Die Martinsklause in der Baugruppe Nordhessen ist eine Schenke im Stil der 50er Jahre. Hier wird künftig rustikale Kost serviert. FOTOS: Hessenpark
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Die Martinsklause in der Baugruppe Nordhessen ist eine Schenke im Stil der 50er Jahre. Hier wird künftig rustikale Kost serviert. 

Freilichtmuseum 

Hessenpark: Saisonstart mit neuer Gastronomie – Bauprojekte fertig

  • Anja Petter
    vonAnja Petter
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Im Hessenpark beginnt am Sonntag die Museumssaison 2020. Viele Neuerungen erwarten die Besucher in Neu-Anspach. 

Neu-Anspach – Hessenpark-Chef Jens Scheller freut sich schon auf Sonntag, denn dann beginnt im Freilichtmuseum die neue Saison. Das bedeutet, dass die Landes-Einrichtung wieder unter der Woche geöffnet ist und die Pächter in ihre Geschäfte rund um den Marktplatz zurückkehren. Dazu gehört natürlich auch der Bäcker. "Dann riecht es hier wieder nach frisch gebackenem Brot", meint Scheller anlässlich der Vorstellung des neuen Programms. Dazu passt, dass sich auch bei den zwei geplanten Sonderausstellungen alles um Essen, Küche und Kochen dreht.

"Mahlzeit, Deutschland!" heißt die erste neue Schau, die ab Sonntag im Haus aus Gemünden (Wohra) Fotografien rund ums Essen zeigt und die Vielfalt der Ernährung thematisiert, "Herdanziehungskraft" die zweite, die ab dem 22. März in der Stallscheune aus Asterode zu sehen sein wird. Im Zentrum der interaktiven Ausstellung steht die Küche und wie sich diese in den zurückliegenden 150 Jahren verändert hat.

Neu-Anspach: Neuer Gastronom im Freilichtmuseum Hessenpark

Überhaupt ist Essen und Trinken ein wichtiges Thema. Das Desaster mit der Gastronomie soll nun endgültig der Vergangenheit angehören, und so erinnert Scheller nur noch kurz an die Insolvenz des Pächters: "Das war eine schwierige Zeit." Gastronom Peter Stürtz, der eingesprungen war und das Museum seit Herbst "toll unterstützt" hat, wird ab dem 1. März nun auch offiziell den Hotel-Betrieb sowie die Bewirtung der Gäste in der Martinsklause und bald auch in dem 300 Sitzplätze fassenden Wirtshaus Zum Adler übernehmen. Die Sanierung des am Marktplatz gelegenen Gebäudekomplexes, der eine neue Küche und eine neue Infrastruktur bekommt, befindet sich nach Informationen des Museumsleiters nämlich auf der Zielgeraden, so dass für Mitte April ein "Soft Opening" mit kleiner Karte und für Ende April die Wiederöffnung mit einem Wirtshausfest geplant ist.

Bereits am Sonntag öffnet die Martinsklause in der Baugruppe Nordhessen. Hier handelt es sich um eine 50er-Jahre-Schenke, und entsprechend rustikal wird dort das Essen mit dicker Suppe, belegten Broten sowie Handkäs' mit Musik sein.

Das Haus aus Sterzhausen am Rande der Baugruppe Mittelhessen wird ab Spätsommer die Dauerausstellung "Vertriebene in Hessen" beherbergen.

Hessenpark lockt tausende Besucher nach Neu-Anspach

Zwar hat der Hessenpark im vergangenen Jahr mit 238 500 Besuchern einen leichten Rückgang hinnehmen müssen (2018: 246 700 Gäste), doch nimmt das Museum hinter Städel, Schirn und Senckenberg-Museum einen beachtlichen vierten Platz im Rhein-Main-Gebiet ein.

Der Einrichtungsleiter führt das auf die "Qualität der musealen Arbeit" und die gestiegene Grundattraktivität zurück. So habe man sich von alten Konzepten verabschiedet und große Veranstaltungen wie das "zu klamaukige Brunnenfest" und die sehr aufwendig zu organisierenden Dampftage abgeschafft. Er wolle unabhängiger von Großformaten sein und setze stattdessen lieber auf Thementage, öffentliche Führungen jeden Samstag und Sonntag und täglich drei Handwerker-Vorführungen, sagt Scheller. "So haben wir auch unter der Woche mehr Gäste."

Neu-Anspach: Großveranstaltungen im Hessenpark sollen bleiben

Andere Großveranstaltungen wie Apfel- und Erntefest, Treckertreff sowie Oster- und Adventsmarkt sollen bleiben, versichert der Geschäftsführer. Aber auch beim Pflanzenmarkt sei es heute wichtiger, alte Apfelsorten zu präsentieren und dafür weniger Accessoires und Möbel, wie das schon der Fall war. "Wir wollen mit einem inhaltlichen Profil punkten."

Nicht nur das Wirtshaus Zum Adler wird demnächst fertiggestellt, auch der Fruchtspeicher aus Trendelburg in der Baugruppe Nordhessen. Das Gebäude, dem "baukulturell höchste Bedeutung zukommt", so Jens Scheller, erhält unter anderem einen neuen historischen Eingang. Außerdem wird hier künftig auch das Obergeschoss zugänglich sein. Das aus dem Jahr 1571 stammende Anwesen ist ab 1. Juli für Veranstaltungen buchbar. Eine Küche wird in einem modernen Anbau untergebracht.

"Überraschend viel Sanierungsbedarf" hat es am Haus Heck aus Friedensdorf gegeben. Hier haben die ornamentalen Verzierungen erhebliche Schäden aufgewiesen, doch ab Spätsommer soll nun endlich die Dauerausstellung "Bei Hecks zu Hause" zu sehen sein. Im Zeitschnitt von 1840 wird hier der Alltag einer Schreinerfamilie thematisiert.

Neu-Anspach: Mehrere Sanierungen im Hessenpark stehen an 

Ebenfalls grundsaniert wird das Haus aus Sterzhausen, in dem die Ausstellung "Vertriebene in Hessen" neu konzipiert wird. Hessen als Ort des Kommens und Gehens sei ein zentrales Thema im Hessenpark, sagt der Museumschef.

Und schließlich ist für den Herbst die Inbetriebnahme des neuen Magazin-Gebäudes geplant. Hier sollen die 250 000 Sammlungsobjekte, die derzeit nicht nur auf dem Museumsgelände, sondern auch in Außendepots untergebracht sind, zusammengeführt und klimatisch gut untergebracht werden. Das erleichtert die Erforschung und den Zugriff, erklärt Scheller. "Für den Hessenpark ist das Magazin das wichtigste Gebäude der letzten Jahre." Für die Besucher wird es dort auch Führungen geben. 

Von Anja Petter

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