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Das Hotel Weilquelle musste bereits die Segel streichen. Aktuell weiß der Dehoga-Chef Thomas Studanski von keinen weiteren Schließungsabsichten.

Auf Sicht fahren

Hochtaunus: Gastro-Branche unter Druck

  • vonAlexander Schneider
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Die Hoteliers und Gastronomen im Taunus gehen mit Sorge in die kalte Jahreszeit. Vorübergehend schließen, um zu renovieren, kann sich nicht jeder leisten.

Hochtaunus – Die Gastronomie und Hotellerie im Hochtaunuskreis "fährt auf Sicht" durch die Corona-Pandemie. Die Situation sei vor allem für kleine und mittlere Betriebe anstrengend und problematisch, sagte Thomas Studanski, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Hochtaunus auf Nachfrage dieser Zeitung. Die Branche hoffe inständig darauf, dass es bald einen Impfstoff gibt. Man freue sich auf den nächsten Sommer, vor Ende 2021 rechne aber niemand mit einer wirklich nachhaltigen Rückkehr in die Normalität.

Dann fänden vielleicht auch wieder Publikumsmessen statt, die traditionell einen sehr hohen Kostendeckungsbeitrag für die Betriebe lieferten, neben dem Weihnachtsgeschäft.

Studanski sagte, er sei permanent im Austausch mit seinen Kollegen. In den Gesprächen werde zwar deutlich, wie groß die Sorge ist, konkrete Schließungsabsichten einzelner Gastronomen und Hoteliers gebe es nach seiner Wahrnehmung aber nicht. Schwierig sei es nach wie vor, Menschen dazu zu bewegen, in die Gasthäuser zu gehen. Die Angst, sich anzustecken sei trotz aller Hygienekonzepte immer noch groß. Viele Kollegen, die die Möglichkeit dazu haben, versuchten, mit Heizpilzen und Zelten die Zeit der Freiluftgastronomie zu verlängern. Dass die Schließung größerer Hotels wie dem Hessischen Hof in Frankfurt Auswirkungen auf die Häuser am Rande des Ballungsraums haben könnte, glaubt Studanski nicht: "Es gibt keinen Markt, der verteilt werden könnte, nicht mal in Frankfurt."

"So gut wie keine Buchungen für 2021"

Wer seinen Betrieb in eigener Immobilie führe, habe vielleicht noch einen längeren Atem als Gastronomen und Hoteliers in gepachteten Gebäuden. Wem da keine, wenn auch nur teilweise Miet-Aussetzung gewährt werde, sei deutlich schlimmer dran, so Studanski, dem sein angeborener Optimismus in diesen Tagen und Wochen abhanden zu kommen scheint.

Die Vorausschau auf das 1. Quartal 2021 sei auch nicht gerade erbaulich: "Es gibt so gut wie keine Buchungen." Die Betriebe müssten nach dem "Prinzip Hoffnung" arbeiten und sich auf kurzfristige Marktbelebung einstellen, je nach dem wie sich die Lage entwickele. In vielen Betrieben stelle man sich die Frage, ob es nicht besser sei, den Winter über ganz zuzusperren und Renovierungsarbeiten durchzuführen. Zumal die Infektionszahlen derzeit wieder steigen und Beherbergungsverbote für Gäste aus Risikogebieten im Raum stehen.

Studanski, der mit dem "Alt-Oberurseler Brauhaus" und dem "Waldtraut" an der Hohemark zwei Restaurants betreibt, sagt, er fahre "zweigleisig". Bis Weihnachten laufe es unter Einhaltung des Hygienekonzepts nach seiner Erwartung noch einigermaßen gut.

Aber auch er denkt für die ersten Monate des neuen Jahres durchaus über vorgezogene Betriebsferien nach. Es komme jetzt darauf an, wie sich die Pandemie weiter entwickelt und auch darauf, wie vernünftig die Gäste sind.

Nicht nur die kleineren Beherbergungsbetriebe im Hochtaunus sehen sich vor einer ungewissen Zukunft, die Krise macht auch vor den größeren Häusern nicht Halt. Frank Metlicar, General Manager im Oberurseler Rilano-Hotel, sagte auf Nachfrage: "Wir liegen bei der Hotelbelegung etwa 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau und in der Gastronomie bei 50 Prozent." Der Tagungsbereich laufe relativ gut, da liege man nur 30 Prozent hinten den Zahlen von 2019, "das liegt eigentlich nur an den Regeln, dass wir nicht mehr Gäste in die Räume lassen dürfen. Tagungen finden allerdings jeden Tag statt, sogar sonntags, jedoch alles immer etwas kleiner", so Metlicar. Das Restaurant im Rilano ist derzeit nur für Gruppen geöffnet. Viele Rilano-Mitarbeiter befinden sich aufgrund der niedrigeren Auslastung noch immer in Kurzarbeit. Besonders optimistisch ist Frank Metlicar angesichts der unübersichtlichen und nicht abschätzbaren Pandemie-Lage nicht: "Ich denke, dass die Zahlen der nächsten Monate nicht wirklich besser werden. Keiner weiß, wie sich das Virus im Winter verhält." (Von Alexander Schneider)

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