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Christoph Adrian, Oliver Claar und Dirk Otterbein (v.l.) hatten am Montag auf dem Homburger Recyclinghof bis 15 Uhr rund 100 Kunden geholfen, den Grünschnitt zu entsorgen.

Folgen der Corona-Krise

Hochtaunus: So viel Müll gab's lange nicht

Weil die Bürger renovieren, entrümpeln und gärtnern, ist die Abfallmenge im Taunus stark angestiegen. Aber nicht jeder entsorgt auf legale Art.

Hochtaunus - Das Kinderzimmer wird endlich mal renoviert, der Keller entrümpelt und der Garten auf Vordermann gebracht. In Zeiten von Corona, in denen viele Freizeitaktivitäten nicht möglich sind und die Bürger öfter zu Hause sind, werden viele aufgeschobene und aktuell anfallende Arbeiten erledigt. Das hat deutliche Auswirkungen auf die Müllentsorgung.

"Gerade im Bereich Gartenabfuhr und Sperrmüll verzeichnen wir in Bad Homburg ein deutliches Plus beim anfallenden Müll", sagt Pressesprecher Marc Kolbe. "Der Betriebshof meldet aber definitiv bei allen Müllarten eine Steigerung der Mengen." Für den Stadtsprecher liegt eine Erklärung auf der Hand: Nachdem Geschäfte in den Fußgängerzonen, Kinos und Restaurants geschlossen wurden und auch das Vereinsleben sowie Treffen unter Freunden durch die Kontaktsperre nicht möglich sind, verbringen die Menschen deutlich mehr Zeit zu Hause.

"Viel mehr Menschen arbeiten derzeit wegen der Corona-Pandemie von zu Hause aus", so Kolbe, der selbst seiner Tätigkeit vom Home Office aus nachgeht. "In ihrer freien Zeit nehmen viele Bürger nun Tätigkeiten in Angriff, die schon lange mal hätten erledigt werden sollen. Da fällt einfach mehr Müll an. Auch der Restmüll war zuletzt stark überfüllt."

Zwar vermag der Stadtsprecher keine genauen Zahlen nennen, mit denen die Steigerung bemessen werden könnte. Doch seien gerade die Bio-Mülltonnen derzeit randvoll, obwohl sie nur bis zur Mitte befüllt werden dürften. "Da kommen zurzeit viel mehr Gartenabfälle rein", schildert Kolbe die Situation.

Wegen der Ansteckungsgefahr durch allzu regen Betrieb auf den Recyclinghöfen hatte die Stadt diese vorübergehend geschlossen. Am gestrigen Montag konnte dann unter Einschränkungen wieder Grünschnitt am Recyclinghof in der Georg-Schaeffler-Straße abgegeben werden. Der Recyclinghof in Ober-Eschbach öffnet erst am Montag, 11. Mai, wieder.

Die Hoffnung des Betriebshofes, dass die Bürger den Grünschnitt in ihren Gärten zwischenlagern, erfüllte sich derweil nicht. Statt die Gartenabfälle bei der monatlichen Zusatzabholung für Grünabfall gebündelt vor das Grundstück zu stellen, sei dieser zumeist in die Biotonne verfüllt worden. Auffällig war auch die nachlassende Disziplin der Kurstädter bei der Mülltrennung. Sei in Zeiten vor Corona die Mülltrennung in Bad Homburg vorbildhaft gewesen, so nennt Kolbe diese derzeit "problematisch".

Ein ähnliches Bild im Usinger Land: Auf dem Wertstoffhof der Deponie Brandholz verzeichnet der Betreiber Rhein-Main-Deponie (RMD) eine Steigerung bei der privaten Anlieferung von Sperrmüll. "Die Bürger kommen derzeit verstärkt auf die Idee, ihren Keller, den Dachboden und Gartenhäuser zu entrümpeln", teilt RMD-Geschäftsführer Heino von Winning mit. Allerdings: "Am Gesamtvolumen ändert sich aber nicht sonderlich viel, da der Gewerbemüll gleichzeitig etwas zurückgegangen ist."

In Oberursel gab es nach Angaben des kommunalen Eigenbetriebs BSO im ersten Quartal hingegen keine signifikanten Mengenverschiebungen. "Die Einschränkungen begannen ja erst ab dem 20. März", sagt Stadtsprecherin Nicole Horn.

Deshalb seien die Mengenschwankungen im ersten Quartal auch nicht besonders hoch. Für April lägen noch keine vergleichbaren Werte vor. Die Mülltrennung funktioniere in Oberursel aber generell sehr gut und die Stadt habe bisher auch keine negativen Veränderungen feststellen können.

Illegale Entsorgung in Wald und Feld

Größer werdende Probleme gibt es aber seit längerem im Wald rund um den Feldberg am Rande der Naturpark-Parkplätze und vor allem im Usinger Land mit wilder Müllentsorgung. Das sei in Wald und Feld ebenso zu beobachten wie in Hinterhöfen oder auch auf den offiziellen Grünecken.

"Seit Beginn der Corona-Beschränkungen beobachten wir eine Zunahme der illegalen Müllentsorgung", teilt dazu Thomas Schultheis vom gemeinsamen Ordnungsamt der Städte Usingen und Neu-Anspach mit. "Grundsätzlich besteht dieses Problem schon immer, es hat jetzt aber wegen der Beschränkungen bei der Wertstoff-Annahme auf der RMD-Deponie Brandholz zugenommen."

VON MATTHIAS PIEREN

Turniertänzerin Vanessa Franz aus dem Hochtaunuskreis hat sich von der Corona-Krise nicht ausbremsen lassen: Sie übt da, wo Platz ist – und hat deshalb sogar manchmal Publikum.

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