften an den Hochtaunus-Kliniken

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Wird an den Hochtaunus-Kliniken bereits alles getan, um das Auftreten von multiresistenten Keimen zu vermeiden? Die überwältigende Mehrheit im Kreistag sagt Ja, die AfD würde die Bemühungen hingegen gerne noch ausweiten.

Es ist ja nicht so, dass die deutschen Krankenhäuser nicht schon mit den Folgen einer verfehlten Gesundheitspolitik zu kämpfen haben. Nein, es ist noch ein weitaus gefährlicherer Gegner hinzugekommen: multiresistente Keime. Erst Anfang Mai waren in der Uniklinik Frankfurt bei fünf Patienten multiresistente Bakterien gefunden worden. Drei von ihnen starben, aber laut Klinik mit hoher Wahrscheinlichkeit an den jeweiligen Grunderkrankungen.

Damit dies an den Hochtaunus-Kliniken tunlichst nicht passiert, hatte die AfD am Montagabend einen entsprechenden Antrag eingebracht. Die selbst ernannte Alternative forderte, dass jeder Patient, der in den Hochtaunus-Kliniken aufgenommen wird, auf Keime untersucht wird. „Schutz vor Keimen gibt es nur durch hochpräventive Maßnahmen. Dafür muss ein konzeptioneller und wirtschaftlicher Plan erstellt werden“, begründete Michael Dill. Als Vorreiter für diese Form der Prävention benannte der Steinbacher das Marienkrankenhaus in Kassel, wo seit zwei Jahren jeder Patient per Nasen- und Rachenabstrich auf kritische Keime untersucht werde.

Das Thema sei generell ein brisantes und müsse sorgsam behandelt werden, so der Fraktionschef der Grünen, Norman Dießner. Allerdings werde der Kreis seiner Verantwortung gegenüber der Klinik bereits gerecht. So unterstütze man das Krankenhaus seit Jahren mit „nennenswerten Millionenbeträgen“, um damit dessen Defizit auszugleichen. Dadurch sei die Klinik in der Lage, ihre Angelegenheiten zu regeln – wozu auch Fragen der Hygiene gehörten. Um diese Auffassung zu überprüfen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, stellten die Grünen einen Änderungsantrag: Die Klinikleitung soll im Ausschuss über ihr Konzept zur Infektionsbekämpfung und Vermeidung von Keimen berichten.

Auch Landrat Ulrich Krebs (CDU) sprang „seiner“ Klinik zur Seite. „An allen drei Standorten werden sämtliche Vorgaben in Bezug auf Keime erfüllt“, so Krebs. Zudem betonte auch der Landrat, dass man das Thema sehr ernst nehme. Im Aufsichtsrat spreche man regelmäßig über Konzepte und Hygienepläne, daher spreche auch nichts dagegen, im Ausschuss darüber zu beraten. Tatsache sei aber, dass an den Kliniken ein Risiko-Screening (siehe „Info“) etabliert wurde, das im Bedarfsfall – also im Fall, dass ein Keim Auftritt – auf sämtliche Patienten ausgeweitet werden könne.

Den Änderungsantrag bezeichnete Dill als „wachsweich“, da er den eigentlich Inhalt des AfD-Antrags ad absurdum führe. Worüber solle die Klinik denn berichten, wenn bislang noch kein Keim aufgetreten sei. Peter Lutz ergänzte noch, dass ein umfassendes Screening in Holland Standard sei. Und zu den zu erwartenden Kosten: „Ein Patient mit einem multiresistenten Keim verursacht sechsstellige Kosten.“ Der bis dahin sehr sachliche Vortrag mündete dann aber in Tumulten, als Lutz Bundeskanzlerin Angela Merkel als „oberste Schleuserin“ bezeichnete (siehe Text unten).

Schon zuvor hatte Holger Bellino (CDU) der AfD vorgeworfen, das Thema „theatralisch und populistisch“ zu halten. „Sie hätten uns allen wertvolle Lebenszeit sparen können, wenn Sie auf Spekulationen, wie die Koalition Ihren Antrag auffasst, verzichtet hätten“, so Bellino. Die Ärzte und Pfleger in den Hochtaunus-Kliniken würden sich bereits intensiv mit dem Thema auseinandersetzen. Dennoch sei man bereit, den Änderungsantrag der Grünen zu unterstützen und das Thema im Ausschuss aufzugreifen.

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