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Hochtaunus: Die spinnen doch nicht, die Römer!

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Von: Alexander Schneider

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Kämpfer im Kettenhemd: In authentischen Kostümen führen die Darsteller auf der Saalburg Waffen und Kampftechniken aus der Römerzeit vor.
Kämpfer im Kettenhemd: In authentischen Kostümen führen die Darsteller auf der Saalburg Waffen und Kampftechniken aus der Römerzeit vor. © Priedemuth

Das Soldatenlager der "Vierten Vendeliker-Kohorte"demonstriert auf der Saalburg, wie der Alltag und Waffentechniken in der Antike wirklich waren.

Hochtaunus - Treue Leser der "Micky Maus" kennen Entenhausen wie ihre Westentasche, und auch die Fans von Asterix und Obelix wissen genau, wie es war, als die beiden Helden das kleine gallische Dorf verließen und auszogen, die Römer zu verhauen. Glauben sie jedenfalls. So ganz stimmt das natürlich nicht. So wird zum Beispiel Cäsars Bauch in den Comics von einem Rüstungsgürtel geschützt, den es damals noch gar nicht gab. Manch anderes Detail ist auch nicht ganz historisch akkurat.

Die "Vierte Vendeliker-Kohorte" hat am Sonntag auf der Saalburg ihr von Hunderten Gästen besuchtes Soldatenlager aufgebaut. Die Macher boten tiefe Einblicke in das Leben der Militärs in jener claudischen Zeit, als das Kastell von Großkrotzenburg noch Truppenstützpunkt zur Verteidigung des römischen Reichs gegen die germanischen Barbaren auf der anderen Seite des Limes war. Dabei kam es den 14 sehr authentisch gewandeten und waffentechnisch ausgerüsteten Soldaten weniger darauf an, Asterix und Obelix Lügen zu strafen, sondern allein darauf, zu zeigen, wie toll es die Römer damals trieben, das Ganze in eine sehr lebhafte Geschichtsstunde verpackt, alles auf Deutsch, so dass auch im Lateinischen weniger bewanderte Saalburg-Gäste daraus Wissen schöpfen konnten, obwohl die Herren im Kettenhemd unter sich wohl Latein sprachen, etwa beim Exerzieren. Da kehrte an der einen oder anderen Stelle doch ein Funken Erinnerung an die letzte Lateinstunde zurück.

Interessant: Die Vierte Vendeliker-Kohorte war Teil einer Auxiliareinheit des römischen Heeres. Ihre Aufgabe war es, als Hilfstruppe den Feind an der Grenze so lange aufzuhalten, bis richtiges Militär zur Stelle war. Die Vendeliker rekrutierten sich aus Unterworfenen, Freiwilligen und Abenteurern, die zunächst auch keine Römer waren. Das römische Bürgerrecht bekamen sie erst, wenn sie es 25 Jahre lang bei der Truppe ausgehalten hatten.

Kaum vorstellbar auch, dass es damals Couturiers gab, die nichts anderes machten, als Kettenhemden aus bis zu 10000 kleinen Ringen aus gezogenem Draht - das gab es damals schon - je nach Konfektionsgröße herzustellen. Fabricius, der im bürgerlichen Leben Nicolas heißt, stellte die Ringe mit einer simplen Holzspindel selbst her, knipste sie mit einer Beißzange - alles originalgetreu nachgebaut - auseinander, um sie dann zu verflechten.

Vom genialen Torsionsgeschütz bis zum brüllenden Centurio

Verblüffend für viele Besucher, dass die Zelte von damals denen von heute gar nicht so unähnlich sind und innen ein sehr einfaches Gestänge hatten, was sie wiederum von heutigen Modellen unterscheidet. Corvus, sonst heißt er Bertram, erläuterte die Mühe, die mit dem militärischen Campen verbunden war. Die aus Leder gefertigten Zelte für acht Personen waren vor allem bei Regen "sauschwer", wie man heutzutage sagen würde. Mit dem Schleppen und Aufbau allein war es aber nicht getan, die Herren mussten jeden Abend einen 1,5-Meter tiefen Graben um das Lager herumbuddeln, tief genug, damit Feinde im Dunkeln sich beim Hineinfallen günstigstenfalls die Knochen, besser das Genick brachen.

Auch waffentechnisch gab es viel zu schauen. So wurde ein originalgetreu nachgebautes, funktionstüchtiges Torsionsgeschütz, eine für damalige Verhältnisse genial konstruierte, entsprechend teure Artillerie-Waffe, vorgeführt: Sie erinnert an eine Armbrust, ist aber eine griechische Erfindung. Die für den Abschuss eines Pfeils nötige Energie kommt aus der beim Spannen auftretenden Verdrehung von Seilbündeln und der daraus resultierenden elastischen Verformung des Rahmens.

Spannend war auch die Exerzierübung, bei der zehn Krieger, kommandiert vom Centurio, in eindeutiger Absicht und bei schrecklichem Gebrüll mit der Lanze im Anschlag auf das Publikum zustürmten, aber rechtzeitig anhielten. Ein Hingucker auch die "Schildkröte", eine militärisch-taktische Formation des römischen Heeres, die zurzeit Caesars entwickelt wurde, bei der sich die Krieger eng zusammenkuschelten und ihre Schilde feindliche Geschosse abwehrend über sich hielten. Die Schildkröte diente dem Schutz vor starkem Beschuss und zum geschützten Vorrücken auf befestigte Stellungen.

Ein bisschen römische Lebensart: Ulrike Oster mit Sohn Leonidas.
Ein bisschen römische Lebensart: Ulrike Oster mit Sohn Leonidas. © Priedemuth
Fehlt nur noch Obelix: Legionäre der Hilfstruppen auf der Saalburg.
Fehlt nur noch Obelix: Legionäre der Hilfstruppen auf der Saalburg. © Priedemuth

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