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Die erhabene Bad Homburger Erlöserkirche war in den vergangenen Wochen nur zur inneren Einkehr geöffnet,

Kirchen bereiten Lockerungen vor

Hochtaunus: Gottesdienste, wie sie niemand kennt

Die Kirchen im Taunus öffnen wieder. Allerdings sind die strengen Auflagen eine große Herausforderung für die Gemeinden.

Hochtaunus - So richtig freuen kann sich Werner Meuer über die Nachricht aus Wiesbaden nicht. Nachdem es für Einzelhandel und Schulen in Hessen bereits Lockdown-Lockerungen gegeben hatte, hat das Land auch Gottesdienste von Freitag an unter strengen Auflagen gestattet. Kein Grund zur Erleichterung für den Homburger Pfarrer aus St.Marien? "Doch, natürlich, aber ich bin hin- und hergerissen. Ich bin mir nicht sicher, ob ein würdiger katholischer Gottesdienst, der auf Begegnung ausgerichtet ist, so überhaupt gefeiert werden kann", sagt Meuer. Denn ein Wermutstropfen bleibt: Wegen der zahlreichen Auflagen ist an gewöhnlichen Gottesdienst noch längst nicht zu denken.

Jetzt gilt es, diese Vorgaben in jeder Pfarrei konkret umzusetzen. Eine Mammut-Aufgabe. In den großen Kirchen St. Marien und St. Johannes in Bad Homburg etwa bedeuten diese Auflagen große Einschränkungen. Normalerweise nehmen an den beiden Sonntagsgottesdiensten rund 400 Leute teil. Will die Pfarrei den Sicherheitsabstand von 1,5 Meter einhalten, dürften maximal 50 Besucher pro Gottesdienst in der Kirche sein. "Die Heilige Kommunion auf 1,5 Meter Distanz - wie soll das gehen?", fragt sich Meuer. An vieles muss gedacht werden. Der Krisenstab der Pfarrei St. Marien berät nun, wie ein würdiger Gottesdienst mit den Vorgaben in Einklang gebracht werden kann. Desinfektionsmittel muss in Spendern bereitgestellt und Ehrenamtliche müssen gefunden werden, die über die Einhaltung der Regeln wachen. Das brauche eine gewisse Vorlaufzeit, so Meuer. Deswegen werde der erste Gottesdienst in St. Marien erst am 10.Mai stattfinden.

Klärungsbedarf gibt es auch noch in St.Ursula in Oberursel. Für die katholische Liebfrauenkirche bedeutet die Abstandsvorgabe, dass von den rund 800 Plätzen vorerst nur etwa 90 besetzt sein dürfen. "Wir müssen Vorgaben umsetzen, die sich über drei DIN-A4-Seiten erstrecken", berichtet Pfarrer Andreas Unfried. Wie der Gottesdienst in Oberursel und Steinbach künftig ablaufen wird, will Unfried mit den übrigen Verantwortlichen in den kommenden Tagen beraten. Er ist zuversichtlich, dass gute Lösungen gefunden werden können. "Wir haben doch schon über Ostern bewiesen, dass wir kreativ und flexibel sind." In der Sitzung soll auch geklärt werden, wann der erste Gottesdienst unter Auflagen stattfinden wird. In der Pfarrei St. Franziskus und Klara im Usinger Land steht der Termin schon fest: Drei Messen sollen am 10. und 17. Mai gefeiert werden - vorausgesetzt, dass Desinfektionsmittel aufgetrieben werden kann, verlautet es aus dem Pfarrbüro. Dort muss sich jeder Gottesdienst-Besucher zukünftig vorher persönlich telefonisch anmelden und Name sowie Anschrift angeben, um mögliche Infektionsketten später ermitteln zu können.

"Sorgfalt vor Schnelligkeit" ist auch die Maxime in der Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus. "Wir tragen schließlich Verantwortung für unsere Gläubigen und müssen das Infektionsrisiko, so gut es geht, minimieren", sagt der Königsteiner Pfarrer Stefan Peter. Wann der erste Gottesdienst wieder stattfinden wird, ist deshalb noch unklar. Frühestens am 10.Mai. Sicher ist allerdings schon jetzt, dass dabei auf Gemeindegesang wegen der Gefahr einer Tröpfcheninfektion verzichtet werden muss. Um die Zahl der Teilnehmer zu begrenzen, überlegt das Pastoralteam zudem, ob eine Anmeldung zu den Gottesdiensten, wie in St.Franziskus und Klara, sinnvoll wäre. "Man könnte etwa Karten vergeben wie bei einem Konzert."

Erlöserkirche startet schon am Sonntag

Der evangelische Pfarrer Andreas Hannemann aus Bad Homburg ist schon einen Schritt weiter als die katholischen Kollegen und will die Erlöserkirche bereits an diesem Sonntag wieder öffnen. Er stellt aber klar: "Es geht uns nicht um ein Wettrennen, die Gesundheit steht an erster Stelle." In den vergangenen Tagen habe man ein umfangreiches Schutzkonzept erarbeitet - mit vielen Maßnahmen: Es werde Einlasskontrollen geben, so dass sich maximal 75 Personen in der Kirche aufhalten. Platzanweiser werden einige Sitzreihen absperren, damit sich die Besucher nicht zu dicht in einem Bereich drängen. Außerdem steht ein Spender mit Desinfektionsmittel bereit. Am Eingang werden Ehrenamtliche Masken ausgegeben. Um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können, werden alle Besucher gebeten, ihre Namen und Telefonnummern zu hinterlegen. Die Daten würden nach 21 Tagen vernichtet und nicht an Dritte weitergegeben, versichert Hannemann. Er sagt: "Wir tun das, was nötig und möglich ist - und machen das Beste aus der Situation."

Bei Pfarrer Meuer überwiegt am Ende des Gesprächs dann auch wieder der Optimismus. Wenn ein Gottesdienst nach strenger Liturgie derzeit nicht möglich sei, dann müsse man eben den Schwerpunkt verlagern, sagt er. "Der sozial-caritative Dienst, der Dienst am Anderen, rückt jetzt in den Vordergrund." Damit meint Meuer die Beratung für Menschen, die die Krise schwer getroffen hat, die überfordert sind und von existenziellen Sorgen geplagt werden. Solidarität und Nächstenliebe zu üben, einfach da zu sein für Menschen in Not, - dafür gelten keine Auflagen. VON Julian Dorn

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