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Hier ist Muskelkraft nötig

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Das Aufschneiden eines Stamms war einst eine mühsame Arbeit. Ein Zimmermann führt es zum Fachwerktag im Hessenpark vor und hat stets interessierte Zuschauer. FOTO: SALTENBERGER © Red

Neu-Anspach. Holz ist ein Naturstoff, aus dem der Mensch schon seit Urzeiten seine Häuser baut. Dazu wird es aus den heimischen Wäldern geholt, aber weil sich nicht nur der Hausbau des nachwachsenden Materials bedient, wurde das Holz mitunter knapp. Aber besonders Hartholz, und hier vor allem die Eiche, ist ein langlebiger Baustoff - sofern er fachgerecht verbaut und nachhaltig gepflegt wird.

Städte mit alten Fachwerk-Ensembles haben auch heute noch ihren Reiz und viele Häuser sind als Baudenkmale geschützt. Das Gros der hessischen Fachwerkhäuser stammt aus dem 18. Jahrhundert, es gibt aber auch noch zahlreiche Einzelbauwerke, die aus dem späten Mittelalter stammen.

Auch der Hessenpark hat einen großen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert stammenden Bestand, und der stand am Sonntag ganz besonders im Fokus. Das Freilichtmuseum hatte nämlich zum Fachwerktag eingeladen, und an diesem sind Wohnhäuser, Scheunen und Ställe nicht nur zu besichtigen, sondern es wurde auch gezeigt, wie das Holz seit alters her bearbeitet wird.

Arbeitsschritte und Werkzeuge

In vergangenen Zeiten ging dies mit erheblicher Muskelkraft einher und begann schon mit dem Fällen des Baums. Lange Zeit waren Zug-säge und Axt die typischen Werkzeuge in der Holzernte, bis die Kettensäge beide ablöste und dann selbst von Erntemaschinen ersetzt wurde.

Dann werden aus dem Stamm Balken gewonnen, und das war auch im Hessenpark zu sehen: Ein aufgebockter Stamm wurde der Länge nach aufgeschnitten, was mit einer Rahmensäge geschah, die von zwei Mann geführt wurde. Die Balken wurden dann, je nachdem, wo sie verbaut werden sollten, weiterbearbeitet - als Schwellen, Rähme, Wandpfosten, Riegel oder Streben, als Deckenbalken oder als Sparren für die Dächer. Eine typische Verbindung der Holzteile ist das Verzapfen, wobei am Ende des zu verbauenden Balkens ein Zapfen stehen bleibt und aus dem Gegenstück ein Zapfenloch herausgehauen wird. Beide werden entsprechend mit einem Bohrloch versehen, in dem ein Holznagel die Verbindung sichert.

Viele der Arbeitsschritte wurden von Zimmerleuten demonstriert und die Arbeiten sowie die dazu verwendeten Werkzeuge wie Sägen, Stechbeitel und Klopfholz erklärt. Hohleisen zum Ausstemmen von Kehlen beispielsweise, denn Fachwerkhäuser wurden oft aufwendig verziert.

Holzgeflecht, Lehm und Stroh

Waren die Einzelteile komplett, wurde sie zusammengefügt, gekennzeichnet und dann am Standort endgültig aufgerichtet. Dann kamen weitere Handwerke zum Zug, denn die Gefache mussten geschlossen werden. Eine typische Technik, die an vielen Häusern im Freilichtmuseum zu sehen ist, ist das Ausstaken mit Hölzern und Geflecht, das dann mit Lehm oder mit Stroh versetzt und von beiden Seiten beworfen, geglättet und mit einem Feinputz versehen wurde. Auch das Handwerk des Kleibers wurde vorgeführt, wobei sich die »Baustellen« im Museum verteilten. Kinder durften an einer Schnitzbank aktiv werden oder das Miniaturfachwerkhaus unter die Lupe nehmen. Die praktischen Demonstrationen wurden durch Führungen ergänzt, die beispielsweise den Bautypen und Gefügeformen sowie weiteren Themen wie der Pflege und Sanierung von Fachwerk nachgingen. Schließlich bestand die Möglichkeit, sich bei Rundgängen das landschaftstypische Fachwerk der Baugruppen von Hessens Süden bis in den Norden anzuschauen, und diese Möglichkeit besteht auch ganz unabhängig vom Fachwerktag. Gezeigt wird außerdem, dass modernes Wohnen im alten Haus durchaus funktioniert, wozu ein Musterhaus im Entstehen ist.

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