Strahlende Gesichter: Landrat Ulrich Krebs, die Top-Azubis des Kreises Victoria Kougk (Köchin), Victor Schindler (Hotelfachmann) und Dao-März Nhung Thi Hong (Restaurantfachfrau) sowie Kreis-Dehoga-Vorsitzender Thomas Studanski (von links).
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Strahlende Gesichter: Landrat Ulrich Krebs, die Top-Azubis des Kreises Victoria Kougk (Köchin), Victor Schindler (Hotelfachmann) und Dao-März Nhung Thi Hong (Restaurantfachfrau) sowie Kreis-Dehoga-Vorsitzender Thomas Studanski (von links).

Freisprechung unter freiem Himmel

Hochtaunus: Gute Noten für Gastro-Nachwuchs

  • vonAlexander Schneider
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Abschluss der Hotel- und Restaurantfachkräfte und Köche im Taunus fand unter erschwerten Bedingungen statt. Zur Freisprechung gab es aufmunternde Wort an die jungen Leute. Sorgenfrei ist die Branche allerdings nicht.

Hochtaunus -Freisprechungsfeiern zählen seit Generationen zu den Highlights für junge Leute, Marksteine auf dem Weg in den Ernst des Lebens. Dabei mischen sich Erleichterung, Stolz und Hoffnung auf ein erfolgreiches Erwerbsleben. Hände werden geschüttelt, Schultern aufmunternd geklopft. Traditionell wird der Abschluss auch beim Gastronomienachwuchs gefeiert. 18 Hotel-, sieben Restaurantfachkräfte und 21 Köche waren es diesmal, und die Verantwortlichen vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) lobten die guten Prüfungsergebnisse. Alles in Butter? Alles, nur das nicht.

Es war anders, ganz anders, denn die Corona-Krise hat in diesem Jahr alles durcheinandergewirbelt: Es wurden keine Zeugnisse übergeben, sie kommen mit der Post. Es wurde nicht, wie sonst, in der Usinger Saalburgschule gefeiert, sondern erstmals unter freiem Himmel im Biergarten des von Dehoga-Chef Thomas Studanski betriebenen Freizeitrestaurants "Waldtraut" an der Hohemark - was allen Beteiligten Spaß gemacht und zu der Idee geführt hat, das künftig immer so zu machen. Gibt es sonst nach der Praxisprüfung in der Saalburgschule ein Prüfungsessen, bei dem der Berufsnachwuchs "glänzen" kann, so war auch das diesmal ganz anders.

Praxis in Betriebe verlagert

Jörg Dormagen, Küchenleiter der Berufsschule, sagte am Rande der Feier, seit Ausbruch der Pandemie habe es keinen fachpraktischen Unterricht gegeben. Die Praxis sei in Abstimmung mit den Lehrherren mehr in die Betriebe verlagert worden. Praktisch geprüft werden musste unter schwierigen Bedingungen in Vierergruppen aber trotzdem - nur gegessen wurde das Essen nicht wie üblich: "Gekocht werden musste für sechs Personen, zwei Portionen waren für die Prüfer, den Rest haben die Azubis für die Lieben daheim mitgenommen . . ." Was sicher keine Strafe war bei einer Vorspeise vom Wolfsbarsch, Kalbsfilet mit zweierlei Spargel und zum Dessert Zaubereien von der Aprikose.

Auch bei den Restaurant- und Hotelfachleuten war alles anders: Sie mussten wie immer Tische eindecken, Karten entwerfen und das Essen fachgerecht auftragen. Nur saß da niemand, der sich über den zuvorkommenden Service hätte freuen können.

Zwar gab es bei der Freisprechung wie immer Reden vom Dehoga-Chef, der IHK-Ausbildungsbeauftragten und vom Landrat. Doch auch die waren diesmal weit nachdenklicher als sonst. Trotz Corona hofft Thomas Studanski, dass die meisten Berufsanfänger wie er Gastronomie als den schönsten Beruf auf Erden ansehen werden und dabei bleiben. Er wünschte allen Freude am Gewerbe, das wie kaum ein anderes jeden Tag die Möglichkeit eröffne, das Beste zum Wohle des Gastes zu geben.

War Studanskis Ansprache noch eher in Dur gehalten, sprach IHK-Ausbildungschefin Brigitte Scheuerle eher in Moll. Die Feier sei ein absolutes, wenn auch sehr attraktives Novum. Neu, am liebsten hätte sie sich dabei selbst auf die Zunge gebissen, sei aber auch, dass sie bei einer Freisprechung Reklame für andere Berufe mache, was ihr in der Seele weh tue. Vor dem Hintergrund des gerade einbrechenden Arbeitsmarktes im Gastgewerbe wünschte sie allen Ex-Azubis Anstellungen und Durchhaltevermögen in ihrem gewählten Beruf, riet ihnen aber auch, sollten sie keine Stelle finden, sich andere Berufen anzusehen. Die Gastro-Ausbildung sei Service- und marketingorientiert, in Teilen aber auch kaufmännisch.

Krebs sieht langsame Besserung

Großes Verständnis für die auch im Taunus vorherrschenden Sorgen im Gastgewerbe zeigte auch Landrat Ulrich Krebs (CDU). Zwar gehe es in kleinen Schritten wieder aufwärts, vom Zustand des letzten Jahres sei man aber noch weit entfernt. Keiner wisse, wie es weitergehe, und er hoffe, "dass wir alle vernünftig und vorsichtig genug sind, eine zweite Welle zu verhindern". Mit Blick auf die Vorkommnisse vom Frankfurter Opernplatz könne man da nur den Atem anhalten. Ein erneuter Lockdown wäre eine Katastrophe - auch für die Gastronomie, die für die Feriendestination Taunus eine signifikante Bedeutung habe.

Die Ehrung der Besten durch Landrat Ulrich Krebs, Brigitte Scheuerle, Dehoga-Geschäftsführer Gerhard Wolff und Dehoga-Chef Thomas Studanski gab's dennoch: Bester Restaurantfachmann war mit 83 Punkten Viktor Schulz (Kempinski Falkenstein), bester Hotelfachmann wurde mit 84 Punkten Victor Schindler (Schloßhotel Kronberg). Der Sieg bei den Fachkräften im Gastgewerbe ging an Dao-März Nhung Thi Hong (Klinik Wingertsberg). Beste bei den Köchen wurde mit dem Traumergebnis von 92 Punkten Victoria Kougk (Maritim Hotel Bad Homburg).

VON alexander schneider

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