Großübung: Angenommen wurde eine Explosion in einem Zug der Hessischen Landesbahn/Taunusbahn und in der Folge etwa 100 bis 120 Verletzte. Zahlreiche Feuerwehr- sowie Rettungsdienstkräfte aus allen Teilen Hessens kamen zum Einsatz.
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Großübung: Angenommen wurde eine Explosion in einem Zug der Hessischen Landesbahn/Taunusbahn und in der Folge etwa 100 bis 120 Verletzte. Zahlreiche Feuerwehr- sowie Rettungsdienstkräfte aus allen Teilen Hessens kamen zum Einsatz.

Katastrophenübung

250 Helfer üben im Taunus den Katastrophenfall

  • vonSven-Sebastian Sajak
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Eine laute Explosion, Stichflammen, kurz danach Blaulicht und Martinshörner überall. Mit der sehr realistischen Übung an der Taunusbahn wurde kreisübergreifend den Rettungskräften am Wochenende alles abgefordert. Auch die Kliniken hatten Alarmstufe rot.

Ein ohrenbetäubender Knall. Plötzlich ist alles dunkel, ein Augenblick der Stille legt sich über die Szenerie. Dann steigt Rauch auf, Flammen lodern durch die Finsternis und Schreie von Verletzten hallen durch die Nacht. Soeben hat sich in der Taunusbahn eine Explosion ereignet.

Der Zug steht auf der Bahnstrecke zwischen Usingen und Wilhelmsdorf, parallel zur B 275. Mit diesem Szenario wurde am frühen Samstagmorgen eine der größten Übungen für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei im Hochtaunuskreis abgehalten, die es in den letzten 30 Jahren gab. Um 1.12 Uhr schrillt der Alarm für die Einsatzkräfte noch mit der Meldung „Schienenunfall bei der Taunusbahn“. Doch während sich die ersten Feuerwehr-Kräfte sich auf dem Weg auf die Bundesstraße machten, alarmierte die Zentrale Leitstelle im Landratsamt erneut. Neue Meldung: Massenanfall von Verletzten, über 100 Betroffene.

Die ersten Kräfte erreichen die Bahn. Gegen 1.30 Uhr hält der Fahrzeugführer des ersten Löschfahrzeugs am Zug, umrundete diesen und verschaffte sich einen ersten Überblick. Wenige Minuten später stehen weitere Feuerwehrleute im Gleis, legen eine Wasserversorgung zur Brandbekämpfung oder rüsteten sich mit Atemschutz aus.

1.37 Uhr beginnt der Löschangriff. Kurz darauf kann auch der Rettungsdienst beginnen, verschaffte sich einen Überblick. Zusammen mit weiteren Feuerwehrleuten wird beruhigend auf die Betroffenen im Zug eingeredet. Gegen 1.45 Uhr verlassen die ersten Betroffenen mit Hilfe der Rettungskräfte den Zug, sammeln sich einige Meter entfernt im Gleisbereich. Fast zur selben Zeit klettern Feuerwehrleute in den ersten Triebwagen. Ihnen bietet sich ein chaotisches Bild, zahlreiche Verletzte am Boden liegend, andere sich vor Schmerzen im Sitz krümmend, andere still und tapfer sitzend.

Die Feuerwehrleute beginnen zu zählen, bei der schieren Anzahl von Verletzten könnten sie alleine erst einmal nicht viel mehr ausrichten. Gleichzeitig rücken immer mehr Rettungskräfte an. Um kurz nach 2 Uhr haben alle gehfähigen Personen den Zug verlassen. Zwischenzeitlich ist auch ein Leitender Notarzt im Zug und sondiert die Lage.

Um die ersten gehfähigen Betroffenen aus dem Bahnbereich zu den Rettungsmitteln zu bekommen, spannt die Feuerwehr eine Leine und bildet eine Art Menschenkette, um die Geretteten in Richtung Straße mehrere Höhenmeter weiter oben zu evakuieren. Gegen 2.20 Uhr haben Feuerwehrleute den ersten schwerer Verletzten auf eine Trage gehievt und aus der Taunusbahn getragen. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, bis gegen 3 Uhr, als schließlich auch die letzte Person aus dem Zug gerettet worden ist. Doch bis alle Verletzten und Betroffenen auf dem Weg ins Krankenhaus sind, vergeht noch Zeit. Um 5 Uhr endlich: Übung beendet.

Insgesamt 250 Kräfte waren in dieser Nacht im Einsatz. Außer acht Rettungswagen und zwei Notärzten aus dem Hochtaunuskreis wurde der Rettungsdienst durch zehn sogenannte ÜMANV-Sofort-Einheiten aus anderen Landkreisen unterstützt. Diese bestanden aus einem Notarzteinsatzfahrzeug und drei Rettungswagen. Hinzu kamen zwei Sanitätszüge und ein Betreuungszug des Katastrophenschutzes sowie zahlreiche Kräfte, unter anderem von Feuerwehr und Polizei.

Auch die Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg und Usingen waren eingebunden. „Wir wollten auch die Schnittstellen mit den Kliniken testen“, so Kreisbrandinspektor Carsten Lauer, „und alles üben, was uns möglich war.“ Um das ganze Übungsszenario realistisch gestalten zu können, waren über 100 Verletztendarsteller mit realistisch aussehenden Wunden geschminkt worden. Außer den Einsatzkräften waren so nochmals rund 250 Personen an der Durchführung der Übung beteiligt.

Auf die Organisatoren der Übung kommt nun die Auswertung zu. Diese wird jedoch noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, wie Lauer auf Nachfrage erklärte, weswegen er noch keine abschließende Übungsbilanz ziehen konnte.

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