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Hochtaunuskreis errichtet Notunterkunft für 1000 Geflüchtete aus der Ukraine

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Von: Thomas Kopp

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In einer Frankfurter Sporthalle stehen schon Notbetten für ukrainische Kriegsflüchtlinge bereit. In den nächsten Tagen werden auch in Kronberg und Neu-Anspach Hallen als Unterkünfte für bis zu 1000 Menschen hergerichtet. © DPA Deutsche Presseagentur

Die Flüchtlingswelle aus der Ukraine hat auch den Hochtaunuskreis erreicht. Nun muss der Landkreis Platz für 1000 Menschen schaffen - auf Anweisung des Landes. Die Vorbereitungen laufen in allen Bereichen auf Hochtouren.

Hochtaunuskreis. Jeweils 1000 ukrainische Geflüchtete sollen die vier dem Landkreis Gießen benachbarten Kreise Hochtaunus, Wetterau, Vogelsberg und Limburg-Weilburg aufnehmen, von 500 auf 2000 Plätze außerdem Unterkünfte an der Frankfurter Messe aufgestockt werden. »Ab Samstag, 14 Uhr, sollen diese Menschen an maximal zwei Standorten im jeweiligen Landkreis unterkommen. Die Standorte dienen dann als Erweiterungen der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen«, sagte Landrat Ulrich Krebs (CDU) bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Mittwochnachmittag im Landratsamt.

Geflüchtete sollen in Sporthallen iIn Kronberg und Neu-Anspach untergebracht werden

Der Einsatzbefehl dazu kommt vom Hessischen Innenministerium. Krebs zeigte sich zuversichtlich, die Vorgabe zu erfüllen. Unterkommen sollen die Menschen in der Zweifeld-Sporthalle der Altkönigschule in Kronberg sowie in der Dreifeldsporthalle der Grundschule Am Hasenberg in Neu-Anspach. Gerne hätte Krebs die Menschen aus der Ukraine besser untergebracht, zumal es laut Erstem Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr (CDU) eine »gewisse Turnhallenproblematik« im Kreis gebe. »Doch so große Hotels können wir leider nicht bieten, um die Vorgabe der maximal zwei Standorte zu erfüllen«, so Krebs. Er ließ durchblicken, dass er gerne mehr Standorte angeboten oder sich auch weitere Landkreise mit kleineren Kontingenten gewünscht hätte, doch auch, dass er die Entscheidung respektiere.

Denn nicht nur die Geflüchteten müssten nun zusammenrücken, auch die Bürger. »Es ist wichtig, nun Solidarität mit den Menschen, meist Frauen mit Kindern, zu zeigen«, appellierte er an die Mitbürger. Dabei berief sich Krebs auch auf Erfahrungen, die man bei dem Flüchtlingszustrom 2015 gesammelt habe. Er sei daher zuversichtlich, die Hallen bis Samstag vorbereitet zu haben. Eine Einschätzung, die Jürgen Hirzel, Fachbereichsleiter für Brandschutz, Rettungsdienste und Katastrophenschutz, teilt: »Wir haben die Betten und auch weitere Ausstattung auf Lager.«

Landrat Krebs hat bereits mit Schulleitern und Kommunen gesprochen

Gleichwohl weiß Krebs, dass er vor allem den Schulen viel zumutet. Er habe bereits mit den Schulleitern und auch umliegenden Kommunen gesprochen, um Lösungen für die dann geschlossenen Hallen zu finden. »Es herrschte großes Verständnis für unsere Entscheidung, denn immerhin handelt es sich um den ersten Angriffskrieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg«, gab Krebs zu bedenken.

Die Kronberger Schüler werden, sofern für das Abitur relevant, nach Königstein ausweichen können, die Grund- und Mittelstufe auf andere Hallen in Kronberg, Königstein und Steinbach. Die Neu-Anspacher Grundschüler werden in der Halle der Adolf-Reichwein-Schule und anderer im Stadtgebiet aufgefangen.

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Zwei Busse aus dem Taunus haben Hilfsgüter an die ukrainische Grenze gebracht. Auf dem Rückweg sind Flüchtlinge mitgenommen worden. © Red

Hessische Erstaufnahmerichtung in Gießen hat den Hut auf

Bei den Geflüchteten habe diesmal, anders als 2015, die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen gleich von Anfang an den Hut auf. Dem Hochtaunuskreis obliege die Versorgung, die durch den Taunus-Menü-Service und zunächst das Deutsche Rote Kreuz erfolgen soll. Da Letzteres unter anderem aufgrund der Conora-Krise ziemlich ausgelastet sei, hoffe man, hier noch andere private Träger ins Boot holen zu können. Der Landrat hofft aber, dass die Weiterverteilung an andere Stellen im Hochtaunuskreis, aber auch an andere Kreise schnell möglich ist. Denn schließlich kämen auch Geflüchtete hier an, die nicht in der Erstaufnahme landen und anderweitig sowie längerfristig untergebracht werden müssen. Dies könne in kleineren Hotels, aber auch in privaten Unterkünften erfolgen.

Über die jeweiligen Kommunen könnten diese sich dann anmelden und über die Ausländerbehörde des Kreises die ihnen zustehenden Leistungen erhalten. Die Behörde habe dafür eigene Sprechstunden montags und donnerstags eingerichtet. Auch Dolmetscher habe der Kreis bereits gewinnen können, um den Geflüchteten etwa bei Behördengängen unter die Arme zu greifen.

Mit dem Staatlichen Schulamt sei die Kreisverwaltung ebenfalls in Gesprächen, um die schulische Integration der Kinder bewerkstelligen können. Auch wenn das Kultusministerium sich hier zuversichtlich gebe, stehe der Kreis vor einer »Herkulesaufgabe«. Viele der Kinder könnten weder Englisch noch Deutsch.

Die Kleinkinderbetreuung sieht Krebs mit etwas mehr Zeit versehen. Erst wenn die Mütter einer Arbeit nachgingen, komme auch das auf die Kommunen zu. »Doch längerfristig müssen wir uns auch darauf einstellen«, sagte Krebs.

180 bis 200 Geflüchtete sind bereits privat untergebracht worden

Das Engagement der Taunus-Bürger ist ungebrochen. Landrat Ulrich Krebs sprach von einer »eindrucksvollen Hilfsbereitschaft«, die sich nicht nur durch finanzielle Spenden ausdrücke. Etwa 180 bis 200 geflüchtete Ukrainer seien bereits privat untergekommen. Wer helfen möchte, egal ob als Ehrenamtlicher bei der Unterstützung der Geflüchtete oder durch andere Hilfen und Spenden, kann sich unter ukraine@hochtaunuskreis.de oder Telefon (0 61 72) 9 99 49 94. Sachspenden können beim Bündnis »Hochtaunus hilft« im Impfzentrum in Ober-Eschbach abgegeben werden.

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