Wie auf den Feldern oberhalb von Grävenwiesbach läuft derzeit überall im Hochtaunuskreis die Getreide-Ernte auf vollen Touren.
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Wie auf den Feldern oberhalb von Grävenwiesbach läuft derzeit überall im Hochtaunuskreis die Getreide-Ernte auf vollen Touren.

Landwirte in Sorge

Hochtaunus: Einbußen bei der Getreideernte

  • vonMatthias Pieren
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Auf den Feldern im Taunus sind die Mähdrescher unterwegs. In diesem Jahr gibt es weniger Korn wegen der Spätfröste im Frühjahr.

Mähdrescher verrichten nicht nur auf den weiten Getreidefeldern zwischen Bad Homburg, Oberursel und der Autobahn ihr Tagwerk. Die auf den Stoppelfeldern verbleibenden Rundballen zeugen davon, dass die Getreideernte in vollem Gange ist.

Spreu und Weizen sind nun voneinander getrennt. Die Körner landen nach dem Drusch - so nennen die Bauern den Ertrag des Dreschens - im Bauch der Mähdrescher. Halm, Spelze und Spreu werden anschließend mit einem Gebläse hinter den großen Maschinen wieder aufs Land gepustet.

Weithin sind die dabei erzeugten Staubwolken sichtbar und stehen hoch über den Feldern des Hochtaunuskreises. Die heimischen Landwirte sind in diesen sonnigen Sommerwochen mit ihren Mähdreschern bis spätabends bei der Getreideernte auf ihre Felder gezogen. Doch nach der allabendlichen Rückkehr nach getaner Arbeit sind sie keinesfalls glücklich. Vielmehr bangen sie um die Früchte ihrer Arbeit.

"Die Befürchtungen der Landwirte im Hochtaunuskreis nach der langanhaltenden Trockenheit im Frühjahr haben sich nun leider bewahrheitet", zieht Bernd Weber als Pressesprecher des Hessischen Bauernverbandes mit Sitz in Friedrichsdorf eine ernüchternde Zwischenbilanz für den Hochtaunuskreis.

Für die Bilanz hatte er nach Anfrage der Taunus Zeitung zuvor mit den beiden Landwirten Stefan Wagner vom Kronenhof in Bad Homburg sowie mit Kai Launhardt vom Sonnenhof in Grävenwiesbach gesprochen. Und was die beiden Landwirte, die in den zurückliegenden Jahren den Hof von ihren Vätern übernommen hatten, zu berichten hatten, stimmt wirklich nachdenklich.

"Nach der Ernte der Wintergerste haben sich extreme Schäden abgezeichnet", sagt Weber. "Als diese im Frühjahr in der Blüte stand, gab es strenge Nachtfröste mit fatalen Folgen: Viele Ähren sind völlig taub und tragen kein einziges Korn." Das hätten die Landwirte in dieser Form noch nicht erlebt, so der Sprecher. "In diesem Jahr gibt es wohl massive Ertragseinbußen."

Auch wenn die Erntemengen von Standort zu Standort verschieden sind und die Ernte im Vordertaunus wegen der guten Lößböden meist ertragreicher sind als im Usinger Land, so erwarten dennoch beide Landwirte unterdurchschnittliche Ergebnisse.

"Üblich sind für gewöhnlich Erträge von sechs bis sieben Tonnen je Hektar Land", erklärt Weber. "In diesem Jahr liegt die Ertragsmenge wohl durchschnittlich unter fünf Tonnen."

Die Spätfröste haben demnach die Blütenanlage massiv geschädigt, so dass sich keine Körner entwickeln konnten. Eine positive Überraschung gibt es hingegen bei der Raps-Ernte zu vermelden, der mit vier Tonnen je Hektar deutlich über der Ertragsmenge der beiden vergangenen Jahre lag.

Rüben und Kartoffeln brauchen jetzt Wasser

Milchbauern wie Kai Launhardt haben zudem eine schlechte Heuernte zu verschmerzen. "Der Ertrag beim ersten Schnitt lag 30 Prozent unter der sonst üblichen Menge. Beim zweiten Schnitt haben die Landwirte sogar nur die Hälfte der sonst üblichen Menge eingeholt."

Da die Niederschläge in diesem Jahr nur punktuell gefallen waren und von Gemarkung zu Gemarkung unterschiedlich ausfielen, sei das Ergebnis beim Grünland unbefriedigend. "Die Trockenheit Mitte März bis Ende April war auch hier ausschlaggebend", berichtet Weber.

Nachdem es im Mai und Juni immer wieder geregnet habe, hatte sich der Silomais "berappelt". Doch nach der dann erneut einsetzenden Trockenheit rollt der Mais derzeit massiv die Blätter ein. "Auch Rüben und Kartoffeln benötigen nun ganz dringend Wasser - das fehlt aber. Beim Weizen, der noch auf den Feldern steht, wird das Ergebnis besser aussehen als bei der Wintergerste", sagt Weber. "Das Ernte-Ergebnis im Hochtaunuskreis ist in diesem Jahr schlechter als der hessische Durchschnitt."

VON matthias pieren

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