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Der Brand in der Waisenhausstraße hätte schnell schlimmere Folgen haben können.

"Ich habe von 3 bis 9 Uhr durchgeheult"

Familie bekämpft Brand in der Waisenhausstraße - der psychische Schaden ist enorm

Mülltonnen fangen Feuer. Sie stehen direkt neben dem Haus von Familie Krsmanovic. Das Kinderzimmer der Familie droht Feuer zu fangen. Die Bewohner schreiten zur Tat. 

Bad Homburg - Gestern blieben einige Passanten kurz in der Waisenhausstraße stehen, um sich den „unaufgeräumten“ Hauszugang anzusehen: Verkokelte Zeitungen, geschmolzenes Plastik – Überreste der Papier- Bio- und Restmülltonnen – und dazu ein unansehnlicher Fleck an der Fassade unterhalb des vor Hitze abgeplatzten Putzes. Irgendjemand hatte ein paar Stunden zuvor die Mülltonnen angezündet. Der Bericht der Feuerwehr liest sich unspektakulär: „Nachdem das Tanklöschfahrzeug an der Einsatzstelle angekommen ist, mussten nur noch Nachlöscharbeiten durchgeführt werden, da der Brand durch Anwohner schon weitestgehend gelöscht werden konnte.“ 

Bad Homburg: Mülltonnen standen vor dem Haus in der Waisenhausstraße

Und doch war das, was sich gegen 2.55 Uhr in der Nacht angespielt hatte, hochdramatisch, wie Daniela Krsmanovic beschreibt. „Die Mülltonnen stehen direkt am Haus, quasi vor den Kinderzimmern.“ Weil die Familie derzeit renoviert und ausmistet, stand weiterer Müll daneben, der gestern entsorgt werden sollte. „Gott sei Dank ist durch das offene Fenster im ersten Stock der Rauchmelder angegangen und ich bin dadurch wach geworden“, berichtet Krsmanovic, die gestern Nachmittag noch immer unter Schock stand. Als sie den Feuerschein gesehen habe, „dachte ich erst, dass die Zimmer von meinen Kindern brennen.“ 

Die Familie, durch Krsmanovics Schreie alarmiert, reagierte schnell und konnte das Feuer mit den heimischen Wasservorräten und dem Gartenschlauch selber löschen, bevor die Feuerwehr kam. 

An Schlaf war für Familie Krsmanovic nicht zu denken

„Bei vier Kindern haben wir immer rund zehn Kästen Wasser im Haus und mein Mann hat spontan den Wasserschlauch aus der Waschküche vorgezogen. An Schlaf war für sie nicht zu denken: „Ich habe von 3 bis 9 Uhr durchgeheult.“ Dass ein solcher Vorfall alles andere als eine Lappalie ist, unterstreicht Homburgs Stadtbrandinspektor Daniel Guischard. „Die Täter können nicht einschätzen, wie viel Energie da freigesetzt wird.“ Der Inhalt der Tonne sei dabei nicht das eigentliche Problem – es sind die Behälter. 

Mülltonnen bestehen aus Kunststoff – einem Raffinerieprodukt. „Wenn so eine Tonne erstmal richtig brennt ist das so als würde Kraftstoff brennen. Mit einem normalen Feuerlöscher oder einem Eimer Wasser kommt man dann nicht mehr weit“, verdeutlicht Guischard die Gefahr. 

Bei Bränden sofort die Feuerwehr alarmieren

Deswegen sei es immer ratsam, bei Mülltonnen-Bränden die Feuerwehr zu rufen. „Ein Kilogramm brennender Kunststoff reicht zudem, um 10 000 Kubikmeter Luft zu verrauchen.“ Wenn die Tonnen zu nah am Haus stehen, können durch die Hitze Scheiben platzen, „dann zieht der Rauch ins Innere und auch das Feuer kann überspringen.“ 

Und so zeigen auch die Scheiben eines Fensters in der Waisenhausstraße haben Sprünge. Selbst von den vermeintlich sicheren Fassaden geht Gefahr aus, wenn Wärmedämmverbundsysteme im Spiel sind. Die sind zwar oberflächlich speziell geschützt, darunter bestehen sie jedoch aus einer Art Styropor, der nicht feuerbeständig ist. „Wenn die Dämmung beschädigt ist und das Feuer an solch einer Stelle brennt, kann es zu einem Fassadenbrand kommen.“ 

Die Feuerwehr war in der Nacht zum Montag übrigens ganz in der Nähe im Einsatz, was den Mülltonnen-Brand noch in ein ganz anderes Licht rückt. 

Auch nahe der Waisenhausstraße brannten die Mülltonnen

Vor der Baustelle des ehemaligen Büro-Becker war ein großer Baucontainer angezündet worden und stand beim Eintreffen der Wehr im Vollbrand. Die Gasdruckdämpfer an dem Containerdeckel wurden laut Polizei durch das Feuer zur Explosion gebracht, wodurch eine angrenzende Schaufensterscheibe beschädigt wurde. Auch eine nahe am Container befindliche Mülltonne wurde durch die Hitzeentwicklung in Mitleidenschaft gezogen. Nach den beiden Bränden hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen, hat jedoch eine andere Sichtweise als Anwohner und Feuerwehr. 

Sie geht zwar ebenfalls davon aus, dass die Feuer absichtlich gelegt wurden, bewertet die Brände aber derzeit lediglich als Sachbeschädigung und nicht als Brandstiftung. Im Polizeibericht heißt es dazu, im Fall in der Waisenhausstraße sei die „Außenwand des Gebäudes leicht beschädigt“ worden. Der Gesamtschaden beider Brände belaufe sich ersten Schätzungen zufolge auf rund 2000 Euro. Diese Einschätzung dürften die Krsmanovics eher nicht teilen. Die Bad Homburger Kriminalpolizei bittet Zeugen und Hinweisgeber, sich telefonisch unter der Nummer (0 61 72) 12 00 zu melden. 

Von Harald Konopatzki

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