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Helgard Kündiger - hier auf dem Foto beim Abschiedsgottesdienst mit Propst Oliver Albrecht - war seit 1993 Klinikseelsorgerin an den Hochtaunus-Kliniken. 2004 gründete sie zudem den Bad Homburger Hospizdienst.

Pionierin der Hospizarbeit

Klinikseelsorgerin und mutige Kritikerin: Pfarrerin Helgard Kündiger geht in den Ruhestand

Helgard Kündiger war eine einfühlsame Klinikseelsorgerin und mutige Kritikerin, die auch alte Zöpfe abschnitt, und die Dinge, die ihr wichtig waren, mit Verve erreichte. Wie die Gründung des Homburger Hospizdienstes und die Kapelle in der Hochtaunusklinik. Jetzt geht die 64-Jährige in den Ruhestand.

Bad Homburg - Eines hat Helgard Kündiger mit Dekan Michael Tönges-Braungart gemein: "Wir haben beide Migrationshintergrund." Seine Heimat sei Herborn, ihre Limburg, das rollende "R" ihr Identitätsmerkmal. Die Pfarrerin war seit 1993 Klinikseelsorgerin der Hochtaunuskliniken, und der Dekan sowie Oliver Albrecht, der Propst für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, verabschiedeten sie gemeinsam.

Helgard Kündiger wollte nicht die Krankenschwester auf der Kanzel sein. Daher studierte sie nach ihrer Ausbildung Theologie und war so eine Seelsorgerin, die wusste, wie es hinter den Kulissen aussieht. Die fordernd werden konnte, wenn es um die Belange der Kranken ging, betonte der Propst bei der Verabschiedung in der Gedächtniskirche.

Begleitet wurde der Gottesdienst von "Musaik", einem Projektchor, den sie initiiert hatte. Wie sehr sie und ihre Arbeit Kollegen, Freunde und Mitarbeiter berührt und angesprochen hat, zeigte der mehrminütige Applaus, mit dem der Gottesdienst nach einem persönlichen Dankeschön Kündigers endete.

"Nicht immer bequem"

Sie erzählte von Eltern und Patentante, die sie geprägt und auf ihrem Lebensweg unterstützt hatten. Sie bedankte sich bei Wegbegleitern und Mutmachern in schweren Zeiten. Einer davon war Dekan Michael Tönges-Braungart. Er beschrieb Helgard Kündiger als warmherzig, aber auch durchsetzungsfähig, und nicht immer bequem, wenn sie etwas verändern wollte. "Sie hat die Klinik von der anderen Seite gekannt." Die engagierte Theologin habe ihr Kind, den Hospizdienst, mit Herzblut und konzeptionellem Denken nach vorne gebracht. Wie sehr sie zur Klinik dazu gehört habe, zeige die Kapelle, an der sie großen Anteil habe.

Propst Albrecht beschrieb die 64-Jährige als einfühlsam, mutig und Mut machend. In der Hospizarbeit sei sie Pionierin gewesen. 2004 rief sie den Homburger Hospizdienst ins Leben. Sie habe in einem theologisch-politischen Prozess das Sterben in die Gesellschaft zurückgeholt, Patienten und Ärzte betreut, erklärte der Dekan. Er zitierte die Seelsorgerin mit der Erkenntnis, dass Sterbebegleitung eine Kunst sei, die man lernen müsse, wie das Geige spielen. Helgard Kündiger habe im Hospizdienst vielen Menschen die Fähigkeit vermittelt, mit Sterbenden umzugehen und ihnen das zu geben, was sie und ihre Angehörigen brauchen. "Sie haben ihre Arbeit zum Ziel gebracht, aber es ist kein Schluss, sondern ein Doppelpunkt." Der Ruhestand biete Platz für neues.

Für den Homburger Bürgermeister Meinhard Matern (CDU) hat die Pfarrerin "das Feld der Kirche mit besonderem Engagement bestellt", und den Menschen Angebote gemacht, aus denen sie neue Kraft und Hoffnung schöpfen konnten.

"Mit großer Sensibilität"

Und sie habe mit großer Sensibilität agiert habe, stellte Dr. Tobias Krohmer, Vorstandsmitglied des Hospizdienstes, heraus. Das sei ihre Begabung und wunderbares Talent gewesen. "Es ging Ihnen nie um eine Sache, sondern immer um die Menschen." Die Pfarrerin war für die Ökumene eine verlässliche Partnerin, betonten Michaela Walter vom Pfarrgemeinderat St. Marien, und Kollegin Christine Walter-Klix. Eine ganz besondere Verbindung zu der scheidenden Klinikseelsorgerin hatte Pfarrerin Margit Bonnet. Sie hatte die zweite Hälfte der Stelle inne und wird nach dem Weggang den Part von Helgard Kündiger übernehmen. Sie blickte auf 15 gemeinsame Jahre zurück, in der die Kollegin bewährtes fortgeführt, aber auch mutig alte Zöpfe abgeschnitten hatte. Sie habe kleine Gesprächsangebote gemacht, aber: "Manchmal wolltest du auch den großen Wurf." Dann habe sie mit vollem Einsatz gearbeitet und andere ins Boot geholt, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

von Gerrit Mai

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