So war es gedacht: Fuß vom Gas, ein Schlenker und alles ist gut. "Nicht mit mir", dachte sich ein Unbekannter. In der Nacht zum Freitag hat er die Baken geklaut und die Löcher verfüllt. Foto: Schneider

Dreister Vorfall

Unbekannte klauen Schikane, die spielende Kinder vor Rasern schützen soll

Wenn alle Autofahrer rücksichtsvoll fahren würden, brauchte es keine Verkehrsschilder. Leider ist das nicht so. Nicht einmal auf einem Dorf wie Emmershausen. Dort wurden missliebige Schilder geklaut.

Emmershausen - Die Dorfstraße in Emmershausen hat einen Vor- und einen Nachteil: Sie ist bis zum Wochenendgebiet hinauf kerzengerade und lädt deshalb sicher zum Rasen ein. Da dort aber wie in ganz Emmershausen "Tempo 30" gilt, hält das ganz schön auf.

"Gut so", dachte man sich im Ortsbeirat. 90 Prozent der Anlieger halten sich zwar an das Tempolimit, sagt Ortsvorsteher Hans Faber (FWG), zehn Prozent "Verrückte" aber häufig nicht. Das Problem daran: Fuchs und Hase sehen die Autos zwar schon von weitem kommen, Kinder, die auf dem Spielplatz oberhalb des Neubaugebietes "Taunusblick" herumtoben, möglicherweise aber nicht.

Kinder auf Spielplatz im "Taunusblick" gefährdet

Eltern, die mit ihren Kindern zum Spielplatz gehen, müssen sich darauf verlassen können, dass maximal 30 gefahren wird. Sie müssen auf der Straße laufen, einen Bürgersteig gibt es nicht, braucht es dort oben eigentlich auch nicht. Die Dorfstraße heißt nämlich nicht umsonst Dorfstraße.

Man hat in Emmershausen schon so einiges probiert, um Anliegern, für die die Straßenverkehrsordnung ein Buch mit sieben Siegeln ist oder aus anderen Gründen auf dem Index steht, Benimm am Steuer beizubringen. Gute Worte haben nichts gebracht. Die ersten Schwellen, die vor Jahren als Tempobremsen eingebaut worden waren, wurden geklaut, die zweiten mussten auf behördliches Geheiß hin wieder abgebaut werden - zu gefährlich. Für die Autos.

Jetzt hat sich der Ortsbeirat erneut an die Gemeinde gewandt und um Hilfe gebeten. Sie wurde gewährt: Auf der Dorfstraße wurde zu Beginn letzter Woche von Mitarbeitern des Bauhofs und nach Absprache mit den Verkehrsbehörden eine zum gefahrlosen und zumutbaren Langsamfahren anregende Fahrbahnverschwenkung angelegt. Sie wurde mit einer tropfenförmigen weißen Markierung visualisiert und mit zwei rot-weißen Warnbaken, eine von oben, die andere von unten, abgesichert. Auf der Rennstrecke nennt man so etwas "Schikane".

Plötzlich war alles im Lot. Für zwei Tage, denn offenbar empfand es ein Anlieger in der Tat als "Schikane", dass ihm als freiem Bürger die freie Fahrt verwehrt wurde. Donnerstag Abend waren die beiden Baken noch da, Freitag Morgen nicht mehr. Geklaut. Und nicht nur das: Die beiden Hülsen, in die die Baken gesteckt waren, waren mit Flüssigbeton verfüllt.

Diebstahl ist gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr

"Harter Tobak", fanden Bürgermeister Götz Esser (FWG) und Ortsvorsteher Faber. Diebstahl und Sachbeschädigung sind fast noch das Geringste. "Viel schwerer wiegt der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr", sagt Esser. "Sich ein Recht zu nehmen, das einem gar nicht zusteht und das auch noch bei Nacht und Nebel in Wildwestmanier, geht gar nicht", meint Esser. Faber derweil schließt einen "dummen Jungenstreich" aus: "Das hat sich jemand genau überlegt, schließlich musste er vorher ja auch noch den Zement anrühren, das war nicht spontan im Suff, das war geplant."

So ärgerlich die Sache auch ist: Esser und Faber greifen zunächst zum Florett und nicht gleich zum Schwert: "Wenn sich der Täter binnen einer Woche beim Bürgermeister oder bei mir meldet, die beiden Baken zurückgibt und die Kosten für die Reparatur übernimmt, sehen wir von einer Strafanzeige ab. Wenn nicht, nicht. Dann wird die Sache strafrechtlich verfolgt, mit allen Konsequenzen", hofft Faber auf Einsicht.

Mal ein paar Kilometerchen zu viel auf dem Tacho und dabei "geknipst" werden - wem ist das wohl noch nicht passiert? Ärgerlich. Auch wenn sich der Geist von Tempolimits nicht immer auf den ersten Blick jedem erschießen mag - sie haben in aller Regel ihren Sinn. Übertretungen dadurch zu umgehen, dass man die Schilder klaut, ist kein Mittel der Wahl, sondern eine Straftat, im Strafgesetzbuch geregelt im § 315 b. Dort heißt es: Wer die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt, dass er (1) Anlagen oder Fahrzeuge zerstört, beschädigt oder beseitigt ( . . .), wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Kommt es dabei zu einer Gefährdung anderer Menschen oder Unfall, so ist eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren möglich. Das Entfernen der Verschwenkungsbeschilderung in der Dorfstraße dürfte den Tatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erfüllen und ist kein "dummer Jungenstreich". as

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