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9-Euro-Ticket kann kommen - ÖPNV-Anbieter sehen sich gewappnet

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Von: Matthias Pieren

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Die Verantwortlichen rechnen wegen des günstigen Tickets mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen im ÖPNV. Die Kapazitäten im Hochtaunuskreis seien aber ausreichend.

Hochtaunus - War es ein verspäteter April-Scherz, als Bundesverkehrsminister Volker Wissing Ende April versprach, angesichts der explodierenden Energiepreise die Bürger mit einem deutlich verbilligten ÖPNV-Ticket spürbar zu entlasten?

Offenbar nicht, denn in der kommenden Woche soll im Bundestag und Bundesrat ein stark verbilligtes Ticket auf den Weg (und die Gleise) gebracht werden, mit dem man für nur neun Euro einen Monat lang in ganz Deutschland den ÖPNV nutzen kann.

"Das Neun-Euro-Ticket bietet für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises, aber auch für Besucher aus anderen Regionen, die Chance, den Hochtaunuskreis und seine attraktiven Freizeitziele mit dem öffentlichen Nahverkehr zum kleinen Preis zu erreichen", benennt Hochtaunuskreis-Landrat Ulrich Krebs (CDU) die Möglichkeiten des Tickets.

9-Euro-Ticket für den Hochtaunuskreis: Genügend Busse und Bahnen im Einsatz

Tatsächlich wird es wohl nie wieder eine bessere Gelegenheit geben, das eigene Auto stehenzulassen und auf Busse und Bahnen umzusteigen. Auf vielen Verbindungen sei der Zeitunterschied gegenüber dem Auto gering, teilweise sei man mit Bus und Bahn sogar schneller am Ziel, so Krebs.

Dennoch sei ein Gedankenspiel an dieser Stelle erlaubt: Was würde eigentlich passieren, wenn tatsächlich bundesweit plötzlich alle Menschen mit dem ÖPNV zur Arbeit und zum Einkauf führen? Wenn darüber hinaus Unternehmungslustige an den Wochenenden oder auch für einen Kurzurlaub oder Städte-Trip das Land mit dem Nahverkehr durchquerten?

Nach rückläufigen Zahlen während der Pandemie werden auch aufgrund des Neun-Euro-Tickets künftig wieder mehr Nutzer des ÖPNV erwartet.
Nach rückläufigen Zahlen während der Pandemie werden auch aufgrund des Neun-Euro-Tickets künftig wieder mehr Nutzer des ÖPNV erwartet. © map

Sind Busse und Bahnen im Hochtaunuskreis in ausreichender Zahl vorhanden und der ÖPNV mit ausreichenden Kapazitäten gewappnet? "Mit unserem bestehenden Angebot im Busverkehr sehen wir uns für zusätzliche Fahrgäste gut gerüstet", teilt VHT-Geschäftsführer Frank Denfeld auf Anfrage mit.

"Fast die Hälfte des Aktionszeitraums fällt in die Sommerferien, in denen neben Schülern auch viele Pendler urlaubsbedingt gar nicht unterwegs sind", so Denfeld weiter. "Wir erwarten durch den Verkauf des Neun-Euro-Tickets durchaus einen Anstieg der Nachfrage im Freizeitverkehr, allerdings eher außerhalb der Hauptverkehrszeit."

9-Euro-Ticket für den Hochtaunuskreis: Tagestourismus könnte profitieren

Der Linienverkehr im Busverkehr des Usinger Landes und bei der Taunusbahn sei in Randstunden und am Wochenende ausgeweitet worden - zum Teil bis weit in die Nacht hinein, um im Freizeitbereich eine gute Alternative zum Auto zu bieten. Nach Angaben des RMV haben sich die Fahrgastzahlen im S-Bahnverkehr nach den Einbrüchen durch die Pandemie zuletzt wieder erfreulich entwickelt.

"In der Hauptverkehrszeit zeigt sich noch der Effekt des mobilen Arbeitens", teilt RMV-Pressesprecher Maximilian Meyer auf Anfrage mit. "Im Freizeitverkehr sind wir bereits vielerorts wieder im Bereich wie vor der Pandemie. Wir sind mit den Verkehrsunternehmen wegen der Ausweitung des Fahrtenangebots im Gespräch."

Auch im Bad Homburger Rathaus sieht man sich gerüstet. "Unser Stadtbussystem ist sehr gut ausgebaut. Die Busse fahren fast rund um die Uhr. Wir haben es trotz der Corona-Pandemie weiter kontinuierlich ausgebaut", sagt Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak (CDU). "Wir können einen möglichen Ansturm der Fahrgäste bewältigen. Weitere Kapazitäten bereitzustellen gestaltet sich aber insbesondere in der Hauptverkehrszeit eher schwierig."

9-Euro-Ticket für den Hochtaunuskreis: Fahrgastzahlen dürften ansteigen

Insbesondere auf der Stadtbuslinie 5 zur Saalburg und zum Hessenpark erwartet Jedynak eine erhebliche Steigerung der Fahrgastzahlen im Freizeitverkehr. Da diese Linie aber nicht in der Hauptverkehrszeit verkehre, sei eine kurzfristige Ausweitung der Kapazitäten ohne Probleme möglich.

"Unsere Stadt ist durch die S-Bahn, die U-Bahn und verschiedene Buslinien sehr gut ans Umland angebunden", sagt Oberursels Bürgermeisterin Antje Runge (SPD). "Ich begrüße, dass das Neun-Euro-Ticket den Umwelt- und Mobilitätsaspekt noch stärker in den Blickpunkt rücken wird. Ich verspreche mir auch mehr Tagestouristen und damit Menschen, die unsere Geschäfte oder Gastronomie besuchen oder die Natur erkunden wollen." Die Rathaus-Chefin geht davon aus, dass die aktuell zehn verkehrenden Stadtbusse in der Brunnenstadt den Bedarf der Fahrgastzahlen vor der Pandemie plus neue Fahrgäste abdecken können. Die Verantwortlichen gehen demnach alle von einem deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen aus. Wie hoch diese aber tatsächlich werden, kann niemand vorhersagen. (Matthias Pieren)

So kommen Bürger an die Fahrkarte

Das Neun-Euro-Ticket soll als deutschlandweit gültiges Verbundticket von Ende Mai an sowohl über die RMV-App, an RMV-Fahrkartenautomaten und in RMV-Vertriebsstellen erhältlich sein.

Es gilt ab dem 1. Juni und kostet für Juni, Juli und August pro Fahrgast jeweils neun Euro pro Monat und ist im öffentlichen Nahverkehr gültig.Genutzt werden können also alle U-, S- und Straßenbahnen sowie Linienbusse. Es gilt auch im Regionalverkehr. Das personenbezogene Ticket gilt für die 2. Klasse.

Der Fahrausweis ist weder im Fernverkehr der Deutschen Bahn (IC, ICE, EC) noch in privaten Zügen des Fernverkehrs (wie FlixTrain) und auch in Fernbussen (wie FlixBus) gültig. Weitere Informationen gibt es unter www.rmv.de.

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