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Holzdieben mit GPS auf der Spur

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Anscheinend lukratives Diebesgut: Zur Diebstahlprävention bringen Mitarbeiter von Hessen Forst versteckte GPS-Tracker am geschlagenen Holz an. Die gut sichtbaren Markierungen dienen nur zur Identifizierung der Stämme. © Red

Hochtaunuskreis. Wen es für einen schönen Spaziergang oder eine kleine Fahrradtour regelmäßig in die Wälder des Hochtaunus führt, der kennt sie: die Holzpolter. So nennt man die mal mehr, mal weniger feinsäuberlich aufgestapelten Stämme, die nach dem Schlagen in der Nähe der Waldwege auf ihre Abholung warten. Da könnte man sich ja mal das eine oder andere Scheit für den heimischen Kamin mitnehmen - das denken sich derzeit offenbar immer mehr Diebe angesichts der steigenden Energiekosten.

»Im ganzen Land und natürlich auch im Forstamt Königstein kann man in den vergangenen Monaten leicht vermehrt Holzdiebstähle feststellen«, berichtet Dieter Hanke von Hessen Forst, Abteilung Rohholzverkauf. Um ein Kavaliersdelikt handelt es sich dabei freilich nicht. In der Regel sind die Stämme nämlich bereits verkauft worden.

Das geschlagene Holz wird an die Wege gerückt, vom zuständigen Forstamtsmitarbeiter aufgenommen, markiert und dann an den Käufer, der für die Abholung selbst zuständig ist oder aber Subunternehmen damit beauftragt, überwiesen. »Normalerweise sollte das Holz innerhalb von zwei Monaten nach Zahlungseingang abgeholt werden. Leider nutzen manche Firmen den Wald aber längerfristig als Ressourcen-Lager«, erklärt Hanke, »und anders als bei einem Supermarkt, wo man genau weiß, wer kommt und geht, kann man die Wälder nicht komplett überwachen.«

Peilsender zur Prävention

Dass das Thema Holzdiebstahl in Bad Homburg bisher eine untergeordnete Rolle spielte und es auch in der jüngeren Vergangenheit keine nennenswerte Zunahme gab, hat laut Günter Busch zwei einfache Gründe. »Zum einen treffen wir eine gewisse Vorsorge, indem wir gerade Brennholz nicht in Kurzlängen anbieten, die sich leicht mit einem Pkw abtransportieren lassen«, sagt der Revierförster, »zum anderen sind gerade im Stadtwald viele freizeitsuchende Menschen unterwegs, die den Diebstahl beobachten und melden können.«

Doch auch in weniger frequentierten Waldabschnitten des Hochtaunus sollte man es sich zweimal überlegen, ob man fremdes Eigentum entwendet. Denn seit drei Jahren setze Hessen Forst sogenannte Tracker ein, wie Leiter Michael Gerst der Deutschen Presse-Agentur verriet. Dieter Hanke erklärt die Methode: »Die GPS-Tracker werden verdeckt in Holzstücke eingebaut und geben ein Signal ab, wenn das Holz bewegt wird.« Mehrere kleinere sowie ein größerer Holzdiebstahl seien auf diesem Wege zuletzt aufgeklärt worden. Genau beziffern lasse sich der aktuelle Schaden nicht, sagt Gerst, es handele sich aber wohl um Festmeter im unteren dreistelligen Bereich. Ein Festmeter nicht aufgearbeiteten Holzes koste rund 60 Euro. Vor dem Einsatz der Tracker habe es im Jahr auch schon mal Schäden im hohen sechsstelligen Bereich gegeben.

Nicht mehr genug Holz für alle

Dass die Menge an gestohlenem Holz bisher also überschaubar ist, heißt nicht, dass die Experten das Thema auf die leichte Schulter nehmen. »Die Nachfrage nach Brennholz ist aktuell sprunghaft angestiegen«, berichtet Hanke. Da das Holz nur in der Wintersaison geschlagen wird, würde man aktuell nur noch kleine Restmengen abwickeln. Derzeit ginge man davon aus, dass für die nächste Saison nicht alle Nachfragen bedient werden können. Zudem dürfte sich laut Schätzung von Hanke der Preis für Brennholz deutlich erhöhen. Grund sind »die Kalamitäten der vergangenen Jahre«, wie es Busch ausdrückt, also die durch den Klimawandel bedingten langen Trockenphasen, vielen Sturmschäden sowie der Borkenkäferbefall.

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