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Radfahrer (Symbolbild)

Test des ADFC

Fahrradklimatest: Bad Homburg auf letztem Platz in ganz Hessen

Schon vor zwei Jahren rangierte Bad Homburg beim bundesweiten Fahrradklimatest des ADFC auf den hinteren Plätzen. Jetzt ist die Kurstadt sogar auf den letzten Platz unter allen beteiligten hessischen Städten abgerutscht. Die Zahl der Teilnehmer ging dafür nach oben.

Bad Homburg - Sicherheitsgefühl: 4,9. Fahren im Mischverkehr mit Kfz: 4,9. Führung an Baustellen: 5,0. Radweg zu schmal: 5,1. Das sind einige der Aspekte mit den schlechtesten Schulnoten, die die Teilnehmer des Fahrradklimatests für Bad Homburg verteilt haben. Die Gesamtnote für Bad Homburg bei der vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) initiierten Befragung lautet 4,54. Damit liegt es auf Platz 71 von 71 teilnehmenden Kommunen in Hessen und bundesweit auf Platz 102 von 106 Städten über 50 000 Einwohner. 

„Bad Homburg – eine wunderschöne Stadt, die Radfahrer nicht mag“

„Ein erschütterndes Ergebnis“, so der Sprecher des Arbeitskreises Radverkehr des ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf, Ralf Gandenberger. „Katastrophal“ war ein häufig benutztes Adjektiv, das in den Kommentaren der Teilnehmer benutzt wurde. Allein 85 Personen bemängelten, dass es viel zu wenige Radwege gebe und der Ausbau dringend sei, insbesondere an großen Straßen, vom und zum Bahnhof sowie aus allen Richtungen in die Innenstadt. 

30 Teilnehmer fordern eine zügige Umsetzung des von den städtischen Gremien beschlossenen Radverkehrskonzepts. Ein Teilnehmer brachte die Situation prägnant auf den Punkt: „Bad Homburg – eine wunderschöne Stadt, die Radfahrer nicht mag“. 

Kinder fahren nicht mit Fahrrad zur Schule - zu gefährlich 

Viele Teilnehmer gaben an, dass sie ihre Kinder nicht mit dem Rad zur Schule fahren ließen, weil die Wege zu unsicher seien. Sehr häufig wurde die Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr gefordert. Vorgeschlagen wurde auch, die Parks und mehr Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radler zu öffnen. In diesem Punkt hat sich laut ADFC zwischenzeitlich eine Verbesserung gezeigt: „Seit November wurden 23 Einbahnstraßen freigegeben oder deren Freigabe von der Straßenverkehrsbehörde angeordnet. „Auf die beschlossene Freigabe für den Schulberg warten wir aber noch.“ 

Zusammengefasst fühlen sich viele Bad Homburger als Radfahrer nicht ernstgenommen, weil nur für Autos geplant werde. Man wünscht sich auch mehr Unterstützung des Radverkehrs durch die Stadt, die Imagepflege fürs Fahrrad betreiben und die Homburger zur häufigeren Fahrradnutzung animieren sollte. Es gehe also nicht nur um Infrastruktur, so der ADFC, sondern auch um Kommunikation. 

Radverkehr gewinnt an Bedeutung

285 Radfahrer – mehr als doppelt so viele wie 2016 (130) – haben sich an der Umfrage für die Kurstadt beteiligt. „Diese Zahl zeigt den Bedeutungszuwachs des Radverkehrs in Homburg“, so Gandenberger. Auch bei den Foren für das Stadtentwicklungskonzept in jüngster Zeit wurde deutlich, dass den Bürgern das Thema Radverkehr unter den Nägeln brennt. Ein Arbeitskreis Radverkehr wurde ins Leben gerufen. 

Drei Jahre lang wurde diskutiert und ein Radverkehrskonzept ausgearbeitet. Dieses wurde im November öffentlich vorgestellt und im Dezember beschlossen. Es enthält 87 Einzelmaßnahmen, die das Radverkehrsnetz des Jahres 2030 bilden sollen. Wie Rathaussprecher Andreas Möring auf Nachfrage sagt, will die Stadtverwaltung im Mai mit Vorschlägen für erste konkrete Projekte in den Verkehrsausschuss gehen. Dafür stünden im aktuellen Haushalt 250 000 Euro bereit. Als erstes würden schnell umsetzbare Maßnahmen erfolgen – zum Beispiel für Bereiche, in denen die Situation für Radfahrer mit Markierungsarbeiten verbessert werden könne. 

Seit Mitte März hat die städtische Verkehrsplanung zudem eine extra Radverkehrsbeauftragte. Beim ADFC Hessen hofft man, dass sich durch all diese Maßnahmen einiges positiv verändert „und Bad Homburg zukünftig nicht mehr als reine Autofahrerstadt wahrgenommen wird“. 

von Anke Hillebrecht

Kommentar von Anke Hillebrecht: Thema positiv besetzen! 

Platz 71 von 71 – ruhmreich ist anders. In vielen Bereichen ist Bad Homburg spitze; es ist auch wunderschön, wie ein Teilnehmer des Klimatests schrieb. Nur willkommen und sicher fühlen sich Fahrradfahrer hier nicht. Die Straßen werden für Autofahrer geplant, die es hier ja auch zur Genüge gibt. Für die Straßensanierung stehen im aktuellen Haushalt wieder Millionen bereit. Dabei sollte die Stadt alles dafür tun, damit mehr Autofahrer aufs Rad umsteigen, bangt sie doch seit einigen Jahren um ihre Luftqualität und den Erhalt ihres kostbaren Kurstatus’. Geredet wird auch schon viele Jahre darüber, dass sich für Radfahrer etwas verbessern muss. Inzwischen wurden ein Radverkehrskonzept verabschiedet und eine Fahrradbeauftragte eingestellt. Beim Stadtentwicklungskonzept stuften die Bürger das Thema als wichtiger ein als den Wohnungsbau. Nur passiert ist noch nichts. Warum dauert das so lange? Wie schnell standen – zum Vergleich – die „Tempo 30“-Schilder auf der Promenade . . . 

Zumindest lässt sich sagen: Zeichen der Zeit erkannt, Veränderungen eingeleitet. Jetzt mahlen eben die Mühlen der Verwaltung. Und das dauert. Sicher ist aber: Ohne die steten Mahner des ADFC wären wir jetzt noch nicht so weit. Die Stadt könnte sogar Gewinn aus dem Thema schlagen. Es aktiv vermarkten und die Schönheit Bad Homburgs, vom Rad aus gesehen, bewerben. Sie müsste es nur ernst meinen – und einen Gang höher schalten.

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