+
Trinkwasser, wie hier im Hochbehälter Krausbäumchen bei Wehrheim, ist ein wertvolles Gut. Im Winter hat sich der Grundwasserspiegel nicht ausreichend erholt. Archivfoto: Kreutz

Wasserversorgung

Grundwasserspiegel hat sich über den Winter nicht ausreichend erholt

  • schließen

Die Folgen der Trockenheit werden auch bei der Wasserversorgung deutlich. Die fürs Wochenende erwarteten Regenfälle ändern daran nichts.

"Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden", sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in dieser Woche. Prognosen wie diese bewegen nicht nur die Bürger. Die für die Wasserbeschaffung verantwortlichen Mitarbeiter in den Städten und Kommunen des Hochtaunuskreises beobachten die Entwicklung äußerst aufmerksam. Schließlich sind sie für die Versorgung der Bürger mit Trinkwasser verantwortlich. Und dass es jetzt mal etwas regnet, ist kein Zeichen der Entspannung.

Die Erfahrung des Vorjahres haben ganz deutlich gezeigt: Je weniger es regnet und je höher die Temperaturen steigen, desto höher ist der Wasserverbrauch der Bürger (lesen Sie dazu die Box). Annegrit Zirkel-Biener, Abteilungsleiterin Wassergewinnung bei den Bad Homburger Stadtwerken, hat in den ersten Monaten dieses Jahres eine Fortsetzung der geringen Niederschlagsmengen von 2018. "Im vergangenen Jahr wurde an unseren Messstellen die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge nicht erreicht", bilanziert Zirkel-Biener. "Auch die Wintermonate November bis März 2019 waren bis auf den Dezember zu trocken."

Die Konsequenz: Die Grundwasserspeicher im Bereich der Bad Homburger Stollen konnten sich nicht ausreichend füllen.

Besonders bedenklich: Die Ausgangssituation vor dem trockenen Sommer 2018 sei deutlich besser gewesen, weil die Grundwasserspeicher im Vorjahr besser gefüllt waren.

Dazu muss man wissen, dass der kurstädtische Frischwasserbedarf zu 60 Prozent aus jenen Stollen und zu 20 Prozent durch Brunnen auf städtischer Gemarkung gedeckt wird. 20 Prozent des Bedarfs wird aus zugekauftem "Fremdwasser" aus anderen Regionen Hessens bezogen. Ein kleiner Trost: "Die Grundwasserstände an unseren Brunnen sind in Ordnung", so Zirkel-Biener.

Auch in Oberursel, das seinen Trinkwasserbedarf zu 95 Prozent selber deckt, weiß man um die Entwicklung. "Der Grundwasserstand hat sich zwar erholt, hat allerdings längst nicht den Stand des Vorjahres erreicht", teilt dazu die Pressesprecherin der Oberurseler Stadtwerke Andrea Königslehner mit. "Die sehr guten Grundwasserstände in 2018 resultierten aus dem nassen Jahr 2017. Im Herbst 2018 fielen die Niederschläge dagegen wesentlich niedriger aus als 2017."

Schüttung ist schlechter

Der Niederschlag in Oberursel sei im März dieses Jahres mit 108,3 Liter pro Quadratmeter (l/m²) zwar höher gewesen, als im Vorjahr (66,2 l/m²) und auch höher als das langjährige Mittel des Referenzzeitraumes "März" von 1981 bis 2010 (86,2 l/m²). "Man muss aber bedenken, dass durch die früher einsetzende Vegetationsperiode die Neubildung des Grundwassers in Konkurrenz zum gestiegenen Bedarf der Vegetation steht", so Königslehner. "Die Schüttungen unserer Stollen und Schürfungen fallen im Januar, Februar und März summiert schlechter aus, als 2018."

In Zahlen: Der Gesamtertrag der städtischen Wassergewinnung lag in Oberursel von Januar bis März 2019 mit 455.342 Kubikmeter um 16,8 Prozent niedriger als die Schüttung in den ersten drei Monaten 2018 (547.335 m³). Auch in Kronberg, das den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch im Hochtaunuskreis hat, musste man neu kalkulieren.

"Wir haben mit der Pacht der Brunnen in Oberhöchstadt die Eigengewinnung nominell um 200 000m³ erhöht. Unser großer Trinkwasserspeicher, der Altkönig, hat sich im Winter allerdings nur wenig regenerieren können", teilt dazu Stadtsprecher Andreas Bloching mit. "Die Eigengewinnung ist jetzt schon wieder deutlich rückläufig." Für 2019 habe man beim Wasserbeschaffungsverband im zum Vorjahr 12 Prozent mehr Wasser vorbestellt und so die Vorhaltemengen angepasst.

Mit welcher Sorge der Taunus dem Somer entgegen sieht, zeigt ein Appell des Weilroder Bürgermeisters Götz Esser (FWG) an die Bürger. Essser hatte sich am Montag an die Weilroder gewandt und diese zum Wassersparen aufgefordert. "Da alle Prognosen derzeit auch wieder auf einen langen, trockenen und sehr heißen Sommer hinweisen, bitten wir jetzt schon extrem sparsam mit unserem wichtigsten Lebensmittel, dem Wasser, umzugehen", so Esser. Damit die Gemeinde "in diesem Jahr nicht auf schärfere Maßnahmen zurückgreifen" müsse, bitte man darum, schon jetzt äußerst sparsam mit den Wasserressourcen umzugehen.

Ein Beispiel: Nach Angaben der Stadt Bad Homburg stieg der Wasserverbrauch in der Kurstadt im vergangenen Jahr von insgesamt 3,5 Millionen Kubikmeter (2017) auf 3,7 Millionen 2018. Anders ausgedrückt: Im Dürrejahr 2018 wurden in Bad Homburg 3,7 Milliarden Liter Trink- und Frischwasser verbraucht.

Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch stieg von 117 auf 123 Liter. Im Vergleich zum Wasserverbrauch in Kronberg waren die Kurstädter trotz der Hitze geradezu sparsam. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist in der Burgenstadt schon immer mit Abstand der höchste im Hochtaunuskreis. " 2018 wurden in Kronberg 1,3 Millionen Kubikmeter Frischwasser verbraucht", teilt dazu Pressesprecher Andreas Bloching mit. "Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 184,4 Liter pro Tag. 2017 waren es noch 166,4 Liter pro Tag und Bürger.

Auch die anderen Städte und Kommunen im Hochtaunuskreis vermelden einen Anstieg des Wasserverbrauchs. So hat sich der gesamte Wasserverbrauch in Oberursel von 2017 auf 2018 um 4,5 Prozent auf 2 795 863 Kubikmeter erhöht. "Der komplette Wasserverbrauch der Städte Usingen und Neu-Anspach sowie der Gemeinde Wehrheim hat sich von 2017 auf 2018 um 4,17 Prozent auf zusammen 1,8 Millionen Kubikmeter erhöht", teilt dazu der Mark Steinheimer, Leiter des Wasserbeschaffungsverbandes Usingen, mit. map

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare