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Die Zahl der Arbeitsplätze ist im Taunus in den vergangenen Jahren stark gestiegen - das zeigt sich auch im Homburger Gewerbegebiet.

Umfrage der IHK

Hochtaunus: Mehr Bauland und mehr Breitband

  • Matthias Kliem
    vonMatthias Kliem
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Die Wirtschaft hat konkrete Forderungen an Politik im Hochtaunuskreise - das ergibt sich aus einer IHK-Umfrage mit 100 Taunus-Unternehmen.

Hochtaunus – Der Taunus ist ein guter Standort, das lässt sich sogar in Schulnoten ausdrücken. Eine 2,3 haben die heimischen Unternehmen dem Hochtaunuskreis gegeben, als die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt sie nach einer Bewertung ihres Firmensitzes gefragt hat. An der IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit hatten im Frühjahr rund 100 Unternehmen aus dem Kreis teilgenommen und gesagt, was sie an ihrer Umgebung schätzen und was ihnen fehlt. Aus den Rückmeldungen hat die IHK einen Forderungskatalog an die lokalen Entscheidungsträger erstellt - schließlich ist im kommenden März Kommunalwahl,

"In den vergangenen zehn bis 15 Jahren hat es im Hochtaunuskreis erhebliche Zuwächse gegeben - sowohl bei der Zahl der Einwohner als auch der Arbeitsplätze", verweist IHK-Präsident Ulrich Caspar auf die große wirtschaftliche Dynamik. Während die Einwohnerzahl seit 2011 um 4,4 Prozent gestiegen sei, habe es bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sogar einen Zuwachs von 23,6 Prozent gegeben. In der Konsequenz bedeute das: Viele Arbeitnehmer müssen anreisen, teilweise aus großen Entfernungen. Entsprechend hoch sei die Verkehrsbelastung. "In den Hauptverkehrszeiten sind lange Staus nicht nur auf dem Weg nach Frankfurt oder Wiesbaden, sondern auch rund um Bad Homburg und Oberursel an der Tagesordnung", betont Caspar.

Nach Meinung des IHK-Chefs wäre es das Beste, genügend Wohnungen in Nähe der Arbeitsplätze zu schaffen. "Der Wohnungsbau ist den Anforderungen in den vergangenen Jahren nicht nachgekommen", stellt Caspar fest und erinnert daran, dass die Unternehmen auf Fachkräfte angewiesen seien, die ihrerseits wiederum bezahlbare Wohnungen brauchen. Zugleich würden in den Kommunen allerdings auch weitere Gewerbeflächen benötigt, um neue Betriebe ansiedeln und etablierten Unternehmen Expansionsmöglichkeiten bieten zu können. Eine zentrale Forderung der IHK ist daher eine verstärkte Ausweisung von Bauland durch die Städte und Gemeinden.

S5 bis Weilburg verlängern

"Insbesondere im Hochtaunuskreis beurteilen die Unternehmen die Verfügbarkeit und Preise für Gewerbe- und Büroflächen kritisch", heißt es in der Analyse zur IHK-Umfrage. Da rund 42 Prozent der Fläche im Rhein-Main-Gebiet landwirtschaftlich genutzt werde, gebe es ein großes Potenzial für die Umwandlung in Bauland.

Parallel dazu müsse allerdings auch stärker in die Verkehrswege investiert werden. "Alles hat zugenommen, nur die Infrastruktur ist kaum ausgebaut worden", bemängelt Caspar. Da der ÖPNV "die beste Möglichkeit" fürs Pendeln sei, fordert die IHK die zügige Umsetzung der U 2-Verlängerung zum Homburger Bahnhof, die vollständige Elektrifizierung der Taunusbahn und engere Takte für die Königsteiner Bahn und die S 4 nach Kronberg. "Wir fordern außerdem eine Machbarkeitsstudie für eine Verlängerung der S 5 bis Weilburg durch Reaktivierung der Weiltalbahn", so Caspar.

Auch die Seilbahn-Idee, die schon der Regionalverband für verschiedene Strecken in der Region ins Spiel gebracht hatte, wurde von der IHK aufgegriffen. Konkret könnte sich Caspar eine Verbindung von der Raststätte Taunusblick an der A 5 ins Gewerbegebiet Eschborn vorstellen. Dazu wären Park & Ride-Plätze erforderlich, die sich der IHK-Chef auch an vielen weiteren Stellen in der Region wünscht.

In den Innenstädten sollten zudem weitere Kurzzeit-Parkplätze geschaffen werden. "Die Geschäfte sind darauf angewiesen", betont Caspar. Im Forderungskatalog stehen zudem allgemein eine zeitgemäße Gestaltung der Parkhäuser, der Ausbau der Radwege ("möglichst auf eigenen Spuren") und die Optimierung der Baustellen-Logistik. Konkret drängt die IHK im Taunus auf die Realisierung des Bypasses am Königsteiner Kreisel und die Optimierung des innerstädtischen Verkehrs in Oberursel (vor allem rund um das Gewerbegebiet Süd).

Chancen im Gesundheitstourismus

Gute Perspektiven biete derweil der Tourismus. "Der Hochtaunus ist einer der landschaftlich attraktivsten Kreise in Hessen", sagt Caspar. Allerdings seien die Potenziale noch längst nicht ausgeschöpft. Nach Auffassung der IHK müsste das Tourismus-Marketing für die Destination Taunus durch stärkere überregionale und internationale Werbung ausgebaut werden. Auch eine gemeinsame Vermarktung mit Frankfurt/Rhein-Main biete zusätzliche Chancen. Die Erfahrung zeige, dass sich Besucher der Region nicht nur die Altstadt und die Museen in Frankfurt anschauen wollten, sondern auch Interesse an der Saalburg und den Schlössern und Burgen im Umland hätten. "Der Taunus hat auch im Bereich Gesundheitstourismus einiges zu bieten", betont Caspar. Der IHK-Präsident regt eine stärkere Vermarktung an und macht sich zudem für die Modernisierung des Kurbades Königstein stark.

Ein wesentliches Anliegen der Unternehmen ist laut IHK-Umfrage ein Ausbau der digitalen Infrastruktur. Im Hochtaunuskreis zeigten sich bei der Breitbandversorgung heute noch immer Lücken, und in Zukunft würden die zu übertragenden Datenmengen weiter zunehmen. Nachholbedarf sehen die Betriebe auch bei der Digitalisierung von Verwaltungsaufgaben. Hier seien die öffentlichen Verwaltungen gefordert, schließlich hätten auch die Bürger wenig Verständnis, wenn sie zum Amt laufen müssten, um den Personalausweis zu verlängern oder das Auto umzumelden. Matthias Kliem

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