Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Bio-Wochenmarkt am Bahnhof

Projekt bekommt trotz vieler Skeptiker eine Chance - Zwei Stände machen den AnfangEigentlich war die 2017 aufgekommene Idee, einen nachmittäglichen Bio-Wochenmarkt am Bad Homburger Bahnhof einzurichten, schon klinisch tot - zu viel Aufwand, zu wenig Interesse bei den Marktbeschickern. Eigentlich.

Bad Homburg - Wie heißt es so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und weil die Mehrheit der Homburger Politik nicht ausschließen mochte, dass ein Bio-Wochenmarkt vor dem Bahnhof doch funktionieren könnte, soll es nun zumindest den Versuch geben - mit zunächst zwei Ständen.

Nachdem das Stadtparlament in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause dem Projekt überraschend - und noch dazu mit überraschend breiter Mehrheit (lediglich die FDP und ein AfD-Stadtverordneter stimmten dagegen) - seinen Segen gegeben hatte, steht der weitere Fahrplan nun fest.

Los geht's am Donnerstag nach dem Laternenfest, also am Donnerstag, 5. September, wie Stadtsprecher Marc Kolbe auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte. Jeweils ein Mal in der Woche soll es nachmittags zwischen 16 und 20 Uhr ein zusätzliches Markt-Angebot in der Innenstadt - zu den beiden Wochenmärkten am Dienstag und Freitag sowie dem Blumenmarkt am Samstag - geben.

Von April bis Oktober

Die Versuchsphase ist auf maximal zwei Jahre angelegt, wobei der erste Abschnitt überschaubar sein wird. "Der Markt soll zwischen April und Oktober stattfinden", sagt Kolbe. Heißt: Der erste Aufschlag im Jahr 2019 umfasst maximal neun Donnerstage - ja nachdem, ob am Tag der deutschen Einheit auch verkauft werden wird.

Grundlage für den neuen Markt war ein Prüfauftrag an den Magistrat, den die Stadtverordnetenversammlung im Juni 2017 auf Initiative der Grünen erteilt hatte - und der ein Jahr später erledigt worden war. Der Tenor: Es lohnt sich finanziell zumindest nicht für die Stadt - jährlichen Ausgaben in Höhe von rund 30 400 Euro würden selbst im Fall eine Vollbelegung lediglich Einnahmen von 8300 Euro entgegenstehen.

Und einfach zum Markt einladen - so leicht geht es nicht, erklärt Kolbe. "Zunächst mussten wir schauen, welche Infrastruktur, also zum Beispiel Stromanschlüsse gebraucht werden." Allein eine provisorische Stromversorgung schlage mit einem niedrigen vierstelligen Betrag zu Buche.

Ebenfalls nicht unerheblich für die Evaluation: Wie sind die Eigentumsverhältnisse und wie könnte eine optimale Wegeführung aussehen. "Außerdem haben wir bei den in Homburg aktiven Marktbeschickern gefragt, ob sie Interesse an dem Bio-Wochenmarkt hätten - hatten sie aber nicht."

Unter anderem sei ihnen der Nachmittagstermin sauer aufgestoßen. "Viele sind schon morgens unterwegs, da ist 16 bis 20 Uhr zu viel." Letztlich habe die Verwaltung empfohlen, auf einen Markt zu verzichten. Ein weiterer Kritikpunkt, der zudem aus dem Umfeld der Marktbeschicker zu hören war: Die Bahn-Pendler, die den Markt nach Feierabend passieren, wollen in der Regel zu den Bussen - und deren Abfahrtszeiten sind gut auf die Bahnen abgestimmt.

Wer "kurz" etwas einkaufen möchte, so die Befürchtung, müsse anschließend bis zu 25 Minuten auf den nächsten Bus warten.

Obst, Gemüse und Fleisch

Das Parlament sah das anders, deswegen gibt's jetzt den Feldversuch. Zwei Beschicker - ein Obst- und Gemüse-Stand sowie ein Metzger - haben zugesagt und werden von September an als Duo aktiv werden. Die Hoffnung der Befürworter: Etabliert sich der kleine Markt in den ersten Wochen, könnte das andere Anbieter zu einem Einstieg bewegen. "In dem Dreieck, in dem der Markt stattfinden kann, passen fünf bis sechs Stände hin", erklärt Kolbe.

Dabei hat die Stadt genaue Vorstellungen. "Es soll keine Konkurrenz zu den Angeboten im Bahnhof sein", einen Imbiss-Wagen werde man auf dem Wochenmarkt also nicht zulassen.

Sollte sich einer der beiden Stände in der Versuchsphase zurückziehen und bis dahin kein neuer Interesse zeigen, soll das Projekt vorzeitig beendet werden.

Alexander Unrath (Grüne) hatte den Feldversuch und die damit einhergehenden Investitionen in der jüngsten Parlamentssitzung verteidigt. "Die beiden Beschicker bieten ein solides Sortiment an, decken den Grundbedarf ab und wecken Interesse."

Peter Braun (parteilos), der selbst Erfahrung mit Märkten hat, mahnte indes, die rosarote Brille beiseite zu legen. Ein solcher Markt wäre sicher toll, aber das Risiko für die Beschicker nicht zu unterschätzen. "Es geht bei beiden Stränden um verderbliche Ware, das hält kein Betreiber zwei Jahre aus."

Das solle man in Unraths Augen doch den Anbietern überlassen. "Wenn die sagen, es rentiert sich nicht, brechen wir den Versuch ab."

von Harald Konopatzki

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