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»Höllische Nachbarn« im Mehrfamilienhaus

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Friedrichsdorf. Ein Ehepaar scheint seine Nachbarschaft in einem Mehrfamilienhaus in Friedrichsdorf seit Jahren zu schikanieren, wie die Nachbarn beim Prozess im Bad Homburger Amtsgericht übereinstimmend berichteten.

Demnach wurde ihnen immer wieder Strom ausgeschaltet, Kabel wurden durchschnitten, Briefkästen und Schlösser verklebt. »Man kann gar nicht alles aufzählen«, sagte einer von ihnen. Mehrfach sei die Polizei im Haus gewesen, Versuche auf eine friedliche Einigung beim Schiedsgericht und mithilfe der Hausverwaltung seien bereits gescheitert.

Angeklagt war die Ehefrau, weil sie vor rund einem Jahr diesen 55 Jahre alten Nachbarn mehrfach als »dumme Sau« tituliert haben soll - was für sie kein ungewöhnlicher Ausdruck zu sein scheint. Zumindest berichtete eine Nachbarin, von der Rentnerin auch schon so bezeichnet worden zu sein. Sie habe das damals ignoriert.

Angeklagte kommt mit Aktenordner

Über dieses Stadium der Ignoranz scheint der 55-jährige Nachbar hinaus zu sein, er hatte Strafanzeige erstattet. »Ich habe die Hoffnung, dass nach einem Gerichtsurteil mal Ruhe ist. Ich will einfach nur in Frieden leben«, erklärte er sein Vorgehen. Immerhin habe er den Eindruck, dass das Ehepaar seit Beginn der Ermittlungen ruhiger geworden sei.

Sonderlich gut sah es beim Prozessauftakt für die Erfüllung seiner Hoffnung allerdings nicht aus. Die Rentnerin zeigte sich sehr kämpferisch, erschien mit einem dicken Aktenordner, in dem sie häufig blätterte und verlor sich in ihren Schilderungen über die angeblichen Taten ihrer Nachbarn. Es waren im Prinzip ähnliche, die andersherum von den Nachbarn ihr und ihrem Mann vorgeworfen wurden, wie Strom abschalten und Schlösser verkleben. Doch nach ihren Schilderungen waren sie und ihr Mann die Opfer gewesen. So auch bei der nun angeklagten Tat, die sich laut ihrer Schilderung ganz anders als vom Staatsanwalt vorgelesen zugetragen haben soll.

Demnach soll der 55-jährige Nachbar ohne Anlass massiv gegen ihre Tür und das Küchenfenster geschlagen haben, sie habe große Angst gehabt. »Ich war schockerstarrt, es war wie in einem Film«, schilderte sie. Gesagt habe sie aber gar nichts, denn mit dem 55-Jährigen könne man nicht reden. Ohnehin seien sie und ihr Mann nach mehreren Vorfällen im Haus sehr vorsichtig geworden. »Wenn wir die Fenster öffnen, dann nur, wenn wir im Raum sind.«

Einstellung abgelehnt

Der 55-Jährige schilderte den Vorfall vom März 2021 wiederum ganz anders. Er habe im Keller entdeckt, dass mal wieder das Kabel seiner Waschmaschine durchtrennt worden sei und habe den Mann der Angeklagten als mutmaßlichen Täter zur Rede stellen wollen, schilderte der Zeuge. Er habe an die Scheibe und die Tür geklopft, daraufhin habe der Ehemann geschimpft und die Ehefrau ihn beleidigt.

»Das Ziel von solchen Strafverfahren ist es, dass künftig Ruhe herrscht«, meinte der Amtsanwalt, nachdem er der Angeklagten und den Zeugen lange zugehört hatte. Er könne sich vorstellen, die Angelegenheit ohne Auflagen einzustellen, wenn sich danach nur alle vertragen würden. »Ich hätte damit kein Problem, habe aber Zweifel, ob das funktioniert«, zeigte sich der 55-Jährige skeptisch.

Seine Meinung dazu war allerdings gar nicht maßgeblich, zustimmen mussten der Richter und die Angeklagte. Ersterer zeigte sich nicht abgeneigt, letztere wollte sich erst mit ihrem Mann besprechen, der im Flur auf seine Zeugenaussage wartete.

Nach kurzer Zeit kam sie wieder rein und sagte auf die entsprechende Frage des Richters nach einer Einstellung nur »Nein«. »Sie wissen, dass es ungünstig für sie aussieht?«, startete der Richter noch einen Versuch. »Ich weiß«, lautete die Antwort.

Nun wird Anfang Juni weiter verhandelt, dabei sollen weitere Zeugen gehört werden.

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