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Hochtaunus: Minijobber dringend gesucht

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Von: Alexander Schneider

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Verlierer der Pandemie: Minijobber in der Gastronomie traf die Krise hart. Viele haben sich in den vergangenen zwei Jahren umorientiert.
Verlierer der Pandemie: Minijobber in der Gastronomie traf die Krise hart. Viele haben sich in den vergangenen zwei Jahren umorientiert. © dpa

Die Zahl der Beschäftigten ist stark gesunken. Der Taunus teilt sich zudem den Fachkräfte-Markt mit der Main-Metropole Frankfurt.

Hochtaunus -Für kaum eine Branche ist die Pandemie ein so großes Wechselbad der Gefühle wie für die Gastronomie: Auf, zu, ein bisschen auf - für viele Gastronomen bedeutet diese volatile Gemengelage eine Gratwanderung. Hoffnungsanker ist die Außengastronomie. Dass viele daran denken, Renovierungen aufzuschieben, "auf Sicht zu fahren" oder gar ganz aufzuhören, - wer wollte es ihnen verdenken? Doch wie schlimm ist die Lage nun wirklich? Laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist allein im Kreis die Zahl der Minijobs in Hotels und Gaststätten während der Pandemie von 1700 um 520 (23 Prozent) gesunken. Die NGG beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Beim Deutschen Verband Hotel und Gaststätten (Dehoga) Hochtaunus war man selbst erstaunt: "Wir haben keine genauen Zahlen und wissen auch nicht, wie die NGG gerechnet hat. Daher können wir das weder bestätigen noch dementieren", sagt der hiesige Dehoga-Vorsitzende Thomas Studanski.

Nach Informationen des Verbandes fehlen vor allem in den Küchen qualifizierte Fachkräfte. Im Service werden traditionell mehr Aushilfskräfte eingesetzt, da es hier aufgrund der Sommergärten, Veranstaltungen und Events insbesondere temporäre Engpässe gibt. In beiden Bereichen gebe es aktuell Defizite. "Wir fangen aber nach dem Corona-bedingten Stillstand auch gerade erst wieder an zu akquirieren", erklärt Studanski.

"Wir teilen uns den Markt der qualifizierten Fachkräfte auch noch mit Frankfurt. Aushilfskräfte sind oft regional orientiert, daher schaut man dort verstärkt auf den Taunus", so der Dehoga-Chef. Zudem hänge die Nachfrage nach Minijobs auch von der Bevölkerungsdichte ab. Der Verband ist bemüht, seinen Mitgliedern über die schwere Zeit hinwegzuhelfen und sie auch bei der Suche nach Mini-Jobbern zu unterstützen.

Dazu gehört, dass der Dehoga-Verband schon länger dringend fordert, die geplante Erhöhung der Einkommensgrenze bei Minijobbern zu vollziehen. Studanski sagt: "Das gibt uns die erforderlichen Flexibilität und eröffnet den Schülern und Studenten sowie Ungelernten, die ja meist die Minijobber ausmachen, den Zugang zu Ausbildung und Festanstellung." Er ergänzt: "Für langjährige Aushilfen, die Minijobs im Übrigen oft auch als Nebenjob zum eigentlichen Beruf ausüben, ist die Erhöhung der Verdienstgrenze attraktiv und hilft den Betrieben, diese zu sichern."

Aushilfsarbeit immer weniger attraktiv

Maßgeblich zur Personalknappheit beigetragen habe die Pandemie, so der Gastronomieverband. "Menschen haben vielleicht gerne mal ein oder zwei Monate zu Hause in Kurzarbeit abgewartet. Aber die meisten wollen arbeiten und haben sich nach zwei Jahren Pandemie umorientiert", sagt der stellvertretende Dehoga-Chef Karsten Kleinschmidt. Er nennt aber noch andere Faktoren: "Unsere Arbeit macht viel Spaß und ist durch die Kommunikation mit den Gästen sehr abwechslungsreich. Das Gastgewerbe hat es leider versäumt, die Werte wie Spaß, Teamgeist, Erfolgserlebnisse in den Mittelpunkt der Personalpolitik zu stellen. Für viele sind nur freie, sonnige Wochenenden gute Wochenenden", erklärt Kleinschmidt.

Vielleicht sei es gegenüber dem Branchennachwuchs nicht deutlich genug kommuniziert worden, dass Wochenenden, an denen gearbeitet werden muss, auch Vorteile dergestalt haben, "dass wir dafür an freien Tagen an leeren Baggerseen entspannt die Freizeit genießen können". Zudem hofft die Branche darauf, dass die Bundesregierung spätestens jetzt über ein Programm zur Einbürgerung qualifizierter Mitarbeiter nachdenkt.

Auch Kerstin Jungmann, Vize-Geschäftsführerin des Dehoga-Verbands Hessen, ist sich der Problematik bewusst. Sie sagt: "Zum 1. August tritt die neue bundesweite Ausbildungsverordnung in Kraft. Experten aus ganz Deutschland haben jahrelang Ausbildungsinhalte erneuert und dem Zeitgeschehen angepasst." Jungmann glaubt, dass die Attraktivität der Branche wachse. "Natürlich gilt es auch Karrierechancen und die Möglichkeiten, die eine gute Ausbildung weltweit mit sich bringt, aufzuzeigen. Die Aussichten in der Branche seien hervorragend, versichert sie. Die Wertigkeit der Berufe müsse sich aber auch in der Bezahlung widerspiegeln, "daran arbeiten wir hart". Jungmann nennt etwa den Tarifvertrag als Beispiel. Die Entwicklung bei der Azubi-Vergütung weise in den vergangenen Jahren fast eine Verdopplung auf. Jungmann blickt daher optimistisch in die Zukunft.

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