Auf vielen Baustellen - hier die auf dem ehemaligen Dupont-Gelände in Ober-Eschbach - wird derzeit kräftig gewerkelt. Aber schon jetzt leiden viele Bauherren und Handwerker unter Lieferengpässen und Kostensteigerungen bei den Baumaterialien.
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Auf vielen Baustellen - hier die auf dem ehemaligen Dupont-Gelände in Ober-Eschbach - wird derzeit kräftig gewerkelt. Aber schon jetzt leiden viele Bauherren und Handwerker unter Lieferengpässen und Kostensteigerungen bei den Baumaterialien.

Enorme Preisschwankungen

Hochtaunus: Baubranche in der Klemme

  • vonMatthias Pieren
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Das Handwerk kämpft mit explodierenden Preisen und dem Mangel an Material. Firmen im Taunus berichten von massiven Lieferengpässen - nicht nur beim Holz.

Hochtaunus -Als "Vabanquespiel" bezeichnet Maurermeister Karl-Heinrich Hofmann aus Kronberg die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage in der Baubranche im Rhein-Main-Gebiet. Ob die Kalkulation der abgegebenen Angebote bei Auftragserteilung durch die Kunden wirtschaftlich noch tragfähig ist, sei völlig unklar. Als geschäftsführender Mitgesellschafter der Gebrüder Hofmann Hoch-, Tief- und Stahlbetonbau GmbH muss auch er sein Unternehmen - mit 50 eigenen Mitarbeitern das größte Bauunternehmen im Hochtaunuskreis - durch die Untiefen manövrieren, die derzeit vom Weltmarkt der Baustoffbranche ausgehen.

"In dieser massiven Art habe ich derartige Preisschwankungen noch nie erlebt", sagt der Maurer-, Beton- und Stahlbetonmeister, der mit seinem Cousin Hans-Jörg Hofmann das 1962 gegründete Unternehmen in zweiter Generation führt. "Der Preis für das in unserer Branche als Bauholz genutzte Fichtenholz hat sich in den vergangenen beiden Monaten verdoppelt. Der Preis für Dämmstoffe hat sich mehr als verdoppelt."

Gewaltig unter Druck

Auf Kunststoff- und Kanalrohre müssen Bauunternehmen nach einer Neubestellung mittlerweile mehrere Wochen warten. Beim Baustahl gibt es Lieferengpässe. Für hochwertigeres Bauholz, das bei abschließenden Dachgeschossen im Hausbau verwendet wird, müssen Zimmerleute aktuell den dreifachen Preis berappen. Die Folge sieht man auch im Hochtaunuskreis: In Neubaugebieten, aber auch auf Baustellen der Innenstädte müssen immer wieder Arbeiten eingestellt werden, weil benötigte Baustoffe nicht verfügbar sind.

"Die alleinige Verantwortung für den Baufortschritt liegt aber beim ausführenden Bauunternehmen oder den Handwerksbetrieben", erklärt Hofmann die Situation, mit der aktuell die Unternehmen der Baubranche konfrontiert sind. "Es gibt Kunden, die zeigen Verständnis für unsere Schwierigkeiten. Andere Bauherren machen uns das Leben zur Hölle und fordern eine Entschädigung für den Verzug ein."

Nach Hofmanns Angaben sind aktuell 15 Bauunternehmen im Hochtaunuskreis aktiv, von denen aber nur noch drei Baufirmen mit eigenen Mitarbeitern tätig sind. "Die meisten beauftragen ihrerseits Subunternehmen oder sie arbeiten selbst für Generalunternehmen, die von den Bauherren beauftragt wurden", so der Kronberger.

Doch egal, in welcher Form die Neubauten hochgezogen werden - alle Unternehmen der Baubranche stehen derzeit enorm unter Druck, um die Aufträge zeitgerecht auch zu den in den Angeboten genannten Konditionen umzusetzen. Von dem Baustoff-Mangel sind Malermeister genauso betroffen wie Verputzer, Metall-verarbeitende Unternehmen oder Dachdecker.

Firmen drohen Vertragsstrafen

"Durch die massiven Lieferschwierigkeiten bei den Baustoffen ist die Situation von Bau- und Handwerksunternehmen verschiedener Baugewerke fast noch dramatischer als durch die massiv gestiegenen Preise", sagt Tobias Henrich, Obermeister der Baugewerks-Innung der Kreishandwerkerschaft im Main- und Hochtaunuskreis. "Ist das benötigte Material bei öffentlichen Aufträgen nicht verfügbar, drohen Vertragsstrafen."

Die Produktion von Stahl und Grundstoffen der Bauchemie habe sich auf China konzentriert", teilt Henrich mit. "Durch den Bauboom in China werden Baustoffe zuerst im dortigen Heimatmarkt ausgeliefert. Die Herstellung von Vorprodukten hat Deutschland aus der Hand gegeben. Das rächt sich nun", kritisiert Henrich.

Nach Angaben des Geschäftsführers der Kreishandwerkerschaft, Peter Sachs, ist die wirtschaftliche Lage vor allem bei den Dachdeckern und Zimmerleuten angespannt, weil die Holzpreise explodieren. "Abhängig vom Einschnitt, der Größe und der Holzqualität liegt die Preissteigerung zwischen 30 und 300 Prozent", teilt dazu der Obermeister der Dachdeckerinnung im Hochtaunuskreis, Manfred Feger, mit. Mit hoher Sicherheit seien derzeit viele Betriebe seiner Innung von den Auswirkungen betroffen und müssten mit Kurzarbeit oder Verschiebung von Aufträgen reagieren. "Das führt wiederum zu wirtschaftlichen Einbußen", so Feger.

Bei Lieferzeiten von derzeit bis zu fünf Monaten für Holz und bis zwölf Wochen für Dämmstoffe und Bitumenbahnen "stellt die gesamte Situation eine extreme Herausforderung dar ". von matthias pieren

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