Überschwemmung nach einem Wolkenbruch in der Untergasse in Oberursel-Stierstadt.
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Katastrophenschutz im Taunus

Hochtaunuskreis bessert nach

  • VonAlexander Schneider
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Zentrales Materiallager für Großschadenslagen geplant

Hochtaunus -Der Hochtaunuskreis wird ein zentrales Lager für den Katastrophenschutz einrichten. Material für den Einsatz bei Großschadenslagen gibt es jetzt zwar auch schon, doch ist dieses dezentral verteilt - was, wenn es schnell gehen muss, zu Problemen, zumindest zu Verzögerungen führen kann. Darauf hat sich der Kreistag am Montagabend einstimmig verständigt und damit einem Antrag der CDU/SPD/FW-Koalition entsprochen. Eine Entscheidung zum Standort ist noch nicht gefallen.

Das Lager soll auch Räume für die Jugendfeuerwehr und deren Fundus an Gerätschaften bieten. Auch über Kosten wurde noch nicht gesprochen, sie sollen nun erst ermittelt werden. Die Gesamtkonzeption soll in enger Abstimmung mit den Stabsstellen Katastrophenschutz und Feuerwehr erarbeitet werden.

Der Kreistag entschied in diesem Zusammenhang auch über zwei Anträge von FDP und Grünen und verabschiedete diese ebenfalls einstimmig. Die Liberalen hatten den Kreisausschuss vor dem Hintergrund teilweise gerissener Warnketten bei der Katastrophe im Ahrtal um einen Bericht über den Stand des Zivilschutzes im Hochtaunus gebeten. Als Teil des Berichts sollen Art und Umfang der Zusammenarbeit zwischen dem Kreis, den Kommunen und dem Kreisverbindungskommando der Bundeswehr einfließen.

Ging es der FDP um den Zivilschutz, so forderten die Grünen Auskunft über den Sachstand beim Katastrophenschutz. Sie wollen wissen, welche Erkenntnisse aus dem Warntag 2020 gezogen wurden - ob es mobile Wände zum Schutz vor Hochwasser gibt, ob die Kommunen bereits über Fließkarten verfügen und ob der Landkreis insgesamt für den Katastrophenfall ausreichend sicher aufgestellt ist.

Norbert Fischer (CDU) sagte, das zentrale Katastrophenschutzlager sei aus Logistikgründen sicher nötig. Beim Katastrophenschutz werde im Kreis aber von allen, die federführend damit befasst seien, "hervorragende Arbeit geleistet". Man sei personell gut aufgestellt und auf viele Szenarien gut vorbereitet. Dennoch unterstütze man das Auskunftsbegehren von FDP und Grünen, sage aber auch gleich, dass die Mitglieder des Fachausschusses dann sehr viel Zeit mitbringen müssten; eigentlich gebe der Bericht mit seinem enormen Tiefgang Stoff für ein "dreitägiges Seminar", so Fischer.

Die Grünen halten den Bericht für "bitternötig". Die Rhein-Main-Region gelte, was Hochwasserkatastrophen anbelangt, als besonders gefährdet, der Klimawandel sei "längst angekommen". Eingedenk der katastrophalen Ereignisse an der Ahr müsse man sich auch im Hochtaunuskreis auf vermehrt auftretende Starkregenereignisse einstellen. Dass der Kreis beim Katastrophenschutz gut aufgestellt sei, bezweifele man nicht einmal. Der Stresstest dazu, ob es wirklich reicht, komme aber erst im Ernstfall.

Holger Grupe (FDP) begrüßte es, dass die drei Anträge wegen gemeinsam beraten wurden. Wichtig sei den Liberalen, dass die rasche Alarmierung von Katastrophenschutz sowie die Warnung der Bevölkerung in der gebotenen Kürze und technisch lückenlos geregelt wird. An der Ahr habe es zwar auch Warnungen gegeben, leider aber nicht an alle und leider auch nicht schnell genug weil die Meldeketten unterbrochen waren. Push-SMS und Apps wie "KatWarn", "HessenWarn" und "Nina" seien zwar gute Instrumente, nützten aber nichts, wenn die zu Warnenden das Handy nicht dabei oder nicht geladen hätten. Und "ohne Netz" stoße jede SMS an ihre Grenzen. Es müssten alle denkbaren Warnwege überprüft werden, was auch für die Sirenen gelte. Diese brauchten zwar im Normalfall auch Strom, ließen sich aber auch batteriebetrieben oder sogar mit der Handkurbel betätigen. Um Verbesserungspotenzial sicher beurteilen und nutzen zu können, müsse zunächst der Ist-Stand im Hochtaunuskreis geprüft und das Ergebnis den Gremien mitgeteilt werden, sagte Grupe. Von Alexander Schneider

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