1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Veränderungen bei Bahn-Verkehr in Hessen: Bislang unbekannter Betreiber geht an den Start

Erstellt:

Von: Matthias Pieren

Kommentare

Dieser eingedellte Triebwagen der Hessischen Landesbahn ist durch einen Sturmschaden bis auf weiteres nicht mehr einsatzfähig. Bald wird die Flotte modernisiert.
Dieser eingedellte Triebwagen der Hessischen Landesbahn ist durch einen Sturmschaden bis auf weiteres nicht mehr einsatzfähig. Bald wird die Flotte modernisiert. © map

Das DB-Tochterunternehmen ,Regionalverkehre Start Deutschland GmbH' (RSD) fährt bald neue Wasserstoffzüge. Bad Homburg könnte eine Direktverbindung bekommen.

Hochtaunus - Der Epochenwechsel auf den Schienensträngen im Taunus wird auch mit dem Start eines in Hessen bislang unbekannten Zugbetreibers einhergehen. Zum Fahrplanwechsel im Dezember werden nicht nur die neuen 27 Wasserstoffzüge sämtliche bis zu 30 Jahre alten "Rußschleudern" mit Dieselantrieb ersetzen.

Doch der Betrieb der komplett emissionsfreien Triebfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb wird nach Informationen dieser Zeitung vom Eisenbahnverkehrsunternehmen ,Regionalverkehre Start Deutschland GmbH' (RSD) verantwortet. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat in einer Vorabinformation bekannt gegeben, vom 11. Dezember an den Eisenbahnverkehr auf dem so genannten "Taunusnetz" nach Ende der Einspruchsfrist an die RSD zu vergeben.

"Noch läuft die Einspruchsfrist bis zum 8. März", teilt dazu die RMV-Pressestelle auf Anfrage mit. In dieser Woche will der Verband nähere Details bekanntgeben. Mit der Transaktion würde die Hessische Landesbahn (HLB) als Betreiberin des Zugverkehrs im Taunus ihre Segel auf ihren Stammstrecken RB 12 nach Königstein und RB 12 ins Usinger Land verlieren.

Hochtaunus: Für Bahnkunden dürfte sich nichts ändern

"Der RMV hat uns darüber informiert, dass er plant, der ,Regionalverkehre Start Deutschland' den Zuschlag für die Betriebsleistung im Taunusnetz zu erteilen", bestätigt dazu HLB-Pressesprecherin Sabrina Walter auf Anfrage dieser Zeitung. "Wir haben das mit Bedauern zur Kenntnis genommen."

Für ÖPNV-Kunden, die derzeit mit den gelben HLB-Zügen von Königstein nach Frankfurt oder zwischen dem Usinger Land und Bad Homburg - zum Teil auch in sieben täglichen Direktzügen weiter bis zum Frankfurter Hauptbahnhof - unterwegs sind, wird sich damit am Fahrplan aber wohl nichts oder nur Unwesentliches ändern.

Gewiss wird sich jedoch durch den Einsatz der Wasserstoffzüge der Komfort für die Fahrgäste deutlich verbessern. Womöglich wird auch von Ende des Jahres an eine neue Direktverbindung von Bad Homburg und Friedberg eingeführt. Für die HLB-Lokführer wird sich allerdings wohl sehr viel ändern.

HLB verliert Strecken im Taunus: "Wir prüfen derzeit die Einlegung von Rechtsmitteln gegen die Vergabe"

Während die HLB-Werkstatt weiterhin betrieben wird - dort sollen künftig die in der Wetterau eingesetzten HLB-Züge gewartet und repariert werden -, müssen sich alle im Taunus eingesetzten Lokführer der HLB auf eine Versetzung vorbereiten oder sie müssen sich beim neuen Betreiber bewerben.

"Wir prüfen derzeit die Einlegung von Rechtsmitteln gegen die Vergabe", kündigt die HLB-Pressesprecherin an - bei der Neuvergabe von Zugleistungen ist das ein übliches Vorgehen. "Weitere Aussagen zum laufenden Verfahren können und dürfen wir nicht tätigen. Dafür bitten wir um Verständnis." Betrieblich und personell werde sich bis Vertragsende am 10. Dezember nichts ändern. Auf den laufenden Zugbetrieb im Taunus werden aber dennoch weitere Probleme zukommen.

"Leider sind durch die Stürme im Februar zwei Fahrzeuge im Taunusnetz stark beschädigt worden", so Walter. "Dadurch wird es sicherlich zu Fahrzeug-Engpässen kommen, da die Reparaturen zeitaufwendig sind und wir das bekannte Problem mit den Ersatzteilen haben."

Bahnstrecken im Hochtaunus: Deutsche Bahn hat 2016 eine Tochtergesellschaft gegründet

Wer aber ist das neue Eisenbahnverkehrsunternehmen, das bislang auf hessischen Schienen noch nicht im Einsatz ist - wohl aber in Niedersachsen und Hamburg: Die RSD ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der "DB Regio". Die Deutsche Bahn hatte 2016 die Tochtergesellschaft gegründet, um nach eigenen Angaben "innovative Lösungsansätze für Aufgabenträger" (in diesem Fall ist das der RMV) zu entwickeln.

Im Firmenportrait spricht RSD von sich als "Start-up mit fundierter Betriebserfahrung". Ziel sei es, "gemeinsam mit Ressourcen der Muttergesellschaft "DB Regio" Ausschreibungen beim Schienenpersonen-Nahverkehr zu gewinnen und für die Kunden optimal betreiben. "Wir setzen auf schlanke, individuelle Geschäftsmodelle und flexible Konzepte für den SPNV der Zukunft", teilt der Vorsitzende der RSD-Geschäftsführung Dirk Bartels auf der Homepage mit.

Das Taunusnetz wird geändert: Wasserstoffzüge sollen kommen

Die Ausschreibung für den Betrieb der vom RMV finanzierten und dem neuen Betreiber zur Verfügung gestellten Wasserstoffzüge vom Typ Coradia iLINT 54 des Zugherstellers Alstom umfasst den kompletten Zugverkehr auf den folgenden Linien:

bis zum weiter auf unbestimmt verschobenen Betriebsstart der bis Usingen verlängerten S 5 auf der kompletten RMV-Linie RB15 Brandoberndorf - Usingen - Friedrichsdorf - Bad Homburg plus Direktzüge nach Frankfurt (Main) Hbf.

Nach dem Betriebsstart der S5 bis Usingen jedoch nur noch lediglich auf dem Teilstück zwischen Usingen und Brandoberndorf plus den Direktzügen.

zusätzlich auf den RMV-Linien RB 12 (Königstein - Kelkheim - Frankfurt-Höchst - Frankfurt (Main) Hbf., RB 11 Bad Soden - Sulzbach - Frankfurt-Höchst sowie RB 16 Friedberg - Friedrichsdorf - Bad Homburg.

Noch hat sich der RMV jedoch nicht auf Anfrage zurückgemeldet, ob tatsächlich die bestehende Regionalbahnverbindung RB16 von Friedberg über Rosbach nach Friedrichsdorf bereits vom 11. Dezember dieses Jahres an bis Bad Homburg verlängert werden und mit den neuen Wasserstoffzügen bedient werden soll.

Es ist möglich, dass dies erst der Fall sein wird, wenn die S5 bis Usingen in Betrieb genommen wird und die bis dahin eingesetzten Wasserstoffzüge durch S-Bahnen ersetzt werden und somit frei werden. (Matthias Pieren)

Züge aller Hersteller sind ein beliebtes Objekt unter Graffiti-Sprayern. Dabei scheint vielen nicht klar zu sein, dass sie hier eine Straftat begehen, die mit bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet werden kann.

Auch interessant

Kommentare