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Das Haus in der Elisabethenstraße trägt einen Schleier

Schutznetz

Ein kaputtes Haus in Bad Homburg zerfällt: Eigentümerin schweigt

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In Bad Homburg sorgt das kaputte Haus in der Elisabethenstraße für mächtig Gesprächsstoff - die Stadt greift ein, die Eigentümerin schweigt

Bad Homburg - Wer am Dienstagmorgen in der Elisabethenstraße unterwegs war, der bekam nicht nur das an einem Markttag von der parallel verlaufenden Louisenstraße herüberschwappende typische Gewusel und Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz mit – sondern vor allem dies: einen Hubwagen, der vor einem Gebäude stand und dort offensichtlich am Arbeiten war. 

Will sich die Inhaberin um die Instandhaltung kümmern?

Das wäre an sich nichts Besonderes, Arbeiten an Immobilien, die im öffentlichen Raum vonstatten gehen, die gibt’s ja ständig. Aber im Falle dieser Immobilie fragte sich vermutlich schon der eine oder andere Passant, ob die Eigentümerin des Hauses sich jetzt, nachdem sich am Zustand über Jahre nichts änderte, nun um die Instandhaltung desselben kümmern wolle.

Gleich vorweg: Tut sie aktuell nicht. Denn der Hubwagen, den hatte die Stadtverwaltung geschickt. Auf Anfrage erklärte Stadtsprecher Andreas Möring: „Wir spannen ein Netz zur Fassadenabsicherung vor das Gebäude, um Passanten vor herabfallendem Putz zu schützen.“ Die Stadt habe sich zu dieser Maßnahme entschlossen, weil Gefahr in Verzug und die Eigentümerin nicht zu erreichen sei. Es handele sich um eine sogenannte Ersatzvornahme.

Stadt Bad Homburg mahnt die Eigentümerin

Das bedeutet, dass die Stadt die Eigentümerin angemahnt hat, ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Weil sie das aber nicht getan hat, sah sich die Stadt gezwungen, selbst für die Sicherheit ihrer Bürger zu sorgen. Die für den Einsatz aufgewendeten Mittel „werden wir natürlich von der Eigentümerin wieder einfordern“, betonte Möring.

Seit Jahren ist das Haus – das sieht man schon von außen – renovierungsbedürftig. Das mahnte der Kur- und Verkehrsverein (KVV) bereits im Jahr 2015 an und verlieh der Immobilie die wenig schmeichelhafte Auszeichnung „Stein des Anstoßes“. Damit soll auf Fassaden aufmerksam gemacht werden, die „keine Zierde für unsere Stadt“ sind, erklärt der KVV.

Seither ist das Gebäude immer mehr verfallen,und der Anblick ist traurig: Fensterscheiben fehlen, die Tür ist verzogen. Die Markise an der Außenwand ist völlig zerfetzt, nur das Schild der früher dort ansässigen Gaststätte „Bosporus“ zeugt davon, dass das Gebäude einst intakt war.

Das Haus zerfällt langsam aber stetig - Eigentümerin schweigt

Heute ist in großen Teilen der Putz ab, die Backsteine zerbröseln langsam. Und zwar so sehr, dass sich die Stadt im vergangenen Februar dazu gezwungen sah, den Bürgersteig vor dem Haus abzusperren. Warnbaken sorgten dafür, dass Fußgänger die Straßenseite wechselten, weil die Gefahr bestand, dass sie von herunter fallendem Bröckelputz getroffen werden könnten. 

Mittlerweile handelt es sich aber nicht mehr nur um eine Möglich- sondern eher um eine Wahrscheinlichkeit, dass genau das passiert. Weswegen die Sache eben nicht mehr nur die private Angelegenheit der Eigentümerin ist, die nach Informationen dieser Zeitung für die Verwaltung nicht zu erreichen sei. Auch nicht für diese Zeitung, die gestern mehrfach versuchte, die Frau telefonisch zu kontaktieren.

Das Haus soll abgerissen werden

Tatsache ist: Irgendwann wird sie sich bei der Stadt melden müssen. Denn nach weiteren Informationen steht im Raum, dass zumindest das Hinterhaus „zurückgebaut“ werden müsste. Das bedeutet im Klartext: Es soll abgerissen werden.

Den Fraktionsvorsitzenden der CDU, Oliver Jedynak, würde das nicht wundern. „Das Gebäude ist wirklich in einem desolaten Zustand, vor allem das Hinterhaus“, erklärte er auf Anfrage dieser Zeitung. Das hatte die Bauaufsicht übrigens bereits Ende 2017 auf Anfrage des Ortsbeirates Innenstadt, der laut Jedynak wiederum auf Intervention der CDU nachgehakt hatte, bestätigt. Demnach war das Vorderhaus damals nicht einsturzgefährdet, aber das Hinterhaus seinerzeit schon in einem „deutlich schlechteren Zustand“.

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