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Ben Osietzki liebt sein Quad, aber auch Monster-Trucks, verrät seine Mutter Katrin Osietzki. Die Familie lebt in Hausen. 

Hilfsbereitschaft

Ben (5) hat Leukämie – Seine Mutter erhält beispiellose Unterstützung

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Der vierjährige Ben Osietzki ist an einer schweren Form der Leukämie erkrankt. Für die Familie war diese Neuigkeit ein Schock. Mutter Katrin Osietzki hat es ihren Kollegen zu verdanken, dass sie sich momentan ganz um ihren Sohn kümmern kann. Denn sie haben ihr 60 Urlaubstage geschenkt.

Neu-Anspach – Ben düst mit seinem Kinder-Quad über den Split in der Einfahrt eines Hauses im Neu-Anspacher Stadtteil Hausen, fährt in rasanten Kurven über das Grundstück. Er trägt einen Helm und sieht aus wie ein normaler Vierjähriger. Doch sobald er die Kopfbedeckung abnimmt, wird sichtbar, dass dem nicht so ist. Denn Ben hat so gut wie keine Haare mehr auf dem Kopf. Ben ist an Blutkrebs erkrankt und hat schon eine Vielzahl an Chemotherapien hinter sich.

Ende April bemerkte seine Mutter Katrin Osietzki erstmals, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Erst habe er über Knieschmerzen geklagt, doch die Untersuchung bei einem Chirurgen ergab nichts. Eines Montags sei er dann aufgewacht und habe gesagt: "Ich kann nicht laufen", er habe überall rote Flecken an den Händen gehabt. "Wir gingen zum Kinderarzt und der fragte, ob Ben eine giftige Pflanze angefasst habe, er gab uns Fiebersaft und schickte uns heim." Noch am selben Abend fährt Katrin Osietzki mit Ben ins Klinikum Frankfurt-Höchst zur dortigen Notaufnahme. Er sei sofort aufgenommen worden und, als am nächsten Morgen die Diagnose da war, an die Uniklinik nach Frankfurt verlegt worden, schildert die Mutter.

Hochtaunus: Warten auf einen Spender

Ben bekam über einen Zeitraum von zehn Tagen viel Kortison, danach konnte er wieder laufen. Es wurden Nervenwasser-Punktionen am Rücken durchgeführt und Knochenmark an der Hüfte entnommen. Es stellte sich heraus, dass Ben an einer schweren Form von Leukämie erkrankt ist.

Das Risiko, dass der Krebs zurückkehre, liege bei 60 Prozent ohne Knochenmarktransplantation. Die Familie sucht nun also einen Knochenmarkspender für 2020. Das Krankenhaus nutzt dafür die Datenbanken weltweit. "Es gibt Personen, die zu 90 Prozent passen, aber es müssen 100 Prozent sein. Ich glaube auch, dass wir irgendwann einen passenden Spender finden, aber wann?", sagt Katrin Osietzki.

Ben (5) an Blutkrebs erkrankt: alle helfen nach Kräften

Katrin Osietzki arbeitete zu Beginn des Jahres noch im Kundenservice der Firma Airco System Druckluft GmbH mit Sitz in Frankfurt. "Ich war sechs Wochen krankgeschrieben, danach noch zehn Tage ,Kind-krank'", schließlich hätte sie nur noch 60 Prozent ihres bisherigen Lohns ausgezahlt bekommen. Lebensgefährte Markus Zühlke arbeitet Vollzeit, ihre Tochter Emma (8) gilt es aber auch zu versorgen. Die Familie hat das Glück, dass die Schwester nebenan wohnt und die Schwiegermutter in Neu-Anspach. Beide helfen nach Kräften, doch es bleibt eine Ausnahmesituation.

In dieser Not sprangen Osietzki die Arbeitskollegen bei: "Im Juni überraschten mich meine Chefs mit der Nachricht, dass sie und meine Kollegen mir 60 Urlaubstage schenken", sagt Katrin Osietzki. Sie kann nun bis zum Jahresende zu Hause bleiben. "Ich war so gerührt, ich wusste nicht, wie ich Danke sagen soll."

Hochtaunus: Neue Therapie für Ben 

Eine neue, chemofreie Therapie schlägt gut bei Ben an, es gibt kaum Nebenwirkungen. "Momentan ist der Krebs nicht sichtbar, aber er ist noch da", sagt Katrin Osietzki.

Mit 474.000 Hörern pro Stunde ist Radio FFH der meistgehörte Sender in Hessen. Wer dort auf Sendung seinen Kollegen "Danke" sagt, hat gute Chancen, dass sie es hören. Das war die Intention von Katrin Osietzki, die mit Ben die Morningshow mit den Moderatoren Daniel Fischer und Julia Nestle besuchte. "Während des Interviews hat Ben unterm Tisch Julias Schnürsenkel zusammengebunden", erzählt die Mutter. Auch der Fernsehsender RTL kam auf die Neu-Anspacherin zu, drehte ein Video am Sitz der Firma Airco.

"Diese Hilfsbereitschaft ist nicht selbstverständlich", sagt Katrin Osietzki. Es gibt sogar Kollegen, die bereit sind, weiteren Urlaub zu spenden. "So weit denke ich aber noch nicht, sondern nur bis zum nächsten Termin. Wenn es Ben gut geht, geht es mir auch gut."

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