Der zweijährige Fritz will immer wieder bei seinem Papa Timo Emmerich bei der Feldarbeit dabei sein - auch jetzt bei der Getreideernte.
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Der zweijährige Fritz will immer wieder bei seinem Papa Timo Emmerich bei der Feldarbeit dabei sein - auch jetzt bei der Getreideernte.

Ernte

Hochtaunus: Heute wird das Brot von morgen geerntet

  • VonMatthias Pieren
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Die Mähdrescher können derzeit im Taunus voll durchstarten. Wir haben einen Landwirt bei der Ernte begleitet.

Hochtaunuskreis -Stoisch stampft der Claas Lexion 660 übers Getreidefeld. Der Blick von Landwirt Timo Emmerich wechselt permanent vom gleichmäßig rollierenden 7,50 Meter breiten Schneidwerk direkt unter seinem gläsernen Cockpit auf die sich vor seinem Mähdrescher erstreckende Wintergerste auf den Feldern in Wehrheim.

Während die Getreideernte im Usinger Land vergangene Woche begonnen hat, sind die Arbeiten der Landwirte im Vordertaunus bereits im vollen Gange. Fasziniert, aber auch erfüllt mit ein wenig Ehrfurcht blicken dabei Eltern mit ihren Kindern wie auch ältere Semester bei ihren Spaziergängen den Giganten der heimischen Landwirtschaft hinterher.

Unentwegt dreht sich die rote Welle und frisst sich Meter für Meter ins reife Getreide. Die in der Welle befestigten Haspeln kämmen dabei die Halme ins Schneidwerk, das aus entgegengesetzt rotierenden Messern besteht. "Die Zuführschnecke befördert das Getreide dabei automatisch in die Mitte der Messerbalken, wo das Schneidwerk die Halme abtrennt", erläutert der 33-Jährige die Abläufe.

Direkt danach fällt der Schnitt - also das Stroh, die Ähren samt den Körnern - auf den sogenannten Schrägförderer, welches das Dreschgut zur Dreschtrommel schräg hinter den Sitzen befördert. Hier werden die Körner aus den Ähren gerieben und fallen anschließend über eine Fallstufe auf den Vorbereitungsboden - alles passiert wohlgemerkt im Bauch des Mammuts der Landwirtschaft.

Hochtaunus: Das Cockpit ist gleichzeitig das Büro

Ein Gebläse pustet nun über das Gemenge und bläst die kleingehäckselte Spreu hinten aus dem Heck des Mähdreschers, während die Körner über Siebe nach Größe sortiert werden. Heute wird dabei also nicht die Spreu vom Weizen getrennt, sondern die Spreu von der Gerste.

In Emmerichs Rücken befindet sich ein Fenster, durch das zu beobachten ist, wie sich der sogenannte Bunker des rund 440 PS starken Kraftprotzes unaufhörlich mit Gerstenkörnern füllt. Nachdem das Erntegut das Fenster komplett bedeckt hat, ist auch der "Bauch des Mähdreschers" voll: Die Ernte von etwa einem halben Hektar Ackerfläche ist "geschluckt und muss verdaut" werden. Dafür steuert Emmerich immer wieder die Traktoren am Rande der weiten Felder an, bezieht direkt neben den Gespannen Position und bedient das Display auf dem Steuerboard. Ein Rohr schwenkt aus und wird über dem Anhänger in Stellung gebracht. Auf Knopfdruck bunkert Emmerich nun die zuvor aufgenommenen 10,5 Kubikmeter Korn, die etwa 7,5 Tonnen wiegen.

Wer jetzt meint, das Ganze sei ja eine monotone und stupide Arbeit, der irrt gewaltig. Heutzutage ist die vollklimatisierte Fahrerkabine des zehn Jahre alten Claas Lexion 660 bei der Ernte zugleich das Büro des Junglandwirts. Unentwegt klingelt das Handy von Timo Emmerich: Usingens Ortslandwirtin Miriam Preiß will abstimmen, wann sie das von ihr eingeholte Korn bei Emmerichs zum Einlagern abliefern kann.

Ernte im Hochtaunus: Auch das Korn von anderen einlagern

"Nachdem das Raiffeisen-Lager in Usingen dichtgemacht wurde, können andere Landwirte aus dem Usinger Land nur noch bei uns oder beim Landhandel Nickolai in Wernborn abliefern", erklärt Emmerich, der als landwirtschaftlicher Dienstleister nicht nur im Auftrag anderer Landwirte deren Getreide einholt, sondern auch lagern kann.

Wieder klingelt das Handy: Dieses Mal sind es seine Mitarbeiter, die mit dem anderen betriebseigenen Mähdrescher auf den Feldern um Merzhausen die Ernte einholen und wissen wollen, wann der Chef zur Verstärkung kommt. Das nächste Telefonat führt er mit seiner Frau Melanie, die daheim den Betrieb koordiniert und Büroarbeit macht. Landwirtsfamilie Emmerich ist ein eingespieltes Team - anders würde es nicht gehen.

Wie gut, dass auch der jetzt zweijährige Sohn Fritz bereits sein Herz für die Landwirtschaft entdeckt hat. "Unser Sohn genießt es, bei mir auf dem Traktor oder im Mähdrescher mitzufahren", sagt Timo Emmerich. "Meine Frau bringt ihn immer mal für eine Stunde zu mir aufs Feld. Dann hat sie etwas mehr Zeit und kann sich besser um unseren sechs Wochen alten Nachwuchs kümmern." Von Matthias Pieren

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