Bundeswehrsoldat aus Hessen festgenommen
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Die Ermittlungen gegen den Bundeswehrsoldaten laufen. (Archivfoto)

Waffenfunde

Nach Festnahme in Hessen – Plante der Bundeswehrsoldat Anschläge in Deutschland?

  • vonJoel Schmidt
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Bei Frankfurt werden ein Soldat und zwei weitere Männer wegen illegalen Waffenbesitzes festgenommen. Dabei stoßen die Ermittler auf beunruhigende Hinweise.

  • In Hessen werden ein 21-Jähriger Bundeswehrsoldat sowie dessen Vater und Bruder festgenommen.
  • Den drei Männern werden rechtsextreme Äußerungen, Volksverhetzung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.
  • Der Soldat war den Sicherheitsbehörden bislang noch nicht aufgefallen. Nun wird wegen möglicher Anschlagsplanungen ermittelt.

Update vom Mittwoch, 03.03.2021, 11.15 Uhr: Im Fall des festgenommenen Bundeswehrsoldaten aus dem Hochtaunuskreis ermittelt die Staatsanwaltschaft auch wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Das sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde in Frankfurt am Mittwoch. Details dazu nannte sie nicht, die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Unter anderem müssten dazu ein Pamphlet ausgewertet werden sowie Handys und Datenträger.

Update vom Dienstag, 02.03.2021, 10.45 Uhr: Wegen des Verdachts illegal Waffen und Munition gehortet sowie sich rechtsextrem geäußert zu haben wurden im Hochtaunuskreis am Sonntag (28.02.2021) drei Männer festgenommen, darunter ein Soldat der Bundeswehr. Nach Informationen des „Spiegel“ stießen die Ermittler dabei nicht nur auf mehrere Pistolen und Gewehre, Plastiksprengstoff, Granaten und Munition – sondern ebenfalls auf ein rechtsextremes Manifest mit dem Titel „Wie man die Macht in Deutschland übernehmen könnte“. Dieses soll aus der Feder des festgenommenen 21-jährigen Soldaten stammen. Es soll zwar „teils wirr gewesen sein, enthielt aber offenbar auch Hinweise auf mögliche gewaltsame Aktionen“, berichtet das Magazin.

Dem „Spiegel“ liegen zudem Informationen über Versuche des Soldaten vor, „aus Munition Sprengstoff für Rohrbomben“ gewonnen zu haben. Bei der Durchsuchung seiner Bundeswehrstube in Pfullendorf wurden zudem rechte Flyer und Bücher gefunden und der beschuldigte Soldat soll Mitglied einer rechten Gruppe auf dem Messenger-Dienst „Telegram“ gewesen sein, so der „Spiegel“ weiter. Weder dem Militärischem Abschirmdienst (MAD) noch dem Verfassungsschutz war der 21-Jährige zuvor aufgefallen.

Beschlagnahmte Waffen nach der Durchsuchung im hessischen Glashütten bei Frankfurt.

Nach Sprengstoff- und Waffenfunden in Hessen: Haftbefehl gegen Bundeswehrsoldaten

Erstmeldung vom Montag, 01.03.2021, 15.45 Uhr: Wiesbaden – Im Hochtaunuskreis wurden am Wochenende ein Bundeswehrsoldat und zwei weitere Männer festgenommen. Bei der Durchsuchung von Privat- und Diensträumen konnte die Polizei scharfe Schusswaffen, diverse Munition, Sprengstoff sowie Datenträger und Unterlagen sicherstellen. Die Staatsanwaltschaft Hanau hat Haftbefehle gegen die drei miteinander verwandten Männer aus Glashütten bei Frankfurt erlassen.

Den 21-jährigen Bundeswehrsoldaten hatten Spezialkräfte der hessischen Polizei am Sonntag (28.02.2021) nach Erhalt eines Hinweises gestellt, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Dabei handelt es sich um einen Wehrdienstleistenden, der an einem Standort in Pfullendorf in Baden-Württemberg stationiert ist. Dort befindet sich auch das Ausbildungszentrum „Spezielle Operationen“ der Bundeswehr.

Rechtsextreme Äußerungen und illegale Waffen: Drei Festnahmen in Glashütten bei Frankfurt

Ebenfalls festgenommen wurde der 63-jährige Vater des Bundeswehrsoldaten sowie dessen 20-jähriger Bruder, der sich noch am Sonntagabend freiwillig den Behörden stellte. Nach ersten Erkenntnissen sollen die sichergestellten Waffen allerdings zum größten Teil nicht aus Beständen der Bundeswehr stammen. Bei einer gefundenen Handgranate handele es sich etwa um ein Modell aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Nach den Festnahmen erklärte die Bundeswehr am Montag (01.03.2021), die Strafverfolgungsbehörden bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. In einer Pressemitteilung des Landeskriminalamts (LKA) Hessen und der Staatsanwaltschaft heißt es, den Männern aus Glashütten bei Frankfurt werde zur Last gelegt, „illegal Waffen und Munition gehortet und sich in rechtsextremer Weise geäußert zu haben“. Die Behörden ermitteln gegen die drei Männer wegen Verdachts der Volksverhetzung und des Verstoßes gegen das Sprengstoff-, Waffen- und Kriegskontrollgesetz.

Keine Einzelfälle: Rechtsextremismus, Waffenfunde und die Rolle der Bundeswehr

Vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags mussten sich bereits in der vergangenen Woche Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, äußern. Hintergrund war eine Amnestie für die Rückgabe verschwundener Munition* beim „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) der Bundeswehr.

Bei einer großangelegten Razzia gegen ein Neonazi-Netzwerk in mehreren Bundesländern wurden erst am Freitagmorgen (26.02.2021) 27 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht und dabei neben Heroin und Crystal Meth ebenfalls 120.000 Euro sowie mehrere Waffen sichergestellt. Ziel der vom Thüringer LKA durchgeführten Durchsuchungen waren größtenteils Mitglieder der Neonazi-Bruderschaften „Turonen“ und „Garde 20“. Den Beschuldigten im Alter zwischen 24 und 55 Jahren wird vorgeworfen, seit Jahren einen großangelegten Drogenhandel in Thüringen zu betreiben und die Gewinne aus diesen Geschäften gewaschen zu haben, berichtete der „MDR“.

Bundesweite Razzia gegen Neonazinetzwerk: Auch Szeneanwalt aus Hessen festgenommen

Bei der Razzia am Freitag* wurde auch eine Anwaltskanzlei der rechten Szene in Schöffengrund, im hessischen Lahn-Dill-Kreis durchsucht, die eine Rolle bei der Geldwäsche gespielt haben soll. Nach Informationen des „Hessischen Rundfunks“ handelte es sich dabei um die Kanzlei von Dirk Waldschmid, der ebenfalls festgenommen wurde. Waldschmid war einst stellvertretender Vorsitzender der NPD in Hessen*. Bundesweite Bekanntheit erlangte er, nachdem er im Herbst 2019 die Verteidigung des verurteilten Rechtsterroristen Stephan Ernst im Prozess um die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke übernommen hatte. (js/tu/dpa) *fnp.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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