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Helfen, wo es geht

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Die gebürtige Ukrainerin Olena Klementyeva soll sich als Neu-Anspacher Flüchtlingskoordinatorin um die Geflüchteten, die aktuell zumeist aus ihrer Heimat kommen, kümmern. © Red

Neu-Anspach. Sie soll ukrainischen Geflüchteten, die in Neu-Anspach eine Bleibe finden, bei der Integration helfen, sie bei Behördengängen unterstützen, ihnen aber auch das Gefühl, erst einmal angekommen zu sein, vermitteln: Olena Klementyeva stellte sich auf diese Weise im Neu-Anspacher Sozialausschuss vor.

2004 war Klementyeva erstmals in Deutschland. Die gebürtige Ukrainerin absolvierte zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr, bei dem sie mit Frauen, die sehr viel Gewalt erlebt haben, zusammenkam. Später nahm sie dann in Dresden ein Studium der Sozialwissenschaften auf, für das sie einen Master-Abschluss erwarb.

Wann ist eine Rückkehr möglich?

In Deutschland lernte sie aber auch ihren späteren Ehemann und den Vater ihrer Kinder kennen. Die Familie zog 2020 nach Kiew zurück, wo die Eltern arbeiteten und die Kinder den Kindergarten besuchten. Als dann die Kriegsgefahr auch in der ukrainischen Hauptstadt immer größer wurde und die Einschläge immer näher kamen, »haben wir uns im Februar entschlossen, nach Deutschland zu fliehen«, erzählt sie.

Verluste in ihrer im Süden Kiews lebenden Familie habe es bisher nicht gegeben. Alle seien zumindest gesund. Wie lange es dort halbwegs sicher ist und wozu die Invasoren noch fähig sind, weiß sie nicht. »Jetzt klauen uns die Russen sogar schon unseren Weizen«, berichtete sie.

Klementyeva, die inzwischen eine Vollzeitstelle in der Neu-Anspacher Stadtverwaltung gefunden hat, ist im wahrsten Sinne angekommen. Sie freut sich sehr auf ihre Arbeit. Mit ihrer eigenen Fluchterfahrung weiß sie am besten, wie groß das Leid ihrer Landsleute derzeit ist. Dass Ukrainisch ihre Muttersprache ist, erleichtert ihr die Arbeit und den Zugang zu den teils schwer traumatisierten Menschen zusätzlich.

Zu ihren neuen Aufgaben gehört unter anderem das Koordinieren der von privater Seite angebotenen Sprachkurse, aber auch die Organisation der Kinderbetreuung. Rund 100 ukrainische Geflüchtete, zumeist jüngere Frauen mit Kindern und/oder Großeltern, haben bereits in Neu-Anspach eine Bleibe gefunden. Sie wissen nicht einmal ansatzweise, wann sie wieder in ihr Land zurückkehren können - und ob überhaupt.

In großen Teilen des Landes dürfte es bei diesem Maß an Zerstörung beinahe jeglicher Infrastruktur und Wohnbebauung wohl Jahre dauern, bis an eine Rückkehr zu denken ist, meint Klementyeva, wobei ihr ein wenig die Stimme stockt. Auch die Quartiergeber wissen nicht, wie lange dieser Zustand anhalten wird. Klementyeva spricht vor diesem Hintergrund der Ungewissheit von einer enormen Hilfsbereitschaft der Neu-Anspacher.

Pauli verhandelt mit Eigentümer

Wie viele Geflüchtete seiner Stadt noch zugewiesen werden, weiß Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) noch nicht: »Die Ukrainer, die derzeit in Neu-Anspach leben, sind alle privat vermittelt worden. Vom Hochtaunuskreis gibt es derzeit noch keine Quote, wie viele Geflüchtete wir entsprechend der Größe unserer Stadt noch aufnehmen müssen.«

Derweil verhandelt Pauli immer noch mit der Eigentümergesellschaft, in deren Besitz das frühere Hochtaunusstift steht. Nach Möglichkeit sollen hier Geflüchtete vorübergehend untergebracht werden.

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