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Die hinteren Erdhügel sind legal, die vorderen Hügel, die aus allen möglichen Materialien bestehen, sind illegal auf dem Gelände des ehemaligen Taunus-Kinderheims in der Wehrheimer Saalburgsiedlung abgeladen worden. Im gräulichen Hügel rechts ist auch Teer enthalten. 

Saalburgsiedlung

Tonnenweise Schutt auf Kreis-Baustelle entsorgt – 30.000 Euro Schaden

Rund 20 Lkw-Ladungen mit Bauschutt haben Unbekannte auf dem alten Kinderheim-Gelände in der Saalburgsiedlung in Wehrheim entsorgt.

Wehrheim - Ein Nachbar bleibt an der Köpperner Straße unweit des aufgebrochenen Bauzauns stehen und spricht Rolf Cünzer, Mitarbeiter im Fachbereich Hochbau des Hochtaunuskreises, an: "Meine Freundin hat vor zwei Wochen immer wieder beigefarbene Lkw mit Anhängern gesehen, die hier auf das Grundstück gefahren sind", sagt der Anwohner der Saalburgsiedlung in Wehrheim. 

Mit unheimlichem Lärm hätten diese Unmengen an Material abgeladen. Aber was überhaupt? Da waren er und seine Freundin sich nicht so sicher. Stutzig sei er erst geworden, als er vor einer Woche in den Erdhügeln,die auf der Baustelle des ehemaliges Taunus-Kinderheim abgeladen worden waren, Rohre und Ziegel entdeckte. Am Freitag habe er dann Bauamt sowie Polizei alarmiert.

Ordnungswidrigkeit: Bußgelder in Höhe von 10.000 Euro können dem Verursacher drohen

Diese ermittelt nun wegen Sachbeschädigung (am Bauzaun) und Hausfriedensbruch. Außerdem gibt es eine Ordnungswidrigkeit nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, sagt Polizeisprecher Ingo Paul.

Hier ist das RP in Gießen involviert und Bußgelder in Höhe von 10 000 Euro könnten dem Verursacher drohen. "Es gibt keine Hinweise für eine Umweltstraftat." 18 bis 20 Lastwagenladungen Bauschutt haben Unbekannte illegal auf dem Grundstück entsorgt. Und zwar zwischen Samstag, 24. August, und Mittwoch, 4. September, also innerhalb von elf Tagen. Der Baumüll muss nun wiederum durch den Kreis entsorgt werden. Den Schaden schätzt Cünzer auf bis zu 30 000 Euro. "Wenn wir Pech haben, geht das zulasten des Steuerzahlers", so Cünzer. Doch er glaubt fest daran, dass der Übeltäter gefunden wird. Von der Landesstraße 3041 aus, die durch das Köpperner Tal nach Friedrichsdorf führt, ist die Baustelle zwar nicht zu sehen. "Vom Bahnhof sieht man sie aber gut. Vielleicht ist ja Schülern oder Besuchern der Lochmühle etwas aufgefallen. Oft beobachtet man ja etwas und denkt sich nichts dabei, aber eventuell erinnert sich der Beobachter dann hinterher doch an ein Kennzeichen."

Bestandteile des Schutthaufens müssen genau analysiert werden – und das kostet

Backsteine, Betonteile, die in Decken oder Bodenplatten verbaut wurden, Eisen, Rohre für Sanitär und Entwässerung, aber auch Leerrohre, Waschbecken-Teile, Putz, Ziegel, Bodenfliesen, Styropor, Naturstein-Stücke und sogar den Deckel einer Gasflasche hat Cünzer in den großen Schutthaufen schon entdeckt. Das Hauptproblem sei, dass das alles nun ganz genau analysiert und dann entsorgt werden müsse. Eine Analyse koste rund 5000 Euro.

Es müsse überprüft werden, ob sich Schadstoffe wie Öle oder Benzin in der Erde befinden, die in den Boden eindringen können. Außerdem entdeckt Cünzer beim Ortstermin Teer-Stücke. Die sind auf jeden Fall schadstoffhaltig, denn Teer besteht aus Polizyklischen Aromatischen Wassersstoffen. "Diese bestehen aus 100 Einzelbestandteilen, der Hauptbestandteil ist Benzo[a]pyren. Und wir müssen nun feststellen, ob die Konzentration schwach oder hoch ist, und entsprechend teuer und aufwendig wird die Entsorgung", so Cünzer.

Illegal tonnenweise Schutt auf Kreis-Baustelle abgeladen: Bauprojekt wird nicht behindert

Er geht davon aus, dass der Bauschutt von einer - vermutlich illegalen - Baustelle aus einem Umkreis von rund 60 Kilometern stammt. "Es kann auch sein, dass vor zwei Jahren ein altes Bauernhaus abgerissen wurde und der Bauschutt jetzt erst entsorgt wurde."

Im Laufe dieser Woche nehme ein chemisches Institut Proben von der Baustelle. Rund eine Woche dauere deren Analyse. "Das Bauprojekt selbst wird dadurch nicht behindert."

Von Nina Fachinger

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