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Herausfordernd wie nie

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Krönender Abschluss des Kreisverbandstages; Kreisbrandinspektor Carsten Lauer (links), Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Norbert Fischer (2. v. r.) und der Stellvertreter für beide, Lars Benndorf, ehren Landrat Ulrich Krebs (2. v. l.) mit dem goldene Ehrenkreuz des Nassauischen Feuerwehrverbandes. © Christina Jung

Hochtaunuskreis/Wehrheim-Pfaffenwiesbach . Das war eine Überraschung für Landrat Ulrich Krebs (CDU): Bei der Kreisverbandsversammlung der Hochtaunuswehren in der Wiesbachtalhalle in Pfaffenwiesbach wurde ihm vom Vorsitzenden Norbert Fischer das goldene Ehrenkreuz des Nassauischen Feuerwehrverbandes verliehen - die höchste Auszeichnung, die die Feuerwehr für besondere Verdienste überreicht.

Damit, so Fischer, wolle man ihn, der sich seit seiner Wahl zum Landrat 2006 als Brandschutzdezernent für die Belange der Feuerwehren starkgemacht habe, ehren.

Mit der Auszeichnung ging ein langer Abend zu Ende. Doch damit war zu rechnen gewesen, denn die letzte Versammlung war 2019 gewesen. Die Coronavirus-Pandemie hat den Feuerwehren im Kreis teilweise stark zugesetzt: Ausbildungsmodule und Lehrgänge mussten abgesagt werden, die Landesfeuerwehrschulen in Kassel und Marburg waren geschlossen, vieles lief nur per Videokonferenz. »Aber die Wehren mussten weiter ihren Dienst versehen«, betonte Fischer in seinem Bericht. Es sei keine einfache Zeit gewesen, die außerdem noch immer nicht ganz vorüber sei.

Kampf um den ersten Impfstoff

Die Wehren hätten sich im vergangenen Jahr nie da gewesene Herausforderungen stellen müssen: Noch strengere Hygienemaßnahmen und die fehlenden praktischen Übungsdienste sowie das kameradschaftliche Miteinander, aber auch die Aus- und Fortbildung zehrten an den Feuerwehrleuten - und auch den Nachwuchsabteilungen. Nicht nachvollziehen konnten die Floriansjünger, dass sie zunächst nicht geimpft werden sollten, als es die ersten Impfungen gab. »Wir mussten uns als Verbände vehement für eine schnellere Impfung einsetzen«, erzählte Fischer. Als es endlich ging, hatte der Vorstand des Kreisverbands sich so gut vorbereitet, dass am Tag der Pressekonferenz der Landesregierung über Hundert Kameradinnen und Kameraden mit der Erstimpfung bedacht werden konnten.

Im Sommer 2021 sei dann wieder vieles möglich gewesen: Treffen auf der örtlichen Ebene sowie Kreisausbildungstermine. Dennoch sei weiterhin viel E-Learning angeboten worden. Auf Vorschlag von Kreisbrandinspektor Carsten Lauer sei der Hochtaunuskreis mit entsprechenden Geräten ausgestattet worden. Diese sind nun in einer Oberurseler Schule untergebracht.

Als ob Corona noch nicht genug gewesen sei, kam noch die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen dazu. Der Hochtaunuskreis wurde alarmiert und nur wenige Stunden später ging es Richtung Katastrophengebiet. Man half wo es ging und hätte auch mehr getan, so Fischer. Für Stolberg, eine Kommune nahe Aachen, wurden über 100 000 Euro Spenden gesammelt.

Das Thema »Löschung von E-Autos«, auch »Recover-E-Bag« genannt, wurde zuletzt ebenfalls in Angriff genommen und ein Konzept entwickelt. Auch die wasserstoffbetriebenen Züge der Taunusbahn sind bereits im Fokus. Man hoff nun, einen alten Triebwagen der Taunusbahn, die ausgesondert werden, zu erhalten, um realistische Ausbildung bei Not- und Unglücksfällen vornehmen zu können.

Das Feuerwehrwesen im Kreis sei hervorragend aufgestellt, sagte Fischer stolz. Dies sei zu bewahren, weshalb es wichtig sei, dass die Basis, die Feuerwehrleute in den jeweiligen Wehren, gut ausgebildet seien und neben Anerkennung und Wertschätzung auch die Erleichterung der vordringlichsten Aufgaben in den Fokus gestellt würde. Die Einsatzstärke vor Ort, die Zahl der Seiteneinsteiger und das Wechseln von Jugendwehren in die Einsatzabteilung seien immens wichtig.

Grundsätzlich gelte: »Wer die Feuerwehren im Rahmen der Sicherheit in unserem Land nicht ordentlich ausstattet, der meint es auch mit der inneren Sicherheit nicht ernst«, meinte Fischer. Er setze auf Dialog mit Arbeitgebern sowie politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen. Die Standortausbildung sei wichtig, aber auch Kreislehrgänge. So soll etwa eine Heißbrand-Ausbildungsmöglichkeit in Oberursel für den Neubau des Gefahrenabwehrzentrums errichtet werden. Der Feuerwehrdienst bis 67 Jahre wird von den Hochtaunuswehren allerdings abgelehnt.

Zahl der Einsätze leicht gesunken

Kreisbrandinspektor Carsten Lauer zeigte derweil statistische Daten, was die Zahl der Aktiven, die Zahl der Lehrgänge und Fortbildungen sowie die der Einsätze angeht. Die Zahl der Einsatzkräfte ist von 2194 2018 auf 2114 2021 gesunken. Die Zahl der Feuerwehrfrauen blieb nahezu unverändert. Die Einsätze gingen von 2758 2018 auf 1902 2021 zurück. Lehrgänge wurden weniger angeboten, aber auch weniger gebucht. Das Miteinander der Wehren im Einsatz funktioniere hervorragend, war Lauer zufrieden.

Jugendwehren schrumpfen

Für die erkrankte Kreisjugendfeuerwehrwartin Friederike Wewerka gab Maximilian Matzack den Bericht ab. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in den Nachwuchsorganisationen sei rückläufig, was aber nicht alleine mit der Pandemie erklärt werden könne. Der Trend habe sich vorher schon abgezeichnet.

Umso schöner sei es, dass jetzt wieder geübt und getagt werden könne. Die Jugendwarte hätten viel Kreativität an den Tag gelegt, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten. Die Zahl der Jugendlichen in der Freiwilligen Feuerwehr ist von 799 2019 auf 730 Ende 2021 gesunken. Mit neuem Schwung gelte es, die Zahlen wieder nach oben zu bringen.

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Stehende Ovationen für den geehrten Landrat Ulrich Krebs gibt es von Ehrengästen und Feuerwehrleuten beim Kreisfeuerverbandstag in der Wiesbachtalhalle in Pfaffenwiesbach. © Christina Jung

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