Auch am sogenannten Königsteiner Hildablick zur Burg sammelt sich der Müll. Im ganzen Hochtaunus hinterlassen Menschen ihren Dreck.
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Auch am sogenannten Königsteiner Hildablick zur Burg sammelt sich der Müll. Im ganzen Hochtaunus hinterlassen Menschen ihren Dreck.

Hochtaunuskreis

Einweggrills und große Geschäfte: Menschen lassen mehr Müll in der Natur

  • Nina Fachinger
    vonNina Fachinger
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In der Corona-Krise sind viele Menschen in der Natur im Hochtaunuskreis unterwegs – und hinterlassen mehr Müll an beliebten Ausflugszielen. Die Kommunen setzen auf die Hilfe der Bürger.

  • Im Hochtaunus wird in der Corona-Krise viel Müll in der Landschaft hinterlassen
  • Sperrmüll, Bauschutt und Hinterlassenschaften von Wanderern finden sich in der Natur
  • Sichtungskontrollen sind meist nicht möglich

Hochtaunus - Verkohlte Einweggrills, Pappteller und Plastikbesteck, leere Schnapsflaschen und Zigarettenschachteln, der Mülleimer am Aussichtspunkt Hildablick in Königstein ist dagegen noch vergleichsweise leer, zeigt unser Foto. Einmal erwischte Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) die Täter – Jugendliche – auf frischer Tat. Ob diese daraus etwas gelernt haben, ist nicht bekannt.

Doch nicht nur die Bürgermeister in den Kommunen des Hochtaunuskreises beobachten die zunehmende Vermüllung der Landschaft während der Corona-Krise mit Ärger. Auch beim Naturpark Taunus wird eine Müll-Zunahme an Ausflugszielen, Wanderparkplätzen und an Wanderwegen selbst registriert. „An allen ,Hotspots' wie etwa der Feldberg und die Eschbacher Klippen in der Nähe von Parkplätzen, auch in der Nähe von Hütte und Grillplätzen – die eigentlich gesperrt sind – oder in der Nähe von Infotafeln finden die Mitarbeiter des Naturparks derzeit verstärkt Müll“, teilt Andrea Herzig, Sprecherin des Hochtaunuskreises auf Anfrage mit.

Hochtaunuskreis: Kommunen beobachten mehr Müll in der Natur

Die Bandbreite reiche von Sperrmüll und Farbeimern zu normalem Hausmüll. Die Vermutung liege nahe, dass es da einen Zusammenhang gibt zwischen den lange geschlossenen Mülldeponien (für Privatleute) und den Funden in der Natur. Die Recyclinghöfe der Kommunen waren während der Corona-Krise ganz oder teilweise geschlossen. Der Deponiepark Brandholz in Neu-Anspach hat erst seit Anfang Mai wieder für Privatkunden geöffnet.

Was die Mitarbeiter des Naturparks aber auch beobachteten, seien Essensverpackungen und viele benutzte Taschentücher am Wegesrand. „Die Menschen sind mehr als sonst auf den Wanderwegen unterwegs und hinterlassen leider auch unappetitliche Dinge.“ Stinkende Pinkelecken rund um das Feldbergplateau zum Beispiel. Die gibt es nicht erst seit Ausbruch der Corona-Krise, doch beobachten die Schmittener Umweltpaten (Umpas) eine Verschlimmerung. Diese stammen nicht nur von Hunden, sondern vermehrt auch von Menschen. Und immer häufiger verrichten auch Ausflügler ihr großes Geschäft irgendwo in der Natur, berichten die Umpas, die regelmäßig zur Müllsammlung ausrücken.

Hochtaunuskreis: Auch unangemeldeter Sperrmüll nimmt zu

In Bad Homburg ist das Bild zweigeteilt: Im Kurpark gibt es wesentlich mehr Müll, darunter viele Einwegverpackungen für Essen zum Mitnehmen, teilt Stadtsprecher Marc Kolbe mit. Ein ähnliches Bild biete sich in der Innenstadt und im Kirdorfer Feld. „In den Buschwiesen hat der Müll jedoch nicht zugenommen, was auch damit zusammenhängen könnte, dass das Areal als Grillplätze wegen der erhöhten Waldbrandgefahr nicht genutzt werden darf“, so Kolbe.

Im Bad Homburger Stadtwald wiederum gebe es in der Corona-Krise mehr illegal abgeladenen Bauschutt und Grünschnitt. Auch der Sperrmüll in Wohngebieten, für den es keinen Entsorgungstermin gebe, habe zugenommen. Kolbe betont: „Die Stadt ist für jeden Hinweis illegaler Müllentsorgung dankbar.“ Denn die Betriebshöfe-Mitarbeiter seien zwar in Kolonnen (Zweier-Teams statt zuvor Dreier-Teams wegen der Corona-Abstandsvorgaben) im Stadtgebiet unterwegs, doch den großen Mengen sei durch die Betriebshöfe nur schwer hinterherzukommen. Sichtungskontrollen seien schon gar nicht möglich.

Hochtaunuskreis: Menschen hinterlassen ihren Müll in der Natur

Vollgestopfte Mülleimer, um die sich ringsherum weiterer Müll anhäuft, sind kein schöner Anblick. Doch immerhin könnte ein Mülleimer dazu motivieren, dass man diesen auch nutzt? Im Naturpark Taunus stehen sie jedenfalls am überwiegenden Teil der Parkplätze, teilt der Hochtaunuskreis mit. „Allerdings erwarten wir auch, dass die Besucher ihren Müll wieder mitnehmen und haben dies entsprechend deutlich und oft kommuniziert. Es gab vor einigen Jahren zudem einen entsprechenden Beschluss unter den Kommunen, nicht überall Mülleimer aufzustellen, damit die Menschen daran denken, sich verantwortlich zu verhalten und ihre Hinterlassenschaften einzupacken. Außerdem gehen die Tiere an die Mülleimer und zerstreuen die Abfälle. Das Leeren der Mülleimer kostet zudem viel Zeit und Geld.“

Hochtaunuskreis: Bürger im Usinger Land bemerken keine Zunahme von Müll in der Landschaft

Immer wieder haben Ordnungsämter der Kommunen des Usinger Landes in den vergangenen Wochen illegale Müllentsorgungen entdeckt und diese auch kommuniziert. Doch welche Beobachtung machen Bürger des Usinger Landes? Eva Holdefer lebt im Weilroder Ortsteil Altweilnau und sie steht gemeinsam mit Marlis Teubert an der Spitze der Umweltgruppe Lokale Agenda 21 Weilrod. „Auf privaten Touren habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass mehr Müll in der Natur liegt“, sagt Teubert. Sie sei rund um Altweilnau viel und oft mit dem Hund unterwegs. Tempos und entsorgte Mund-Nasen-Masken hat sie gesehen, jedoch nur vereinzelt. Dass sie nicht mehr Müll als sonst sehe, könne aber auch daran liegen, dass sie touristische Ausflugsziele nicht aufsuche. „Aber auch am Meerpfuhl (Teich bei Merzhausen; d. Red.), wo viele Leute sind, ist mir nichts aufgefallen.“

Von Nina Fachinger

Auch in Frankfurt wird in der Corona-Krise mehr Müll illegal entsorgt. Viele sehen die Krise als „Freibrief“.

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