Mit Plakaten wie diesem wird auf die App hingewiesen.

Neues Angebot für Jugendliche

Hochtaunus: In Krisen Hilfe finden per App

  • vonNadine Klein
    schließen

Der Hochtaunuskreis und der Solinger Verein "Between The Lines" starten ein neues Angebot für Jugendliche.

Stress in der Familie, in der Schule oder mit Freunden, Drogenprobleme oder die Suche nach einer Notunterkunft - eine neue App und eine Webseite versprechen Jugendlichen Antworten auf ihre Fragen und Kontakte zu Hilfs- und Beratungsstellen. Angeboten werden diese von dem noch jungen in Solingen gegründeten Verein "Between The Lines". Der Hochtaunuskreis arbeitet seit rund einem Jahr mit dem Verein zusammen, und so gibt es die App nun auch für die hiesige Region.

"Gerade jetzt sind Apps ganz wichtig", sagt Sozialdezernentin Katrin Hechler (SPD). Sie stellte die App gestern - passenderweise in der ersten Video-Pressekonferenz des Kreises - gemeinsam mit dem stellvertretenden Jugendamtsleiter Michael Glenzer und Beat Weichsler von "Between the Lines" vor. Dass viele junge Menschen Unterstützung brauchen und suchen, aber nicht ausreichend über die lokalen Angebote informiert sind, ist der Punkt, an dem der Verein ansetzt. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, eine digitale Brücke zum Jugendhilfesystem zu bauen. "Das Hilfsangebot ist gut ausgebaut", sagt Weichsler. Aber die Hilfesuchenden und die Hilfe müssten zusammengebracht werden. Und das könne heute bei Jugendlichen nur über eine App laufen.

Über eine Suchleiste können 25 Themen ausgewählt werden, "Unser Angebot gliedert sich in drei Teile. Neben dem Kernstück der Organisationsvermittlung sind dies eine Informationsplattform zu Problemen und Krankheiten und Heldengeschichten, die ermutigen sollen", erläutert Weichsler. Für den Hochtaunuskreis sind 40 Beratungsorganisationen registriert. Mit dieser Zahl sind die Initiatoren zufrieden. "Wir hatten zu der Kick-Off-Veranstaltungen im vergangenen Juli gut 50 eingeladen", sagt Glenzer. Er ist zudem überzeugt, dass noch weitere Organisationen hinzukommen werden. "Wir haben etwa gerade eine Anfrage eines Beratungsinstitut aus Frankfurt. Es ist kein Problem, auch über die Kreisgrenzen hinauszugehen."

Daten aktuell halten

Die Informationen und Daten, die über eine Organisation zu finden sind, müssen immer aktuell sein. "Es darf keine Karteileichen geben", betont Glenzer. Um dies zu gewährleisten, sind zum einen die Hilfs- und Beratungsstellen selbst über einen eigenen Zugang aufgerufen, für Aktualität zu sorgen. Zudem stellt das Jugendamt als lokaler Administrator sicher, dass vierteljährlich alle Organisationsdaten überprüft werden. "Es gibt also ein System mit doppelter Kontrolle", sagt Weichsler.

Um die App jungen Menschen bekannt zu machen, gibt es Plakate und Flyer, die über das Jugendamt und die Schulverwaltung verteilt werden. Sie gehen auch an Vereine und Ärzte. Sie sind modern gestaltet, schlicht und mit QR-Code darauf. Zudem setze der Verein natürlich auf Social Media, sagt Weichsler. Dass die App in den Hochtaunuskreis gekommen ist, ist auch ihm zu verdanken. Er kommt aus Bad Homburg, hat an der Humboldtschule sein Abitur gemacht. "Wir als Verein haben uns potenzielle Kandidaten für ein erstes Pilotprojekt (nach der ursprünglichen Ausweitung in Solingen) ausgesucht und haben uns dabei für den Hochtaunuskreis entschieden", berichtet er.

"Alle 13 Bürgermeister und der Landrat sprachen sich in großer Einmütigkeit dafür aus", sagt Hechler. Die Kosten hielten sich sehr in Grenzen. Eine Zahl wollen die Verantwortlichen nicht nennen, sprechen nur von einer einmaligen Summe im mittleren vierstelligen Bereich sowie einem geringen weiteren Beitrag.

Hechler ist von der App überzeugt: "Ich finde das Projekt sehr gelungen", betont sie. Aus eigener Erfahrung mit ihren Kindern wisse sie, dass Handy und Apps DAS Kommunikationsmittel seien. "Die App spricht die Sprache junger Menschen", meint Hechler.

Wie gut sie ankommt, dazu kann Weichsler bisher nur Vermutungen anstellen. Zum einen da sie aktuell nur in Solingen - und nun im Hochtaunuskreis - komplett nutzbar ist, weitere Städte und Regionen sind in Arbeit und sollen noch in diesem Jahr folgen. Zum anderen da keine Nutzerdaten gesammelt werden. Aber die Zahl der Downloads lasse positive Rückschlüsse zu: "In Solingen gibt es rund 8000 Jugendliche. Dort haben wir 1000 Downloads, das zeigt, dass sie angenommen wird", sagt Weichsler.

VON Nadine Klein

Die App

Die App steht im App Store auf dem Handy zur Verfügung. Die Webseite findet sich unter www.between-the-lines.info.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare