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Tanken wird teurer – und die Kunden sparen an ungewöhnlichen Ecken

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Von: Alexander Schneider

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Am früheren Abend werden meist etwas niedrigere Preise an den Zapfsäulen aufgerufen, entsprechend groß ist derzeit dann der Andrang an den Tankstellen.
Am früheren Abend werden meist etwas niedrigere Preise an den Zapfsäulen aufgerufen, entsprechend groß ist derzeit dann der Andrang an den Tankstellen. © Alexander Schneider

Unter den hohen Spritpreise leiden auch die Tankstellenbetreiber. Doch im Hochtaunus herrschen gemischte Gefühle an den Zapfsäulen.

Hochtaunus – Bis Anfang März gab es in Geschäften, vor denen sich lange Schlangen bildeten, entweder etwas umsonst, neue Smartphones oder Computer zu Schnäppchenpreisen. Das ist inzwischen anders, es gibt eine neue Schlangenart – ihr bevorzugter Lebensraum: Tankstellen, tagsüber liegen sie auf der Lauer, aktiv werden sie zur Feierabendzeit, so zwischen 17 und 20 Uhr. Es ist Mittwoch, 18.10 Uhr, Fütterungszeit für die Tankstellenschlange.

In der Hans-Mess-Straße in Oberursel steppt der Bär, kaum noch ein Durchkommen. Bis zur Straße, fast in den Kreisel hinein, stehen Autos mit ungeduldigen Menschen am Steuer, die hoffen, bald an eine der Zapfsäulen rollen zu können, mit Todesverachtung die Pistole vom Haken zu nehmen, sie in den gähnenden Schlund des leider schon wieder leeren Tanks zu stecken und zu beten, dass es am Ende vor dem Komma noch zweistellig bleibt. Nicht jedem gelingt das und der alte Witz, dass Spritpreise uninteressant sind, wenn man immer für 20 Euro tankt, hat seinen Spaßfaktor längst verloren.

Spritpreise im Hochtaunus: Einige können, andere wollen nicht aufs Auto verzichten

Der Bad Homburger Manfred Seng ist mit seinem Mercedes vorgefahren und hat vollgetankt. Für 100,73 Euro. Sauer? „Nein, das ist halt momentan so, wenigstens können wir noch tanken, ich finde, wir jammern auf hohem Niveau“, sagt er mit Verweis auf die dramatische Lage in der Ukraine, aber auch in anderen Teilen der Welt. Und die trotz fallender Rohölpreise steigenden Spritkosten? „Niemand zahlt gerne mehr, aber das ist Wirtschaft, das hat unser Land zu dem gemacht, was es ist“, sagt Seng, der trotz allem Verständnis seine Fahrweise geändert hat: Er fährt pro Woche 200 Kilometer wie immer, aber langsamer.

Wenig begeistert ist gleich nebenan Fabio Foliso: „ .... kann nur besser werden“, lacht er. Er fährt zwar nicht langsamer, aber weniger. Brass auf den Tankstellenbetreiber? „Warum, der kann doch auch nichts dafür, der drückt den Preis ja nicht einmal selbst hoch, das geht doch alles automatisch“, zeigt ein anderer Kunde – großer SUV, 126,87 Euro, Achselzucken – Verständnis für den jungen Mann an der Kasse.

Geteilte Meinungen zum Spritpreis: Im Hochtaunus bleiben die meisten gelassen

Ein älterer Herr aus Oberstedten im BMW hat noch vier wartende Autos vor sich: „Ich bin Rentner, ich habe Zeit“, sagt er. Viel fährt er nicht, Aber: Wenn er tankt, dann voll. Jedoch schaut er schon auf die Anzeigetafel, „ich tanke dann, wenn es nicht ganz so teuer ist.“

Nicht ganz so teuer – für eine Dame mittleren Alters ist „nicht ganz so teuer“ schon eine Katastrophe: „Egal was es kostet, ich muss tanken, ich bin aufs Auto angewiesen“ – sprachs, zahlte verbittert um die 80 Euro und machte Platz für den nächsten. Auch für den Van-Fahrer, der seinen Namen nicht nennen will, gibt es keine Schmerzgrenze, ab der er das Auto stehen lässt: „Vom Flughafen mit dem Rad nach Orschel ist zu weit, die Bahn ist unpünktlich, bleibt nur das Auto.“

Galgenhumor und Daumen hoch: Kunde Fabio Foliso sagt: "Es kann nur besser werden."
Galgenhumor und Daumen hoch im Hochtaunus: Kunde Fabio Foliso sagt: „Es kann nur besser werden." © Alexander Schneider

Das Gewusel an der HEM-Tankstelle wird immer dichter. Teilweise rangieren Tankwillige schon rückwärts in sich auftuende Lücken, mit dem Erfolg, dass sie denen, die ordnungsgemäß vorwärts anfahren, im Weg stehen. Andere wollen ganz schlau sein und tanken sozusagen „von hinten durch die Brust ins Auge“. Als wollten sie zur Waschstraße, fahren sie um das Tankstellengebäude herum, um dann, wenn ein Kunde wegfährt, mal eben rasch in die Lücke zu stoßen. Rücksichtnahme geht anders.

Kassiererinnen bekommen Frust ab: Kunden sparen im Hochtaunus an Süßigkeiten

Und was sagt Andreas Werner zu all dem? Er ist HEM-Tankstellenpächter und mit seiner Kundschaft durchaus zufrieden: „Die meisten akzeptieren die Preise und haben Verständnis“, sagt er. Ja, es gebe auch Anfeindungen, aber die seien zum Glück selten. Leider bekämen den Frust meist die Kassiererinnen zu spüren.

Werner beobachtet seit dem Beginn der Preissteigerungen Änderungen im Kundenverhalten: „Viele tanken weniger, dafür aber häufiger.“ Offenbar sei es so, dass viele Kunden jetzt täglich ihre Apps auf dem Smartphone aufrufen und dann tanken, wenn es gerade etwas günstiger ist. „Ich tanke immer mit der App, so spare ich oft 2,5 Cent“, sagt Sina Gerstmann. Sie ist Außendienstlerin eines Pharmakonzerns, viel unterwegs, häufig auch im Taunus.

Sparen beim Sprit angesagt: Das spüren auch die Tankstellenbetreiber im Hochtaunus

Andreas Werner spürt aber noch eine andere Auswirkung des Benzinpreisschocks: Einen erheblichen Teil seines Umsatzes macht er mit dem Shop: Reiseproviant, Getränke, Zeitungen, Süßes. Viele Kunden zahlen jetzt ihre Tankrechnung und sind dann mal weg. Was das Shop-Angebot anbelangt, „geht der Igel in der Tasche auf“, sagt Werner. Die Frage, ob es „noch etwas sein darf“, werde immer häufiger mit „Nein, danke“ beantwortet. (Alexander Schneider)

Überall steigen die Preise für Sprit. Doch ein Trick hilft, um günstiger zu Tanken und Geld zu sparen.

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