So nah sieht der Mensch nur Wölfe, die in Tierparks leben. Der Nabu geht davon aus, dass es vereinzelte dauerhafte Wolfsgebiete auch in Hessen geben könnte, worauf wiederholte Sichtungen hinweisen.
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So nah sieht der Mensch nur Wölfe, die in Tierparks leben. Der Nabu geht davon aus, dass es vereinzelte dauerhafte Wolfsgebiete auch in Hessen geben könnte, worauf wiederholte Sichtungen hinweisen.

Hochtaunus

Bisher ist der Wolf nur auf Durchreise

Usinger Jäger und ein Schäfer sind dafür, dass der Wolf zum Abschuss freigegeben wird - Försterin und NABU sind dagegen, sie sagen: „Wo der Wolf jagt, wächst der Wald.“

Hochtaunus -Nach Angabe des Landesverbandes für Schafzucht- und -haltung Hessen gibt es Hinweise dafür, dass eine in Nordhessen sesshafte Wölfin für mehr als 20 Risse von Nutztieren in diesem Jahr verantwortlich ist. Ende Januar war in Frankfurt ein Wolf von einem Auto überfahren worden. Mitte März war in Wiesbaden ein weiblicher Wolf tot gefunden worden. Und wie sieht es mit der Rückkehr des Wolfes im Hochtaunuskreis aus?

Bereits 2017 hat Maibachs Revierförsterin Birgit Wetzel einen durchziehenden Wolf im Bereich des Winterstein gesichtet. Sie meint aber: „Durch die vielen Straßen hat der Wolf hier keine guten Chancen sesshaft zu werden.“

Vogelsberg und Werra-Meißner-Kreis sind „Wolf-Hot-Spot“

Dr. Nikolaus Bretschneider-Herrmann Leiter des Amtes für den ländlichen Raum sieht einen größeren Aufmacher zum Themenkomplex „Wolf im Hochtaunus“ momentan nicht. „Ganz Hessen ist offiziell ,Wolfserwartungsland‘, dann also auch der Hochtaunuskreis“, sagt er. Zu den Fakten verweist er auf die offiziellen Seiten des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Demnach sind die derzeitigen „hot spots“ der Vogelsberg und der Kreis Werra-Meißner.

Wölfe sind laut des Hessischen Landesamts vor 20 Jahren bereits nach Deutschland zurückgekehrt, auch in Hessen gibt es jetzt wieder zwei Territorien.

In die östlichen Bundesländer wie Sachsen oder Brandenburg sind Wölfe Anfang der 2000er Jahre zuerst wieder nach Deutschland eingewandert. Im Monitoring-Jahr 2018/2019 wurden in Deutschland insgesamt 144 Wolfsterritorien bestätigt.

Die meisten Wölfe leben weiterhin in Ostdeutschland (49 bestätigte Rudel/Paare in Brandenburg und 27 in Sachsen) aber auch in Niedersachsen wurden 30 Territorien gezählt.

31 Nachweise von Wölfen in diesem Jahr

Abwandernde Jungwölfe auf der Suche nach einem eigenen Lebensraum könnten jederzeit überall die Landschaft in Deutschland queren. So streiften im vergangenen Jahr mindestens acht unterschiedliche, genetisch registrierte Wanderwölfe durch Hessen, von denen nachweislich seit Juli 2019 eine Wölfin bei Ulrichstein im Vogelsberg und eine Wölfin in der Umgebung des „Stölzinger Gebirges“ resident geworden sind. Allein 2020 wurden dem HLNUG bisher 31 Wolfsnachweise gemeldet.

In großer Sorge, dass der Wolf sich auch in unserer Region ausbreitet und vielleicht sesshaft wird, sind die Weidetierhalter, die im Februar in Wiesbaden protestiert haben. „Der von den Naturschutzverbänden empfohlene Einsatz von mehr Herdenschutzhunden und höhere und stärkere Zäune ist selbst mit dem von 30 auf 40 Euro erhöhten Zuschuss pro Hektar Weideland nicht wirtschaftlich umzusetzen“, sagt ein Schafzüchter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Der Wolf überwinde auch ordnungsgemäße Zäune. Deshalb ist die Bejagung des Wolfes für ihn unabdingbar.

Auch Klaus Pöhlmann, Vorsitzender der Jägervereinigung Usingen, hatte im Rahmen des Neujahrsempfangs, die Forderung untermauert den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen. Wolfmanagement und Monitoring um festzustellen, wo sich tatsächlich Wölfe aufhalten, reichten nicht mehr aus.

Der Wolf ist eine Geschützte Tierart

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sieht hingegen den Wolf als die Gesundheitspolizei in der hiesigen Tierwelt an. Als europaweit streng geschützte Tierart jage er vornehmlich kranke und schwache Tiere. Die von Jägern manchmal befürchtete Bestandsgefährdung von Reh, Rot- und Schwarzwild werde somit nicht eintreten.

Auch der Wald profitiere von der Rückkehr des Wolfes und der damit verbundenen Regelung des Wildbestands, denn der Wildverbiss werde reduziert. Die Revierförsterin Wetzel zitiert dazu ein russisches Sprichwort, in dem es heißt: „Wo der Wolf jagt, wächst der Wald“

Sichtungen von Wölfen können gemeldet werden

Wenn auch nur als Durchreisende, könnten künftig Wölfe wieder durch Hessen streifen. Das Hessische Wolfsmanagement geht aber davon aus, dass die Chance, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, eher gering ist.

Wer einem wolfsähnlichen Tier begegnet, sollte in diesem Fall zunächst die Polizei anrufen. Sichtungen oder Hinweise sollte man immer melden, per Mail, wenn vorhanden mit einem Foto, an wolf@umwelt.hessen.de oder per Telefon an die Wolfshotline (06 11) 8 15 39 99.

Reine Sichtbeobachtungen sind kein sicherer Nachweis für „Wolfsanwesenheit“, können aber erste Hinweise sein. Wie erkennt man einen Wolf? In der Statur sind Wölfe hochbeiniger als gleichgroße Hunde, haben eine eher quadratische Körperform und fast waagerechte Rückenlinie, nicht abfallend wie häufig beim Deutschen Schäferhund.

Die Wangenpartie des Wolfes ist hell gefärbt, die Umgebung des Mauls fast weiß, der Hals hat seitlich oft einen helleren Kragen, typisch ist der farblich abgesetzte Sattelfleck auf der Schulter. Das Fell variiert von grau mit bräunlich-ockerfarbenen bis zu rötlichen Einschlägen. Die Ohren sind vergleichsweise klein. Der Schwanz ist gerade, meist mit dunkler Spitze, hängend und kürzer als beim Schäferhund. Die Schnauze ist relativ lang.

Laut Wolfsmanagement sind Wölfe grundsätzlich scheu und ziehen sich eilig zurück, wenn sie Witterung von Menschen wahrnehmen. „Sollte es doch zu einer zufälligen Begegnung mit einem Wolf kommen, verhalten Sie sich bitte ruhig und leinen Sie ihren Hund an“, so die Empfehlung. Von Evelyn Kreutz

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