In Corona-Zeiten sind Klein- und Schrebergärten gefragt wie nie. Petra und Dieter Kaul aus Bad Homburg schätzen sich glücklich, seit über 50 Jahren in einer Gartenparzelle ihrer Leidenschaft nachgehen zu können.
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In Corona-Zeiten sind Klein- und Schrebergärten gefragt wie nie. Petra und Dieter Kaul aus Bad Homburg schätzen sich glücklich, seit über 50 Jahren in einer Gartenparzelle ihrer Leidenschaft nachgehen zu können.

Große Nachfrage nach Kleingärten

Hochtaunus: Die neue Lust auf Lauben

  • vonMatthias Pieren
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Kleingärten werden in Corona-Zeiten als kleine Fluchten neu entdeckt - das spüren auch die Kleingartenvereine im Taunus. Die Nachfrage nach freien Parzellen ist stark angestiegen. Doch nicht jeder weiß, was es heißt, einen Kleingarten zu bewirtschaften.

Hochtaunus -Corona hat viel verändert. Die Menschen in Deutschland machen mehr Urlaub vor der eigenen Haustür, schätzen regionale Produkte sehr viel stärker und sehnen sich nach der langen Krisenzeit mit Kontaktbeschränkungen und Lockdown nach Unbeschwertheit, Geselligkeit und Natur. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Kleingärten derzeit eine Renaissance erleben. Der Wunsch nach der eigenen Parzelle, am besten gleich mit Laube, ist deutlich gewachsen. Die heimischen Vereine berichten von großer Nachfrage und führen teilweise schon Wartelisten.

"Wir haben 587 Parzellen in unseren neun Anlagen. Für gewöhnlich werden pro Jahr zwischen 20 und 40 Gärten zum Ende des Gartenjahres Ende November frei. In den Vorjahren konnten wir manche Gärten mangels Interessenten gar nicht neu besetzen", berichtet Helga Frei, Vorsitzende Bad Homburger Kleingartenbauvereins.

Drei Bewerber auf eine Parzelle

In diesem Jahr kamen auf jede frei werdende Parzelle mindestens drei Bewerber. Bei den Besichtigungsterminen in den Schrebergärten ähnelte die Situation manchmal der bei der Wohnungssuche. Manche Interessierte merkten aber beim Vorgespräch, dass die eigenen Wünsche nicht mit der Vereinssatzung in Einklang standen.

"Mindestens ein Drittel der Fläche einer Parzelle muss mit Gartenbau bewirtschaftet werden", erklärt Frank. "Ein Kleingarten darf nicht als reines Grünland genutzt oder als Spiel- oder Grillplatz zweckentfremdet werden. In diesem Jahr haben wir bei der Vergabe vor allem Familien mit Kindern und Menschen aus systemrelevanten Berufen die Zusage gegeben." Das sei bei den Bewerbern nicht immer auf Verständnis gestoßen. Dennoch habe der Vorstand in diesem Jahr besonders darauf geachtet, dass die Kleingärten wieder zu einem Hort für Familien werden. Dass Corona-bedingt die Nachfrage nach Kleingärten in Homburg weit höher war als das Angebot, ist im Taunus kein Einzelfall.

"In diesem Jahr hatten wir zehn Bewerbungen, konnten aber leider gar keine freien Kleingärten vergeben", teilt Gerald Marsch vom Kleingartenverein "Am Trieb" in Seulberg mit. "Der Trend war aber bereits in den Vorjahren ähnlich. Im vergangenen Jahr hatten sich sieben Interessenten auf eine freie Parzelle beworben. 2018 kamen fünf Bewerber auf zwei Neuverpachtungen."

Warteliste geschlossen

Auch in Oberursel zeigt sich ein ähnliches Bild: Der dortige Kleingärtnerverein betreut 221 Parzellen. "Jährlich werden zwischen fünf und 30 Kleingärten neu verpachtet. In diesem Jahr ist das Interesse sprunghaft angestiegen", teilt der Vorsitzende Hans-Peter Wandrach mit. "Wir haben nun die Warteliste mit bereits zwölf Bewerbern geschlossen und werden auch im kommenden Jahr keine neuen aufnehmen."

Von Matthias Pieren

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