+
Hochtaunus: 28-Jähriger muss sich für Einbruchsserie verantworten und wird vom Landgericht für neun Jahre Haft verurteilt. (Symbolbild)

Prozess

Strafe für 15 Einbrüche – Angeklagter bricht in Tränen aus 

Neun Jahre Haft für 15 Einbrüche: Der Angeklagte bricht in Tränen aus, der Richter nennt es ein "Schnäppchen", denn hinter Gittern wird der Mann mit etwas Glück nur ein Jahr und neun Monate verbringen . . .

Hochtaunus - Für den Staatsanwalt ist der 28-Jährige gemeinsam mit drei Komplizen für 42 Wohnungseinbruchsdiebstähle im Hoch- und Maintaunus- sowie im Wetteraukreis verantwortlich. Vor der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts waren aber nur 15 vollendete und drei versuchte Diebstähle, begangen zwischen September und November 2018, angeklagt. Für die wurde der Oberurseler jetzt zu neun Jahren Haft verurteilt. Er muss nach seiner Entlassung 20.000 Euro zahlen, was der nicht an die Opfer zurückgelangten Beute entspricht.

Der Richter ist mit seinem Urteil eineinhalb Jahre unter dem Antrag des Staatsanwaltes geblieben, hat das vom Verteidiger angeregte Strafmaß von viereinhalb Jahren aber exakt verdoppelt. Weniger, so der Richter, sei bei der Schwere der Taten sowie dem "unverfrorenen", "dreisten" und "abgebrühten" Vorgehen des Angeklagten beim besten Willen nicht denkbar.

Geständig bei Gericht

Der Mann, der zu Beginn des Prozesses ein Geständnis abgelegt und sich auch sonst kooperativ verhalten hatte, hat nach Auffassung aller beteiligter Parteien zwar zur Abkürzung des Verfahrens beigetragen, was ihm anzurechnen sei, ebenso wie das Geständnis. Gleichwohl hätten ihm die Taten auch so nachgewiesen werden können, so der Staatsanwalt. Es seien Teile der Beute bei ihm gefunden worden, ebenso habe es DNA-Spuren gegeben: Beim Aufbohren der Terrassentüren, nach diesem "Modus operandi" waren die Täter nach einigen eingeschlagenen Scheiben und Internetrecherche vorgegangen, hatte der Einbrecher ins Bohrloch gepustet und Speichel hinterlassen.

Der Mann zeigte sich vom offenbar unerwartet harten Urteil geschockt, er brach in Tränen aus. Dabei hatte ihm der Richter bedeutet, dass es sich "schlimmer anhöre, als es in Wahrheit sei".

Das Gericht war dem psychiatrischen Gutachter gefolgt, den drogenabhängigen Mann während der Haft für zwei Jahre in eine geschlossene Anstalt zur Therapie zu schicken. Rechtskraft vorausgesetzt, muss er für zweieinhalb Jahre in Haft, dann kann er die Therapie beginnen. Verläuft sie bei guter Führung erfolgreich, hat er die Chance, dass die Reststrafe von dann noch viereinhalb Jahren zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem werden neun Monate Untersuchungshaft angerechnet. Er hätte dann gerade einmal ein Jahr und neun Monate im Regelvollzug zu verbringen, rechnete der Richter ihm vor, ein "Schnäppchen".

Sowohl der Staatsanwalt in seinem Plädoyer als auch der Richter in der Urteilsbegründung attestierten dem Angeklagten ein hohes Maß an krimineller Energie. Stets sei er das Risiko eingegangen, auf die Hausbewohner zu treffen. Mehrere Opfer seien immer noch traumatisiert, einer habe sich mit einem Baseballschläger bewaffnet ("Pfefferspray wäre besser und vor allem sicherer", so der Richter), ein weiterer habe jetzt einen Hund. Auch kein Allheilmittel, denn die Täter waren so leise gewesen, dass in einem Fall selbst der Hund weitergeschlafen hat. Zweimal sei es aber schiefgegangen, was schließlich zur Festnahme geführt habe. Für den Richter gehört schon einiges dazu, vor dem Raubzug noch die Schlafzimmertür zu schließen. In einem Fall seien die Täter gestört worden, hätten die Tat aber etwas später dann aber doch durchgeführt, "abgebrüht!".

Verteidiger unzufrieden

Der Verteidiger indes befand den Strafantrag der Staatsanwaltschaft als "völlig überzogen". Entlastendes für seinen Mandanten sei nicht oder unzureichend gewürdigt worden, etwa seine Entschuldigung, seine Drogensucht, die eingeschränkte Schuldfähigkeit, das "chaotische Vorgehen" und auch der Umstand, dass er wegen einer schweren Augenerkrankung wohl nur eine geringe Lebenserwartung habe.

Das könnte Sie auch interessieren:

Messerangriff in Tankstelle - Grund ist Streit um Temperatur eines Getränkes

Zu einem Messerangriff kommt es in einer Tankstelle in Oberhöchstadt. Der Grund ist ein Streits um die Temperatur eines Erfrischungsgetränkes.

von Alexander Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare