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In der Fasanerie in Wiesbaden leben die Waschbären im Gehege. Probleme bereiten im Usinger Land wiederum die wildlebenden Tiere. 

Usinger Land

Waschbären breiten sich aus – mit unliebsamen Folgen  

Immer mehr Tierarten und Insekten sind bedroht oder verschwinden ganz. Hingegen hat sich der Bestand der kulturfolgenden Tierarten wie Rehwild, Wildschwein und Waschbär stetig ausgeweitet. 

Hochtaunuskreis – Ein Überraschungsgast tummelte sich jüngst ganz ungeniert auf der Terrasse von Familie Mohr in Neu-Anspach. Das Foto des auf den ersten Blick possierlichen Tieres, das die TZ-Leser an die Redaktion eingeschickt hatten, zeigte zweifelsfrei einen Waschbär.

Dass es sich dabei nicht um einen Einzelgänger handelt, zeigen Beobachtungen am Straßenrand. Im Vorüberfahren sind immer wieder überfahrene Waschbären zu sehen. Gewiss haben diese Ähnlichkeiten mit einem Dachs. Beide Wildtiere haben eine ähnliche Färbung des Fells in Grau, Schwarz und Weiß.

Doch statt der schwarz-weiß-längsgestreiften Färbung der lang nach vorn gezogenen Nase, hat der Waschbär eher eine drollige Stupsnase mitten im Gesicht. Zudem ist der buschige Schwanz des Waschbären geringelt.

Waschbären: Anrufe beim Stadtförster

"Ich erhalte jeden Monat drei oder vier Anrufe von Bürgern, die einen Waschbären auf dem Grundstück haben", teilt auf Anfrage Usingens Stadtförster Karl-Matthias Gross mit. "Für manche Bürger ist das bereits zum Problem geworden - vor allem in den Stadtteilen und in den Wohnlagen am Ortsrand."

Vor über zehn Jahren sei auf Usinger Gemarkung erstmals ein Waschbär auf Höhe der Essigbrücke am Rande des Feldweges zwischen Eschbach und Usingen gesichtet worden. "Waschbären sind bei uns zwar noch keine Plage wie in Kassel und in Nordhessen. Sie sind aber flächendeckend angekommen", beschreibt Weilrods Forstamtsleiter Bernd Müller die Situation im Usinger Land.

Immer wieder Fußspuren von Waschbären im Hochtaunuskreis

Da es sich aber um nachtaktive Tiere handelt, werden die zunehmend als Störgeister empfundenen Tiere, meist nur durch Zufall im besiedelten Bereich gesichtet. Oder aber man entdeckt die Auswirkungen ihres Treibens am Morgen, wenn Komposteimer durchstöbert oder gelbe Säcke nach Essensresten durchforstet wurden.

"Im Wald sehen wir immer wieder die charakteristischen Fußspuren", sagt Müller. "Wie kein anderes Tier haben sie fünf nach vorne gerichtete Zehen. Auch erkennen wir Waschbären am Kot. Nur ganz selten sieht man sie in der Dämmerung." So drollig die Tiere ausschauen - im Miteinander mit den Menschen sind Konflikte vorprogrammiert.

"Es ist ein Hygieneproblem und zugleich ein akustisches Problem in der Nacht, weil Waschbären Rabatz machen", sagt Usingens Forstmann Karl-Matthias Groß. "Eigentlich sind die Verhaltensregeln ganz klar, wie bei Urlaubern, die in Kanada oder Amerikas Nationalparks wandern: man darf keine Müllsäcke oder Essensreste draußen stehen lassen."

Waschbären sorgen für Rabatz in der Nacht

Waschbären haben nach Angaben des Stadtförsters Greifhände und die Augen auf einer Ebene mit dem Gehirn. Sie haben dadurch ein gutes Klettervermögen und können aufgrund ihrer Beobachtungen klare Schlussfolgerungen für ihr Handeln ziehen.

Eigentlich sind die Männer vom Forst gar nicht für den Umgang mit Waschbären zuständig, wenn diese auf Privatgrundstücken auftauchen. "Für herrenlose Tiere ist das Ordnungsamt zuständig", sagt Gross. "Jeder müsste seine Grundstücke so absichern, dass sie nicht für Tiere zugänglich sind."

Tatsächlich gibt es Patente für entsprechende Elektrozäune und Unternehmen, die Fallenlehrgänge anbieten. Diese sind die Voraussetzung dafür, um selber Fallen auf dem Grundstück aufzustellen. Professionelle Schädlingsbekämpfer können ebenfalls eingeschaltet werden.

Groß betrachtet die Entwicklung auch in größeren Zusammenhängen: "Wir Menschen haben einen egoistischen Alleinstellungsanspruch. Wer aber im Grünen leben will, muss bis zu einer gewissen Grenze auch die Existenz anderer Lebewesen akzeptieren - dazu gehören heute auch die Waschbären."

Matthias Pieren 

Die Züge auf der kreiseigenen Taunusbahn-Strecke sollen zum Schulbeginn wieder rollen. In den kommenden Jahren ist zudem eine Elektrifizierung geplant.

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