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Falschparker im Hochtaunuskreis

"Knöllchen-Horst"

Gehen im Taunus die Bürger auf Falschparker-Jagd?

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In Weilrod, Wehrheim und Grävenwiesbach im Taunus haben die Bürger das Recht selbst in die Hand genommen und schreiben Falschparker auf. Oder nicht? Wir haben nachgefragt.

Niemand muss sich vor der Justiz selbst belasten. Wir tun es hier ausnahmsweise aber doch einmal: Ja, der Kollege hat falsch geparkt. Auf einer Sperrfläche, „nur ein paar Minuten“. Klar, die 15 Euro werden bezahlt. Interessant daran: Zeuge der per Handyfoto belegten Untat ist niemand vom Ordnungsamt, nein, ein „freier Mitarbeiter“, noch dazu ein Ex-Bürgermeister, offenbar immer noch bemüht, die Finanzen seiner Kommune zu mehren. 

Man erinnert sich noch an „Knöllchen-Horst“ aus dem Harz? Tausende Falschparker hat er aufgeschrieben, sogar der Pilot eines Rettungsheli soll dabei gewesen sein, weil er auf dem Gehweg parkte.

Auferstehung des Knöllchen-Horst im Taunus? Noch nicht ganz

Keine Angst, „Knöllchen-Horst“ ist nicht in den Taunus gezogen. Unser Knöllchenschreiber heißt gar nicht Horst, sondern . . . – verraten wir nicht. Datenschutz! Das führte in der Redaktion aber zu der Idee, mal in den Amtsstuben anzufragen, wie viele ehrenamtliche Helfer dort tätig sind. Es antworteten Wehrheim, Weilrod und Grävenwiesbach postwendend, Schmittens Bürgermeister ist im Urlaub und Usingen verwies auf das gemeinsame Ordnungsamt in Neu-Anspach. Dort schweigt man aber. Fazit der Umfrage: Die Rathäuser brechen unter der Last extern eingereichter Strafmandate nicht zusammen. Es komme zwar vor, heißt es unisono, sei aber selten.

Wehrheim: "Kommt zwei bis vier Mal im Monat vor"

Wehrheims Bürgermeister Gregor Sommer (CDU): „Einzelfälle, zwei bis vier im Monat.“ Die Absender kennt Sommer nicht, es gebe über die „ehrenamtlichen Mitarbeiter“ keine Liste. Meist gehe es um Parkverstöße. Obwohl unverlangt eingesandt, würden die Anzeigen verfolgt und „im pflichtgemäßen Ermessen der Behörde überprüft“. Es werde niemand zum Anzeigen gedrängt, jedem stehe es aber frei, „Owis“ bei berechtigtem Interesse anzuzeigen, so Sommer. Es gebe da sowohl „Erst- als auch Wiederholungstäter“.

Ähnlich äußert sich auch Grävenwiesbachs Ordnungsamtsleiter Heiko Bullmann: Es komme „ganz selten“ vor, dass Bürger Bürger anzeigen, drei bis fünf Mal im Jahr. Weiter heißt es: „Da wir unsere Ordnungspolizistin im vergangenen Jahr an eine andere Kommune verloren haben, gibt es kaum Außendienst.“ Ab und zu jedoch werde anlassbezogen seitens des Ordnungsamtes, aber mit dem Ziel der Prävention kontrolliert. Leider gebe es auch nachbarschaftliche Streitigkeiten, die dann in Richtung der Behörde liefen, „diese Fälle werden abgegrenzt und beiden Seiten auch klar gemacht“. Man fordere Bürger nicht auf, andere anzuzeigen, „wir versuchen die Hardliner im Gespräch zu überzeugen, damit es zu keiner Ordnungswidrigkeit kommt, es sei denn, sie sind uneinsichtig und ändern ihr Verhalten nicht“, so Bullmann.

Ordnungsämter im Hochtaunuskreis schwach besetzt

„Herr Lehrer, im Keller brennt Licht, soll ich’s ausmachen?“ sei nicht die Philosophie der Gemeinde Weilrod, wenn es darum gehe, Autofahrern Benimm im Straßenverkehr beizubringen, sagt Bürgermeister Götz Esser (FWG).

Er wolle nicht ausschließen, dass es auch in Weilrod den einen oder anderen Bürger gebe, der Mitbürger beim Ordnungsamt anschwärze. Das seien aber absolute Einzelfälle: „Bei uns in Weilrod redet man noch miteinander.“ Schon gar nicht würden Bürger aufgerufen, nicht ohne Smartphone aus dem Haus zu gehen, damit sie Falschparker fotografieren. Denunzierung sei nicht der Ansatz der Gemeinde. Esser verwies darauf, dass selbst der neue Ortspolizeibeamte nicht den Auftrag habe, alles, was falsch parkt, gleich aufzuschreiben. Vielmehr soll er das Gespräch suchen und den Verkehrssündern erläutern, warum man nicht auf Sperrflächen oder entgegen der Fahrtrichtung parken darf.

Parken wird im Rhein-Main-Gebiet immer mehr zur Herausforderung. In Frankfurt hat der City-Parkplatz dicht gemacht. 

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